Das ist der neue VW ID.Polo-Gegner von Hyundai
Hyundai präsentiert den Kompakt-Stromer Ioniq 3 im knackigen Format und mit beeindruckender Technik. Alles zum neuen Koreaner lesen Sie hier.
Mit dem neuen Ioniq 3 erweitert Hyundai seine Elektro-Familie um ein Kompaktmodell, das gezielt auf den europäischen Massenmarkt zugeschnitten ist. Positioniert zwischen dem Hyundai Inster und dem Hyundai Ioniq 5, und irgendwo neben dem Kona Electric, übernimmt der Ioniq 3 eine strategisch zentrale Rolle: Er soll Elektromobilität im besonders volumenstarken Segment zugänglich, effizient und alltagstauglich machen.
Neue Karosserieform: "Aero Hatch" statt SUV
Dazu geht Hyundai mit dem Ioniq 3 einen anderen Weg als viele Wettbewerber im Kompaktsegment. Statt auf das etablierte Crossover- oder SUV-Format zu setzen, führen die Koreaner mit dem sogenannten "Aero Hatch" eine eigenständige Karosserieform ein. Diese verbindet die Vorteile eines klassischen Schrägheckmodells mit gezielten aerodynamischen Optimierungen. Eine flach gezeichnete Front reduziert den Luftwiderstand, während die vergleichsweise lange, nahezu gerade Dachlinie den Innenraum maximiert. Erst im hinteren Bereich fällt das Dach sanft ab und geht in ein hohes Heck und einen integrierten Spoiler über.
Dieses Layout sorgt nicht nur für einen günstigen cW-Wert von 0,263, sondern auch für ein Raumgefühl, das in dieser Fahrzeugklasse überdurchschnittlich ausfallen soll. Besonders im Fond soll sich der Vorteil dieser Architektur zeigen. Trotz kompakter Außenabmessungen von nur 4,15 Metern profitieren auch größere Passagiere von ausreichender Kopf- und Beinfreiheit. Damit positioniert sich der Ioniq 3 als Alternative zu hoch bauenden Kompakt-SUVs – mit vergleichbarem Platzangebot, aber besserer Effizienz.
"Art of Steel" und Pixel-Lichtsignatur
Formal markiert der Ioniq 3 den Einstieg der neuen Hyundai-Designsprache "Art of Steel" in die Kompaktklasse. Der Ansatz setzt auf reduzierte, klar modellierte Flächen, die die Eigenschaften von geformtem Metall widerspiegeln sollen. Statt komplexer Linienführungen dominieren bewusst gesetzte Volumen und präzise Kanten das Erscheinungsbild. Charakteristisch für die Ioniq-Reihe bleibt die Pixel-Lichtsignatur, die auch beim Ioniq 3 eine zentrale Rolle spielt.
Die grafisch angeordneten Leuchtelemente an Front und Heck schaffen eine hohe Wiedererkennbarkeit, während vier zusätzliche Lichtpunkte subtil auf den Buchstaben "H" im Morsecode verweisen. In der Seitenansicht wirkt der Ioniq 3 gestreckt, mit kurzen Überhängen und einer leicht ansteigenden Fensterlinie. Das Heck ist vergleichsweise kantig ausgeführt und soll den funktionalen Charakter unterstreichen.
Bewährte Plattform, pragmatische Auslegung
Technisch basiert der Ioniq 3 auf der Electric-Global Modular Platform (E-GMP), die innerhalb des Konzerns bereits vielfach eingesetzt wird. Anders als bei den größeren Modellen nutzt Hyundai hier jedoch eine 400-Volt-Architektur. Kosten, Effizienz und Alltagstauglichkeit stehen eben im Vordergrund. Zwei Batterievarianten ermöglichen eine differenzierte Ausrichtung auf unterschiedliche Nutzerprofile.
Während die Standard-Version – wahrscheinlich LFP-Chemie wie beim Kia EV2 – mit einer WLTP-Reichweite von rund 344 Kilometern vor allem städtische und pendelorientierte Einsätze abdeckt, richtet sich die Long-Range-Variante – NMC – mit bis zu 496 Kilometern Reichweite an Vielfahrer und längere Strecken. Die Antriebskonfiguration bleibt einfach: Ein Elektromotor an der Vorderachse liefert bis zu 147 PS und 250 Nm Drehmoment. Der Sprint auf 100 km/h erfolgt in etwa neun Sekunden, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 170 km/h.
Beim Laden zeigt sich der Ioniq 3 ebenfalls bodenständig. An Schnellladesäulen sind Ladeleistungen von bis zu 119 kW möglich, was ein Nachladen von 10 auf 80 Prozent in rund 29 Minuten erlaubt. Ergänzt wird dies durch eine AC-Ladefähigkeit von bis zu 22 kW, was insbesondere in europäischen Städten mit entsprechender Infrastruktur von Vorteil ist.
Innenraum: Viel Platz, wohnliches Konzept
Unter dem Begriff "Furnished Space" will Hyundai den Innenraum eher als Wohnraum denn als rein funktionalen Fahrgastraum interpretieren. Zentral für dieses Konzept ist der flache Fahrzeugboden, der durch die Elektroplattform ermöglicht wird. In Kombination mit dem langen Radstand entsteht ein offenes Raumgefühl, das durch die Längs-Anordnung der Elemente zusätzlich betont wird. Sitze, Ablagen und Bedienelemente sind so gestaltet, dass sie eher an Möbelstücke erinnern als an klassische Automotive-Komponenten.
Der Kofferraum fasst 441 Liter und wird durch eine zusätzliche, unter dem Ladeboden integrierte "Megabox" ergänzt. Diese bietet zusätzlichen Stauraum für kleinere Gegenstände oder Ladekabel. Materialseitig möchte Hyundai verstärkt auf Nachhaltigkeit setzen. Recycelte und biobasierte Stoffe kommen ebenso zum Einsatz wie Textilien, die sich an Designklassikern der 1970er Jahre orientieren.
Infotainment: Premiere für "Pleos Connect"
Mit dem Ioniq 3 führt Hyundai in Europa erstmals das neue Infotainment-System "Pleos Connect" ein. Die Software basiert auf Android Automotive OS und soll konsequent auf intuitive Bedienung ausgelegt sein. Im Zentrum stehen großformatige Displays mit 12,9 oder optional 14,6 Zoll, die eine klare und individuell anpassbare Benutzeroberfläche bieten.
Funktionen lassen sich über Widgets organisieren, während Over-the-Air-Updates sicherstellen, dass das System auch langfristig aktuell bleibt. Darüber hinaus integriert Hyundai moderne Konnektivitätslösungen wie den Digital Key 2, der den Fahrzeugzugang per Smartphone oder Wearable ermöglicht. Plug & Charge vereinfacht den Ladevorgang, während ein integrierter Routenplaner speziell auf Elektrofahrzeuge zugeschnitten ist und Ladepunkte automatisch berücksichtigt.
Assistenzsysteme und Komfort
Auch im Bereich Sicherheit und Fahrerassistenz setzt der Ioniq 3 auf ein umfassendes Paket. Die "Smart Sense"-Systeme von Hyundai decken ein breites Spektrum ab – von der Unterstützung im dichten Stadtverkehr bis hin zu Assistenzfunktionen auf der Autobahn. Der Autobahnassistent 2.0 mit Handerkennung übernimmt dabei teilautomatisierte Fahraufgaben, während der fernbedienbare Parkassistent das Ein- und Ausparken auch ohne Fahrer im Fahrzeug ermöglicht. Ergänzt wird das System durch eine 360-Grad-Kamera sowie eine Monitoranzeige für den Totwinkel.
Im Komfortbereich bietet der Ioniq 3 zahlreiche Ausstattungsoptionen, die in dieser Klasse nicht unbedingt selbstverständlich sind. Dazu zählen unter anderem Relaxation Seats, ein Bose-Premium-Soundsystem, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik sowie eine individuell konfigurierbare Ambientebeleuchtung.
Entwicklung und Produktion in Europa
Der Ioniq 3 ist konsequent auf den europäischen Markt zugeschnitten. Entwickelt wurde das Modell im Hyundai Motor Europe Technical Center in Rüsselsheim, gefertigt wird es im türkischen Werk İzmit. Diese lokale Ausrichtung ist Teil einer umfassenderen Strategie: Hyundai will nicht nur Fahrzeuge nach Europa exportieren, sondern sie gezielt für die Bedürfnisse europäischer Kunden konzipieren und vor Ort produzieren. Kurze Lieferketten und eine bessere Anpassung an regionale Anforderungen sind dabei zentrale Vorteile.
Schlüsselmodell im Volumensegment
Mit dem Ioniq 3 erschließt sich Hyundai gezielt das sogenannte B-Segment der Elektrofahrzeuge – jenes Marktsegment, in dem in Europa die größten Stückzahlen erwartet werden. Dort werden sich bald auch der VW ID.Polo und dessen Derivate aus dem VW-Konzern tummeln. Entsprechend hoch ist die strategische Bedeutung des Ioniq 3.
Preislich dürfte der sich im Bereich um 35.000 Euro positionieren und damit eine Lücke zwischen günstigen Stadtautos und teureren Kompaktmodellen schließen. Innerhalb des eigenen Portfolios könnte er langfristig sogar eine größere Rolle einnehmen als der Kona Electric.
