Wer diese TV-Doku sieht, verliert den Appetit auf Erdbeeren
Sie gehört zu den absoluten Lieblingsfrüchten der Deutschen: die Erdbeere. Mehr als drei Kilogramm der süßen roten Beere verzehren wir durchschnittlich pro Jahr. Doch wer hinter die Kulissen der Erdbeerproduktion blickt, dem könnte der Appetit schnell vergehen.
In der neuen ZDF-Dokumentation "Erdbeeren - Genuss mit Beigeschmack" begibt sich Journalistin Judith Paland auf Spurensuche und reist dafür in die spanische Provinz Huelva in Andalusien. Die Region gilt als eines der wichtigsten Erdbeeranbaugebiete Europas. Allein 2024 exportierte Spanien mehr als 250.000 Tonnen Erdbeeren ins Ausland. Damit belegt das Land weltweit Rang sechs der größten Exporteure und ist Europas Spitzenreiter.
Schon bei ihrer Ankunft zeigt sich die Moderatorin erschüttert. "Viel Plastik, wenig Frucht", lautet ihr erster Eindruck. Kilometerweit ziehen sich Folientunnel durch die Landschaft. Eine scheinbar endlose Aneinanderreihung von Gewächshäusern prägt das Bild. Gemeinsam mit Umweltaktivist Juan Romero besucht Paland illegale Mülldeponien. Dort türmen sich ausgediente Plastikfolien meterhoch. Alte Gewächshausabdeckungen werden einfach entsorgt, teilweise sogar verbrannt. Auch die Unterkünfte vieler illegal beschäftigter Arbeiter tragen laut Romero zur Vermüllung der Region bei. "Diese Menschen brauchen eine Müllabfuhr", erklärt er.
Illegaler Arbeiter klagt: "Wir könnten hier jeden Tag sterben, und wofür?"
Als das ZDF-Team die Behausungen der Arbeiter dokumentieren möchte, folgt zunächst ein Rückschlag. Kameras seien unerwünscht, die Weiterfahrt wird verhindert. Schließlich gelingt es den Reportern dennoch, Zugang zu einer Unterkunft zu erhalten und mit den Bewohnern zu sprechen.
Die Zustände, die dort herrschen, sind erschütternd. Es gibt weder fließendes Wasser noch Strom oder sanitäre Anlagen. "Es fehlt Kleidung, es fehlt Wasser, es fehlt einfach vieles", berichtet ein illegaler Arbeiter. Die meisten der Arbeiter stammen aus Marokko. Viele Menschen wollen aus Angst nicht vor die Kamera treten. Eine Frau entscheidet sich dennoch, ihre Geschichte zu erzählen. Sie möchte anonym bleiben.
Seit sechs Monaten lebt sie gemeinsam mit ihrem Kind in einer der einfachen Holzhütten. Sie habe "immer Angst", berichtet sie. "Kannst du dir vorstellen immer in Angst zu leben? Das macht dich kaputt", klagt sie. Besonders nachts sei die Situation belastend. "Wir könnten hier jeden Tag sterben, und wofür?". Doch nicht nur die Lebensbedingungen der Arbeiter sind kritisch. Auch der Wasserverbrauch der Erdbeerindustrie steht im Fokus. Der Grundwasserspiegel des Nationalparks Doñana gilt als bedroht. Illegale Brunnen, die für die Bewässerung der Plantagen genutzt werden, entziehen der Region wichtige Wasserressourcen.
Deutsche Lanswirtin über ihre Erntehelfer: "Die sind super trainiert"
Die Dokumentation richtet den Blick auch nach Deutschland. Dort besucht das ZDF-Team die Landwirtin Charlotte Otte. Rund 60 Erntehelfer arbeiten während der Saison auf ihren Feldern. "100 Prozent aus Rumänien", erklärt sie. "Die sind super trainiert", versichert die Landwirtin. Wer schneller pflückt, kann mehr verdienen. Beim Selbstversuch merkt Judith Paland schnell, wie anspruchsvoll die Arbeit tatsächlich ist. Mit dem Tempo der erfahrenen Pflücker kann sie kaum mithalten. Während der Ernte kommt sie mit Jimi ins Gespräch. Seit fünf Jahren reist er regelmäßig zur Erdbeersaison nach Deutschland. An die körperliche Belastung habe er sich längst "gewöhnt", erzählt er.
Drei Monate verbringt er gemeinsam mit seiner Frau auf dem Hof von Charlotte Otte. Danach geht es für einen Monat zurück in die Heimat, bevor die nächste Erntesaison in Spanien beginnt. Dort fällt die Bezahlung deutlich geringer aus als in Deutschland. Zum Vergleich: Der Mindestlohn liegt in Deutschland bei 13,90 Euro, in Spanien bei 8,45 Euro und in Griechenland bei 4,95 Euro pro Stunde. Rund 60 Prozent der Gesamtkosten eines Erdbeerbetriebs entfallen auf Löhne. Sollte der Mindestlohn in Deutschland bis 2027 weiter steigen, könnte das viele Betriebe zusätzlich unter Druck setzen. Bereits heute verlangt Charlotte Otte fast fünf Euro für 400 Gramm Erdbeeren.
Pflückroboter Berry scheint "die einzige Lösung"
Doch die Branche sucht längst nach neuen Lösungen. Und selbst in der Welt der Erdbeeren hat inzwischen die Künstliche Intelligenz Einzug gehalten. In den Niederlanden besucht Judith Paland den Pflückroboter Berry. Mithilfe von Kameras erkennt das System, wo sich die Früchte befinden und ob sie bereits reif für die Ernte sind. Noch arbeitet der Roboter langsamer als ein Mensch. Dafür benötigt er weder Urlaub noch freie Wochenenden. Erst nach rund zwölf Stunden muss der Akku wieder geladen werden.
Der Anschaffungspreis liegt allerdings bei stolzen 120.000 Euro. Für Entwickler Marian Bolz steht dennoch fest: "Die einzige Lösung, die wir in Europa derzeit haben, ist über Robotik und Automatisierung da ranzugehen". Die Serienproduktion soll noch Ende des Jahres starten. Ob Roboter tatsächlich die Antwort auf die Herausforderungen der Erdbeerbranche sind, bleibt einstweilen offen.
"Erdbeeren - Genuss mit Beigeschmack" ist am Sonntag, 14. Juni, um 15.30 Uhr im ZDF zu sehen und bereits vorab in der Mediathek verfügbar.