V6-Biturbo-Hybrid – wird das Alfas Zukunft?
Mit dem Concept Car Cuorerosso will Alfa Romeo zeigen, wohin sich das Design der Marke hinentwickeln soll.
In Paris zeigt Alfa ein viersitziges Coupé mit dem V6 aus der Giulia QV und Hybridunterstützung. Aber eigentlich geht’s nur ums künftige Design. Wirklich?
Alfa Romeo hat ein reiches Erbe hinreißender Autos und eine große Coupé-Tradition, die das jüngste Concept Car in die Zukunft entwickeln soll, obwohl Coupés diese Zukunft bei der Stellantis-Marke nicht haben. Denn die aktuelle Modellpalette besteht mir Junior, Tonale und Stelvio vor allem aus SUV; die Produktion der mit dem Stelvio technisch verwandten Giulia stellen die Italiener wie die des größten SUV selbst Ende 2027 ein. Limousinen sind inzwischen ähnlich wenig gefragt wie klassische Coupés à la Alfetta GTV.
Der Cuorerosso ("rotes Herz") ist daher "nur" ein Concept Car, das die künftige Designlinie vorzeichnen soll. Dabei würde der 4,70 Meter lange und nur 1,33 Meter hohe Viersitzer sicher gut ein windschlüpfiges E-Auto abgeben. Allerdings nennt Alfa einen eher durchschnittlichen cW-Wert von 0,28 und unter der flach fallenden Motorhaube mit den schicken Sicken tut der Biturbo-V6 mit mehr als 520 PS aus der immer noch angebotenen Giulia Quadrifoglio seinen Dienst – allerdings nur in der Vorstellung des Designteams: Die Motorhaube des Concept Cars lässt sich nicht öffnen, im Innenraum ist ein Kardantunnel genauso wenig zu erkennen wie Raum für die Batterie eines Hybridantriebs, den sich die Schöpfer des Courerosso wünschen würden. Leistung? 600, 700 PS? Ohne Realisierung ist auch das ein Wunschkonzert.
Antrieb für einen neuen Sportwagen
Der Antrieb hat dabei noch eher Chancen auf eine Realisierung, denn quasi als Nachfolger des 33 Stradale planen die Italiener wieder einen Kleinst-Serien-Sportwagen zu vermutlich siebenstelligen Preisen (der 33 kostet je nach individueller Ausführung mehr als zwei Millionen Euro).
Immerhin legt der Cuorerosso demgegenüber mehr Wert auf den Fond. Denn der höchste Punkt der supersportlich wirkenden Karosse befindet sich angeblich über den hinteren beiden Sitzen. Wie gut das für die Raumökonomie ist, ließ sich nicht testen, denn beim Innenraum des Einzelstücks gilt: Nur anschauen, nicht anfassen. Wobei sich die Dachhöhe hinten durchaus aus gestalterischen Gründen hätte ergeben können, den Alfa Romeos Chefdesigner Alejandro Mesonero (vormals Seat, VW Cupra, Renault und Dacia) verlangte von seinem Team zunächst, eine skulpturale Form ohne Scheinwerfer und ohne Räder zu entwickeln.
Vorbild Brera
Heraus kam unverkennbar ein Alfa Romeo mit spitz zulaufenden Scheinwerfern und dem sogenannten Scudetto dazwischen, der in seiner Sportlichkeit regelrecht sprungbereit wirkt. Die Frontpartie und die dreieckige Heckscheibe erinnern entfernt an den Brera, den Giorgio Giugiaro 2002 entworfen hatte und der 2005 auf Basis der Frontantriebs-Plattform des 159 in Serie ging. Alfa-Romeo-Exterieur-Designer Bob Romkes outet sich denn auch als Fan des 2+2-sitzigen Coupés.
Das Heck unterhalb der Scheibe zeigt auf den ersten Blick Ähnlichkeit mit dem einer markenfremden Ikone: Der mächtige, organisch aus der Karosse wachsende Spoiler, an den sich ein Abschluss steil wie die Eiger Nordwand anschließt, sowie die runden Leuchten zitieren den Lancia Stratos. Allerdings schneidet die zur Mitte hin fallende Unterkante des "Spoilers" anders als bei der Rallye-Legende der 70er ein kleines Segment aus den Leuchten und der große Alfa-Romeo-Schriftzug macht sofort klar, dass die andere italienische Marke hier nicht gemeint ist, auch wenn sie inzwischen ebenfalls zu Stellantis gehört. Vorbild waren vielmehr die Sport-Coupés mit Coda Tronca (abgeschnittenes Heck) wie die Giulietta Sprint Zagato von 1962 oder die Giulia TZ ab 1963, deren steil abgeschlossenen hinteren Enden aerodynamische Vorteile versprachen.
Interieur: kein Touchscreen, aber Schalter
Gegenüber dem Brera ist der Cuorerosso fast 30 Zentimeter länger, was Platz für zwei weitere Türen hinten lässt. Sie öffnen wie beim alten BMW i3 beispielsweise gegenläufig und sind deutlich kürzer als die vorderen.
Die Portaltüren geben den Blick auf ein rot ausgekleidetes Interieur frei, beim dem die hinteren Sitze mit einem von vorn nach hinten freischwebenden Bogen verbunden sind. An ihm beginnen gegenläufig nach vorn ansteigend eine schwarze Mittelkonsole vorn, eine kleinere hinten. Die vordere ist quasi als eine Art Display ausgeführt. Gleichzeitig sitzen auf ihr aber auch Drehräder, Hebel und Regler als Bedienelemente mit haptischem Feedback. Das erinnert an die gewölbte, holzgetäfelte Mittelkonsole mit Schalthebel und kleinen Rundinstrumenten aus 60er-Jahre-Modellen der Marke. Physische Bedienelemente finden die Designer besonders wichtig und sind der Meinung, dass es die Autowelt zuletzt mit Touchscreens und der Bedienung nur auf Berührungsbasis übertrieben hat. Alfa will zumindest einen anderen Weg einschlagen: weniger Ablenkung durch Infotainment, mehr Fokus auf das, worauf es in einem Alfa ankommen soll: Fahren.
Die Konzentration aufs Wesentliche soll auch ein besonders effektvolles Feature der Instrumente vor dem Lenkrad verbessern. Die stecken zwar wie bei Giulia und Spider aus den 60er/70er-Jahren in ein zwei runden Röhren, lassen sich aber zu einem klassischen, wenn auch digitalen Rundinstrument zusammenschieben, wie es für die Rennwagen der 60er nicht nur von Alfa Romeo typisch war. Die Reduktion aufs Wesentliche verfehlt ihre Wirkung nicht: Das Interieur wirkt nicht nur wohltuend aufgeräumt, sondern auch einladend und der eher maßgeschneiderte denn großzügige Innenraum sieht heimelig aus – was vielleicht auch an der beherrschenden Farbe Rot liegt. Alfas Designzukunft hat eben ein Cuore rosso.
