Marius Borg Høiby scheitert mit Antrag auf Fußfessel statt Haft
Marius Borg Høiby (29) muss seine Untersuchungshaft weiterhin im Gefängnis verbüßen. Das Bezirksgericht Oslo wies am Mittwoch seinen Antrag zurück, die restliche Haftzeit mit einer elektronischen Fußfessel in seiner Wohnung auf Skaugum zu verbringen - dem Landsitz des norwegischen Kronprinzenpaares. Wie der norwegische Rundfunk NRK meldet, darf der Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit (52) die Zelle nicht verlassen.
Richter Hans Nikolai Førde erklärte zur Begründung, dass das Gericht die Wiederholungsgefahr als unverändert hoch einschätze. Insbesondere die Möglichkeit zur Nutzung eines Mobiltelefons berge das Risiko, dass Høiby erneut gegen ein bestehendes Kontaktverbot verstoße. Der Beschluss fiel bereits nach einer etwa 15-minütigen Beratungspause.
So zeigt sich das norwegische Königshaus auf Instagram:
Anwalt reagiert mit Kritik
Høibys Verteidiger René Ibsen zeigte sich sichtlich frustriert. "Wir hatten vorausgesetzt, dass eine Verhandlung stattfindet, dass man sich zurückzieht und eine gründliche Prüfung der Sache vornimmt, bevor ein Beschluss gefasst wird. Das war sehr überraschend und enttäuschend", erklärte er gegenüber NRK. Eine Beschwerde gegen die Entscheidung hält der Anwalt für wahrscheinlich: "Mein Rat an ihn ist, dass wir Berufung einlegen, das ist also wahrscheinlich."
Während der Verhandlung hatte Høiby zuvor eindringlich für sein Anliegen plädiert. In einer persönlichen Erklärung beschrieb er die psychische Belastung durch die Isolation in der Haftanstalt. "Ich habe extrem wenig menschlichen Kontakt. Zwei bis drei Besuche pro Woche", schilderte er laut NRK. Außerhalb dieser etwa einstündigen Besuche habe er lediglich Kontakt zu Justizvollzugsbeamten. "Ich werde alles tun, was möglich ist, um aus der Zelle herauszukommen. Ich wünsche mir das sehr, um meiner Familie und meinen Freunden näher zu sein", so Høiby.
Anklage warnt vor erneuten Verstößen
Die zuständige Staatsanwältin Oda Karterud hatte sich gegen das Gesuch ausgesprochen. Sie führte frühere Verstöße Høibys gegen ein Kontaktverbot an - sowohl vor als auch während des laufenden Hauptverfahrens. Auch Lill Vassbotn, Nebenklageanwältin einer der mutmaßlichen Geschädigten, äußerte sich gegenüber NRK kritisch: "Mehrere der Straftaten, derer die Staatsanwaltschaft Høiby beschuldigt, wurden begangen, während er sich in seiner eigenen Wohnung aufhielt", gab sie zu bedenken. Sie wäre "ziemlich überrascht", sollte das Gericht dem Antrag stattgeben.
Marius Borg Høiby befindet sich seit dem 1. Februar in Untersuchungshaft. Er war kurz vor Beginn seines Prozesses wegen neuer mutmaßlicher Straftaten festgenommen worden. Das Verfahren vor dem Amtsgericht Oslo umfasst 40 Anklagepunkte, darunter schwerwiegende Vorwürfe wie mehrfache Vergewaltigung. Frühere Haftentlassungsanträge hatte sowohl das Bezirksgericht Oslo als auch das Berufungsgericht Borgarting abgelehnt - jeweils unter Verweis auf die Wiederholungsgefahr.
Das Urteil im Hauptverfahren, in dem Høiby den Großteil der Anschuldigungen bestreitet, wird Anfang Juni erwartet. Während der Anhörung am Mittwoch nahm sein Stiefvater Kronprinz Haakon (52) unterdessen einen offiziellen Termin in Aurskog-Høland wahr. Zum Wunsch seines Stiefsohnes, die Untersuchungshaft auf dem Anwesen Skaugum verbringen zu dürfen, hat sich der Thronfolger bislang nicht geäußert.