VW stellt den ID.5 ein
Nach nur vier Jahren beendet VW die Produktion des ID.5 ohne einen Nachfolger. Das elektrische SUV-Coupé gibt es nur noch in Restbeständen.
Am 9. Oktober feiert der neue VW ID. Tiguan offiziell Premiere (hier können Sie bereits einen ersten Fahrbericht lesen). Der Wechsel von der Ziffer 4 zum "Elektro-Tiguan" bedeutet gleichzeitig das Aus für den ID.5. Die Coupé-Variante des ID.4 wird nach nur vier Jahren Bauzeit ersatzlos gestrichen. Dies steht im Kontext des aktuellen Konzernumbaus im Rahmen des "Zukunftsplan 2030", bei dem zahlreiche Baureihen ohne Nachfolger in Rente geschickt werden.
Vom ID.4 zum Coupé
Mit dem ID.5 wollte Volkswagen bei der ersten Präsentation 2021 das elektrische SUV-Programm um eine flacher gezeichnete Variante ergänzen. Technisch blieb der Abstand zum bereits eingeführten ID.4 gering: Beide Modelle basieren auf dem Modularen E-Antriebs-Baukasten MEB, nutzen denselben Radstand und teilen sich einen großen Teil der Technik. Der wesentliche Unterschied liegt in der Karosserie. Beim ID.5 fällt das Dach hinter der B-Säule stärker ab, wodurch sich der Luftwiderstandsbeiwert von 0,28 beim ID.4 auf 0,26 reduziert – der Grund für die leicht bessere Reichweite des ID.5. Mit 4.599 mm ist der ID.5 außerdem 15 Millimeter länger als der ursprüngliche ID.4.
Der zeitliche Vorlauf gehörte dem ID.4. Volkswagen stellte das elektrische SUV im September 2020 vor, der Produktionsstart in Zwickau folgte am 20. August 2020. Parallel dazu bereitete Volkswagen den ID.5 vor. Auf der IAA Mobility 2021 in München zeigte der Hersteller zunächst den noch getarnten ID.5 GTX. Die Serienversion des ID.5 wurde im November 2021 vorgestellt. Anders als beim ID.4 verzichtete Volkswagen zum Start auf den kleinen Akku: Alle drei Varianten des ID.5 – Pro, Pro Performance und GTX – erhielten die 77-kWh-Batterie. Der Pro leistete 128 kW (174 PS), der Pro Performance 150 kW (204 PS). Der GTX nutzte zwei Elektromotoren und Allradantrieb und kam auf 220 kW (299 PS).
Produziert wurde der ID.5 ab Januar 2022 in Zwickau. Damit war die vollständige Umstellung des Werks auf die Fertigung von Elektrofahrzeugen abgeschlossen. Die Auslieferungen des ID.5 begannen im Frühjahr 2022. Der ID.4 war zu diesem Zeitpunkt bereits in mehreren Varianten und an mehreren Standorten im Produktionsanlauf, unter anderem in Emden.
Ein Akku, drei Motoren
In den ersten beiden Modelljahren blieb das Antriebsschema des ID.5 übersichtlich. Die 77-kWh-Batterie blieb als einzige Wahl. Beim Pro arbeitete die 128-kW-Maschine an der Hinterachse, der Pro Performance nutzte die stärkere 150-kW-Maschine. Der GTX kombinierte einen 150-kW-Synchronmotor an der Hinterachse mit einem zusätzlichen Asynchronmotor an der Vorderachse.
Eine wichtige technische Gemeinsamkeit entstand mit der Software-Generation 3.0. Der ID.5 war das erste Volkswagen-Modell, das diese Software ab Werk erhielt. Hinzu kamen Funktionen wie das bidirektionale Laden. Der ID.4 erhielt die Software-Generation ebenfalls im weiteren Verlauf seiner Modellgeschichte.
Der große Sprung im Herbst 2023
Die wichtigste technische Überarbeitung für beide Baureihen erfolgte im Herbst 2023 (siehe Bildergalerie). Volkswagen ersetzte bei den 77-kWh-Modellen die bisherige Antriebstechnik durch den effizienteren APP550, der aus dem ID.7 übernommen wurde. Im ID.4 und ID.5 Pro stieg die Leistung von 150 auf 210 kW, also von 204 auf 286 PS. Das Drehmoment wuchs von 310 auf 545 Nm. Gleichzeitig erhöhte sich die Höchstgeschwindigkeit der Pro-Modelle von 160 auf 180 km/h.
Auch die GTX-Versionen wurden kräftiger. Ihre Systemleistung stieg von 220 auf 250 kW (von 299 auf 340 PS). Die Beschleunigung von null auf 100 km/h verkürzte sich von 6,3 auf 5,4 Sekunden. Beim ID.4 und ID.5 war damit erstmals derselbe 250-kW-Antrieb verfügbar. Die 77-kWh-Batterie blieb zunächst die Grundlage der Pro-Modelle. Volkswagen erhöhte zudem die Reichweite: Der ID.4 Pro kam auf bis zu 550 Kilometer, der ID.5 Pro auf bis zu 556 Kilometer nach WLTP.
Parallel wurde die Ladeleistung überarbeitet. Die Hecktriebler blieben zunächst bei maximal 135 kW Gleichstrom, während die Allradmodelle bis zu 175 kW erreichten. Dazu kamen ein neues Infotainment, ein größeres Display, beleuchtete Touchslider und weitere Änderungen an Bedienung und Software. Das Update betraf ID.4 und ID.5 gleichzeitig als gemeinsame technische Weiterentwicklung der Baureihe.
Kleiner Akku als Nachzügler
Erst nach dieser großen Überarbeitung wurde das Antriebsspektrum des ID.5 wieder nach unten erweitert. Für das Modelljahr 2025 wurde der ID.5 Pure mit 52-kWh-Batterie und 125 kW (170 PS) angeboten. Damit erhielt auch das Coupé die kleine Batterie, die beim ID.4 bereits seit dessen Markteinführung verfügbar war. Der ID.5 Pure erreichte damit rund 370 Kilometer WLTP-Reichweite. Der Pro blieb bei 77 kWh und 210 kW.
Beim Akku des GTX erfolgte inzwischen eine weitere Änderung. Statt der bisherigen 77 kWh kam eine Batterie mit 79 kWh Nettoinhalt zum Einsatz. Gleichzeitig stieg die maximale DC-Ladeleistung auf bis zu 185 kW. Der Pro blieb dagegen zunächst bei 77 kWh und 135 kW. Beim ID.4 verlief die Entwicklung ähnlich: Auch dort wurde für den GTX die 79-kWh-Batterie eingeführt, während der Pro weiterhin mit 77 kWh angeboten wurde.
Zum Schluss noch einmal neue Technik
2026 erhielt die MEB-Baureihe nochmals eine digitale und technische Überarbeitung. Volkswagen kündigte für ID.4 und ID.5 Pure den neuen APP350-Motor mit 140 kW (190 PS) an. Gleichzeitig wurde eine 58-kWh-LFP-Batterie eingeführt. Der Schritt betrifft damit erstmals auch die Zellchemie: Während die bisherigen Akkus auf Lithium-Nickel-Mangan-Cobalt-Technik basierten, kommt beim neuen Einstiegsakku Lithium-Eisenphosphat zum Einsatz.
Bei den größeren Varianten blieb es bei der bekannten Grundstruktur. Der ID.5 Pro wurde zuletzt mit 210 kW (286 PS) und 77 beziehungsweise 79 kWh angeboten, der GTX mit 250 kW (340 PS) und 79 kWh. Auch beim ID.4 standen zuletzt der 190-PS-Einstieg mit 58 kWh, der 286-PS-Pro und der 340-PS-GTX zur Verfügung. Damit waren die beiden Modelle technisch enger miteinander verzahnt als je zuvor.
Mit dem neuen ID. Tiguan, der Anfang 2027 auf den Markt kommt und ausdrücklich die Rolle von ID.4 und ID.5 übernimmt, ist die Geschwisterrolle Geschichte. Der ID.5 erhält keinen eigenen Nachfolger mit Coupé-Heck. Der ID.5 ist bereits jetzt nicht mehr konfigurierbar, nur noch vorkonfigurierte Lagerfahrzeuge können gekauft werden.
