Colin Farrell über "John Sugar": "Es geht um Haltung, nicht um Tempo"
Der irische Weltstar Colin Farrell (50) kehrt mit der zweiten Staffel der Neo-Noir-Serie "John Sugar" auf die Bildschirme zurück. Auf Apple TV schlüpft er erneut in die Rolle des stilsicheren Privatdetektivs und Filmliebhabers John Sugar. Die Suche nach dem verschwundenen Bruder des Boxers Danny Moon (Jin Ha, 32) führt ihn in die dunklen Ecken von Los Angeles - dabei kommt er einer großangelegten Verschwörung auf die Spur.
Colin Farrell: "Es geht nicht um Tempo. Es geht um Haltung"
Los Angeles bleibt auch in der zweiten Staffel ein zentrales Element der Serie. Immer wieder ist John Sugar in einem 1966er Corvette Sting Ray-Cabrio durch die Stadt der Engel unterwegs. Gerade diese Drehtage zählen für Farrell zu den Favoriten. "Das Auto war ein Vergnügen", schwärmt er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news. "Einige meiner liebsten Drehtage waren die, an denen nur der Kameramann und ich losfuhren. Er auf dem Beifahrersitz, ich am Steuer. Dann fuhren wir 30 oder 40 Minuten durch Los Angeles. Das machte Apple zunehmend nervös. Normalerweise braucht man dafür ein ganzes Team im Hintergrund. Ich sagte nur: Lasst uns zu zweit fahren. Wir sind in 20 Minuten zurück. Ich fahre vorsichtig."
Die Corvette bewegt sich dabei oft nur mit moderatem Tempo durch die Straßen. Entscheidend sei das aber nicht, so Farrell: "Es geht nicht um Tempo. Es geht um Haltung."
"Los Angeles ist viel interessanter, als Hollywood die Stadt oft erscheinen lässt"
Mit seiner Wahlheimat Los Angeles verbindet der gebürtige Ire eine ambivalente, aber tiefe Beziehung. "Los Angeles ist eine großartige Stadt - und eine rätselhafte. Ich lebe seit fast 25 Jahren hier und kann immer noch nicht sagen, dass ich sie wirklich verstehe. Das stört mich nicht. Sie bleibt für mich etwas Exotisches."
Gerade ihre Vielfalt mache die Stadt aus: "Kulturell ist sie kaum einzugrenzen. Wer hier etwas sein will, kann es versuchen - Surfer, Musiker, Künstler, Filmemacher, Unternehmer. Es gibt viele Milieus, viele Sprachen. Diese Stadt ist ein Schmelztiegel. Und sie ist viel interessanter, als Hollywood sie oft erscheinen lässt."
Auch für "John Sugar" sei genau das entscheidend. "Wir drehen viel auf echten Straßen, kaum im Studio. Selbst viele Innenräume sind reale Orte - Bars, Billardhallen, Restaurants. Die Stadt ist keine Kulisse, sie ist die Leinwand, auf der die Geschichten entstehen. Das macht den Reiz aus."
"Den Hund habe ich sehr vermisst"
In Staffel eins spielte auch ein Hund eine wichtige Rolle, der John Sugar begleitet. In der neuen Staffel tritt er dagegen nur noch selten auf. "Den Hund habe ich sehr vermisst", so Farrell. "Wiley heißt er - sowohl in der Serie als auch im echten Leben. In Staffel eins war er jeden Tag eine Freude am Set. Dass er diesmal kaum vorkommt, war nicht meine Entscheidung. Am Ende konnten wir ihn aber noch einmal zurückholen - das hat mich sehr gefreut."
Während John Sugar konsequent im Anzug auftritt, setzt Farrell privat auf einen deutlich lässigeren Stil. "Sugars Kleidung ist sehr klar definiert - keine T-Shirts, keine Jeans, keine Sneaker. Sehr elegant, sehr konsequent. Privat trage ich das nicht. In der Serie funktioniert es aber hervorragend."
Achtung, es folgen Spoiler zur ersten Staffel von "John Sugar"
Wer die erste Staffel von "John Sugar" noch nicht gesehen hat, sollte an dieser Stelle besser nicht weiterlesen. In Episode sechs wird enthüllt, dass der stilsichere Privatdetektiv in Wahrheit ein Außerirdischer ist, der auf der Erde das menschliche Leben und Verhalten aus nächster Nähe studiert.
Über diesen überraschenden Twist sagt Farrell: "Als ich die Wendung zum ersten Mal gelesen habe, stand sie noch in der ersten Folge. Später haben wir entschieden, sie zurückzuhalten. Das fand ich richtig. Es ist keine hochkomplexe Metapher, aber eine wirkungsvolle Idee: Man betrachtet die Menschheit durch die Augen eines wirklich Anderen - eines Wesens von einem anderen Planeten. Das schafft Distanz und erlaubt einen Blick auf viele Aspekte menschlicher Erfahrung, ohne sofort zu urteilen."
Trotz dieser außerirdischen Perspektive sei John Sugar eine Figur mit klarer innerer Haltung, so Farrell weiter. Er glaube "an den Anstand des Menschen" und sei von "einem fast unerschütterlichen Optimismus" geprägt. Eine Haltung, die der Schauspieler zwar schätze, selbst aber nur eingeschränkt teile: "Das ist schwer, gerade wenn man sieht, was in der Welt passiert. Ich würde nicht sagen, dass ich diesen Glauben im selben Maß habe - aber ich spiele ihn gern, weil er ihn hat."