Prinz Harry bezieht Stellung gegen Antisemitismus in Großbritannien
In einem Gastbeitrag für das britische Magazin "New Statesman" hat sich Prinz Harry (41) unmissverständlich gegen die Zunahme antisemitischer Übergriffe in Großbritannien ausgesprochen. "Wir erleben im ganzen Land einen zutiefst beunruhigenden Anstieg des Antisemitismus", erklärt der Duke of Sussex in seinem Text. "Jüdische Gemeinschaften - Familien, Kinder, ganz normale Menschen - werden in Orten, die sie ihr Zuhause nennen, zunehmend in Unsicherheit gedrängt." In jüngster Zeit kam es zu verschiedenen Attacken auf jüdische Einrichtungen und Personen, darunter Brandstiftungen sowie ein Messerangriff auf zwei jüdische Männer.
Protest ist berechtigt, Hass nicht zu rechtfertigen
Der Royal unterscheidet in seinem Beitrag klar zwischen politischem Engagement und antisemitischer Hetze. Es bestehe, so schreibt er, nachvollziehbare Besorgnis über das Ausmaß der Verwüstung im Nahen Osten - in Gaza oder im Libanon. Der Drang, zu demonstrieren, Verantwortung einzufordern und gegen Leid zu protestieren, sei "menschlich und notwendig". Allerdings mahnt er: Diese beiden Realitäten würden "auf gefährliche Weise miteinander vermischt". Legitimer Protest gegen staatliches Handeln existiere "neben Feindseligkeit gegenüber jüdischen Gemeinschaften im Inland".
Israel benennt Harry dabei nicht direkt, formuliert jedoch eindeutig: "Nichts - weder die Kritik an einer Regierung noch die Realität von Gewalt und Zerstörung - kann jemals die Feindseligkeit gegenüber einem ganzen Volk oder Glauben rechtfertigen." Gleichzeitig unterstreicht er die Berechtigung von Kritik, "wenn Staaten ohne Rechenschaftspflicht handeln und auf eine Weise, die ernste Fragen im Rahmen des humanitären Völkerrechts aufwirft".
Der Royal blickt auf eigene Verfehlungen zurück
Auffallend offen thematisiert Harry in dem Artikel auch seine eigene Vergangenheit. Er bezieht sich dabei vor allem auf einen Vorfall vor etwa 20 Jahren: Als 20-Jähriger erschien er 2005 in einer Nazi-Uniform bei einer Kostümfeier und löste damit einen Skandal aus, der ihn über Jahre begleitete. "Ich bin mir meiner eigenen früheren Fehler sehr bewusst - gedankenloser Handlungen, für die ich mich entschuldigt habe, für die ich Verantwortung übernommen und aus denen ich gelernt habe", erklärt er.
Diese Erfahrung habe ihm gezeigt, dass Deutlichkeit gerade jetzt wichtiger sei denn je: "In einer Zeit, in der Verwirrung und die Verzerrung der Wahrheit echten Schaden anrichten". In seiner Netflix-Dokumentation "Harry & Meghan" hatte er das Kostüm bereits als "einen der größten Fehler meines Lebens" eingestuft.
Harry verurteilt auch Feindlichkeit gegen Muslime
Der Appell des Prinzen richtet sich ausdrücklich nicht allein gegen Antisemitismus. Er kritisiert ebenso deutlich islamfeindliche Einstellungen: "Wenn sich Wut gegen Gemeinschaften richtet - ob jüdisch, muslimisch oder andere - hört sie auf, ein Ruf nach Gerechtigkeit zu sein, und wird zu etwas weit Korrosiverem." Beide Formen des Hasses, betont er, schöpften "aus demselben Brunnen der Spaltung" und müssten "mit der gleichen Entschlossenheit" bekämpft werden.
Mit einem klaren Bekenntnis beendet der in Kalifornien lebende Prinz seinen Beitrag: "Wir können nicht mit mehr Ungerechtigkeit auf Ungerechtigkeit antworten. Wenn wir das tun, beenden wir den Kreislauf nicht - wir verlängern ihn."