Italien zahlt bei Stau Maut zurück
Wer auf Italiens mautpflichtigen Autobahnen wegen Baustellen deutlich länger unterwegs ist als geplant, kann sich künftig einen Teil der gezahlten Maut zurückholen. Eine neue Regelung ist seit Montag (1.6.2026) in Kraft und gilt grundsätzlich auch für Autofahrer aus Deutschland.
Erstmals erhalten Autofahrer damit einen gesetzlich geregelten Anspruch auf eine Entschädigung, wenn sie durch planbare Baustellen auf mautpflichtigen Autobahnen erhebliche Zeit verlieren. Die Maßnahme ist eine Reaktion auf die zahlreichen Baustellen im italienischen Autobahnnetz, die insbesondere während der Ferienzeiten immer wieder für lange Verzögerungen sorgen.
Grundlage ist eine Verordnung der italienischen Verkehrsregulierungsbehörde Autorità di Regolazione dei Trasporti (ART). Die praktische Umsetzung erfolgt über die jeweiligen Autobahnbetreiber.
Erstattung richtet sich nach Strecke und Zeitverlust
Je nach Streckenlänge gelten unterschiedliche Schwellenwerte für eine Rückzahlung.
- Auf Strecken zwischen 30 und 50 Kilometern kann eine Erstattung ab zehn Minuten Verzögerung möglich sein.
- Auf Strecken über 50 Kilometer liegt die Schwelle bei mindestens 15 Minuten zusätzlicher Fahrzeit.
- Mit zunehmender Verzögerung steigt auch die Höhe der Rückzahlung bis hin zu einer vollständigen Erstattung.
Als Beispiel nennt Autostrade per l’Italia eine 90 Kilometer lange Fahrt. Wer dort aufgrund einer Baustelle 40 Minuten länger unterwegs ist als üblich, soll 75 Prozent der Maut zurückerhalten. Bei einer Verzögerung von 60 Minuten wird in diesem Beispiel die gesamte Maut erstattet.
Italien zählt zu den teuersten Mautländern Europas
In Italien gibt es rund 7.000 Kilometer Autobahnen. Anders als in Deutschland wird für die Nutzung des größten Teils des Netzes eine streckenabhängige Maut erhoben. Autofahrer ziehen bei der Einfahrt ein Ticket oder werden elektronisch erfasst und bezahlen die Gebühr bei der Ausfahrt.
Die Höhe der Maut richtet sich vor allem nach der gefahrenen Strecke und der Fahrzeugklasse. Für Pkw der Klasse A liegen die Kosten im Durchschnitt bei etwa sieben bis neun Cent pro Kilometer. Daraus ergeben sich typische Mautkosten von rund sieben bis zehn Euro für 100 Kilometer, 21 bis 30 Euro für 300 Kilometer und 35 bis 45 Euro für 500 Kilometer.
Wohnmobile, Transporter und Fahrzeuge mit mehreren Achsen zahlen je nach Höhe und Achszahl höhere Gebühren.
Im europäischen Vergleich zählen die Autobahngebühren in Italien zusammen mit Frankreich zu den höchsten.
Zunächst gilt die Regelung nur bei einem Betreiber
Für viele Urlauber dürfte ein anderer Punkt noch wichtiger sein. Die Entschädigung gilt zunächst nur auf Strecken eines einzelnen Autobahnbetreibers.
Wer auf einer Fahrt mehrere Konzessionäre nutzt, kann die Erstattung vorerst nicht in Anspruch nehmen. Erst ab dem 1.12.2026 soll das System auch auf Fahrten ausgeweitet werden, die über mehrere Betreiber hinweg verlaufen. Darauf weist auch der ADAC hin.
Beantragung erfolgt digital
Die Rückzahlung soll über das digitale System "Muovy" abgewickelt werden. Dort können Autofahrer ihre Fahrten erfassen und prüfen lassen, ob ein Anspruch auf Entschädigung besteht.
Für ausländische Nutzer gibt es allerdings noch offene Fragen. Nach Angaben des ADAC kann für die Registrierung eine italienische Steuernummer oder Umsatzsteuer-Identifikationsnummer erforderlich sein. Deutsche Urlauber müssen daher zunächst prüfen, ob sie die Voraussetzungen für die Nutzung erfüllen. Ausgezahlt werden Erstattungen erst ab einem Betrag von mehr als einem Euro.
Nicht jeder Stau wird entschädigt
Die neue Regelung betrifft ausschließlich bestimmte Verkehrsbehinderungen. Kein Anspruch besteht bei Verzögerungen durch Unfälle, schlechtes Wetter oder sogenannte Notfall-Baustellen. Auch klassische Ferienstaus ohne Zusammenhang zu Baustellen fallen nicht unter die Entschädigungsregelung.
Die italienische Verkehrsaufsicht begründet dies damit, dass nur Beeinträchtigungen berücksichtigt werden sollen, die auf planbare Eingriffe in den Verkehrsfluss zurückzuführen sind.
Reaktion auf Kritik an Dauerbaustellen
Die italienische Regierung hatte die Einführung der Entschädigung in den vergangenen Monaten vorangetrieben. Verkehrsminister Matteo Salvini sprach von einer Stärkung der Rechte von Autofahrern.
Verbraucherschützer äußerten dagegen Zweifel an der praktischen Umsetzung und befürchten, dass die Betreiber die Kosten langfristig über höhere Mautgebühren ausgleichen könnten.
Die Diskussion kommt nicht von ungefähr. Auf mehreren wichtigen Nord-Süd-Verbindungen sowie auf Autobahnen entlang der Adriaküste sorgten umfangreiche Baustellen in den vergangenen Jahren regelmäßig für lange Wartezeiten. Gerade während der Sommerferien standen die Betreiber deshalb immer wieder in der Kritik.
