Xbox in der Krise: Tausende müssen gehen
Am Montag bestätigte Microsoft, was Marktbeobachter bereits geahnt und Leaker berichtet hatten: Das Unternehmen setzt abermals den Rotstift an. Allein 3.200 Jobs sollen im Gaming-Segment gestrichen werden. Die neue Xbox-Chefin Asha Sharma zeigte in einem Post auf Xbox Wire sowie auf X unter dem Titel "Resetting Xbox" (das Wortspiel meint: Xbox neu aufstellen) jene Hiobsbotschaft, die an das Team Xbox weltweit ging.
Darin schrieb sie unter anderem, dass 1.600 Stellen im Spiele-Bereich sofort wegfallen würden. Im Laufe der nächsten zwölf Monate sollen weitere 1.600 Stellen dazukommen. Das entspricht insgesamt rund einem Fünftel der Beschäftigen in der Xbox-Sparte. Darüber hinaus werden vier Studios das Xbox-Ökosystem "verlassen und unter neue Eigentümer oder eine neue Unternehmensführung wechseln". Sharma erklärt, das Geschäft befände sich derzeit "nicht in einer gesunden Verfassung".
Indie, Konzern, Indie
Studioschließungen sind laut Sharma nicht geplant. Einige davon sollen jedoch abgestoßen werden. Die Spieleschmieden Compulsion Games ("South of Midnight") und Double Fine ("Psychonauts") sollen mitsamt der Rechte an ihrem gesamten geistigen Eigentum an ihre Gründer zurück gehen und wieder als Indie-Studios arbeiten.
Auch Ninja Theory, die Macher von "Hellblade", sollen ausgegliedert werden. Ein Käufer für das Studio wird aktuell noch gesucht, ebenso für Undead Labs, die sich mit "State of Decay" einen Namen gemacht haben.
Ungewiss bleibt indes die Zukunft der französischen Dependance von Arkane, bekannt für "Dishonored". Die beiden Studios Mojang und King sollen nun direkt an Asha Sharma berichten, heißt es in ihrer Mitteilung an alle Mitarbeiter des Xbox-Teams.
Auswirkungen auf bereits angekündigte First-Party-Titel habe die neue Strategie nicht, versicherte Asha Sharma. Allerdings würden Aufwendungen eventuell zugunsten der höher priorisierten Titel umverteilt. Auch bei anderen großen Namen aus dem Xbox-Universum wie Activision, Bethesda/Zenimax, Blizzard, King, Mojang und den Xbox Game Studios soll gekürzt werden.
Genaue Zahlen bleiben ungenannt, doch Brancheninsider Jason Schreier von "Bloomberg" berichtet, ZeniMax Media und seine Tochtergesellschaft Bethesda Softworks wären stark von den Entlassungen betroffen. Kotaku vermutet, möglicherweise würde ZeniMax Online Studios ("The Elder Scrolls Online") rund die Hälfte des Teams verlieren.
Unter dem verharmlosenden Namen "Verschlankung der Hierarchie" sollen neben den 3.200 Stellen im Gaming-Segment auch 3.200 weitere Jobs im Konzern verschwinden. Betroffen ist die Sparte für den Geschäftskundenvertrieb.
Auch der Game Pass kränkelt
"Wir arbeiten mit Margen, die 3- bis 10-mal niedriger sind als bei vergleichbaren Plattform- und Publishing-Unternehmen", gibt Xbox-CEO Asha Sharma zu. Sie lässt sich auch hinsichtlich der Performance des Game Pass in die Karten schauen. Ein schlechtes Blatt, wie sie zugibt: Geschäftsbereiche wie der Abo-Service hätten "zwar einen bedeutenden Mehrwert geschaffen, sind jedoch nicht in dem von uns erwarteten Tempo gewachsen. In der Folge schwächte sich unser Kerngeschäft ab".
Der Xbox Game pass wurde 2017 eingeführt. Das "Wall Street Journal" berichtet, dass der Dienst derzeit rund 30 Millionen Abonnenten habe. Wenn das stimmt, wären das vier Millionen weniger als noch im Februar 2024. Seitdem hat Microsoft keine offiziellen Zahlen mehr genannt. Zum Kundenschwund trugen sicherlich teils drastische Preiserhöhungen sowie die Mitteilung bei, dass neue "Call of Duty"-Spiele nicht mehr wie bisher zum Launch im Abo inkludiert sein werden.