Niemand bleibt für immer, auch nicht Charli XCX: Das sind die Musik-Highlights der Woche
Drei Grammys gewann Charli XCX mit ihrem Album "Brat" (2024), unter anderem in der Kategorie "Bestes Dance-Album". Für ihr neues Werk "Music, Fashion, Film", das auf die zwischendurch eingeschobene Soundtrack-Platte "Wuthering Heights" folgt, scheint das ausgeschlossen: weil das keine Dance-Musik mehr ist. Vielleicht gewinnt Charli XCX als Nächstes ja einen Rock-Grammy? Neues und Hörenswertes gibt es außerdem von Shania Twain und den Amigos.
Charli XCX - Music, Fashion, Film
Charli XCX lockt für ein Cover-Foto den Musiker John Cale, Modedesigner Marc Jacobs und Regisseur Martin Scorsese vor die Kamera, nur um diesen Ikonen dann musikalisch den Weg zum Friedhof zu zeigen. Man müsste das als fürchterliche Unverschämtheit sehen, wenn Charli XCX mit "Music, Fashion, Film" nicht auch direkt den Abgesang auf sich selbst anstimmen würde. Und sie hat ja auch recht mit ihrer Botschaft, die viel länger nachklingt als jede noch so brutal dröhnende Gitarre.
Die Club-Sounds des dreifach Grammy-prämierten Albums "Brat" sind zwei Jahre später schon wieder out, statt Elektro-Beats aus dem Untergrund dominieren bei Charli XCX jetzt laute Rock-Sounds. Aber so richtig wichtig erscheint die Instrumentierung nicht. Die experimentierfreudige Britin setzt die Gitarren so ein, wie manche Leute die Wände ihres Wohnzimmers auch mal grau anmalen. Vorgestern war es vielleicht noch giftgrün, übermorgen könnte es ein knalliges Pink sein.
Charli XCX, so scheint es, denkt allerdings wenig an vorgestern und noch weniger an übermorgen. Die Party ist heute, und die ist schnell genug wieder vorbei. Auch, wenn man das Ganze etwas philosophischer betrachtet. "They are dead, they are gone, no one lasts forever", heißt es in einem mehrfach wiederholten Loop ganz am Ende des Albums, vorgetragen übrigens von Filmemacher David Cronenberg. Egal wie groß, egal wie bedeutend und ikonisch: Alle sterben, alle verschwinden irgendwann, niemand bleibt für immer, auch nicht Charli XCX.
Shania Twain - Little Miss Twain
"Little Miss Twain", das klingt schon sehr nach dem einsamen, kleinen Fräulein, das inständig hofft, beim Scheunenfest doch noch jemanden für einen Tanz zu finden. Dabei ist sie längst keine ledige "Miss" mehr (2011 heiratete sie in zweiter Ehe einen Konzern-Manager), und über "little" ist die Sängerin mit geschätzt 100 Millionen verkauften Tonträgern sowieso längst hinaus. Aber so ein Titel wie "Little Miss Twain" erzeugt natürlich sofort eine charmante Kleine-Frau-vom-Lande-Romantik, und damit macht man im Country-Pop nie etwas verkehrt.
Auf ihrem letzten Album vor drei Jahren betitelte Shania Twain sich selbst noch als Königin ("Queen Of Me", 2023), jetzt backt sie inhaltlich wieder etwas kleinere Brötchen. Die Kanadierin singt von zerschlissenen Jeans und erinnert sich daran, wie sie früher als kleine Miss Twain vom großen Ruhm in Nashville träumte. Es ist passend dazu auch wieder mehr Country zu hören als zuletzt, aber nach Scheunenfest klingt bei der enorm hochwertigen und aufwendigen Produktion natürlich gar nichts. Das Cover zu "Little Miss Twain" führt all das, was diese Platte auszeichnet, eigentlich ganz gut zusammen: Shania Twain im Glitzerkleid hinter dem Steuer eines alten verblichenen Pickup-Trucks.
Die Amigos - Cleopatra
Sie widmeten Babylon in jüngerer Vergangenheit schon ein ganzes Album und sangen "Atlantis wird leben" - alte Seelen, die Amigos, mit einer Vorliebe für mythische alte Geschichten. Da erscheint es sehr passend, dass sie jetzt mit ihrem neuen Studioalbum, Nummer 30 inzwischen, auch mal bei "Cleopatra" anklopfen. Die schönste Frau der Welt soll sie einst gewesen sein und noch dazu eine geschickte Verführerin. Genau der richtige Stoff also für Karl-Heinz und Bernd Ulrich!
Überraschung, oder auch nicht: Mit Cleopatra hat das neue Album eigentlich nicht viel zu tun, ungefähr so, wie "Babylon" damals auch nicht viel mit Babylon zu tun hatte. Im Titelsong geht es lediglich um die wüstenheiße Begegnung mit einer Frau, die noch "schöner als Cleopatra" ist. Der Song direkt davor heißt "Matador", der danach handelt von Las Vegas, wo die ägyptische Gottkönigin nach allen bekannten Überlieferungen nie war. Aber weil hier keine wissenschaftliche Arbeit vorliegt, sondern ein Schlageralbum der Amigos, ist das alles schon völlig okay so.
Fans des erfolgreichen Duos dürfen sich wieder einmal auf kleine Träumereien mit viel Gefühl freuen, auf Lieder "zwischen Liebe, Leidenschaft und Tragik" und vor allem auf Musik, die das Herz am rechten Fleck hat. Besondere Erwähnung verdient in dem Zusammenhang der Titel "Manchmal ist es nur ein Lied", der sich mit dem Thema Demenz befasst. Gerade bei so engagierten Nummern denkt man: Es wird dem Schlager schon etwas fehlen, irgendwann, ohne die Amigos. Für 2027 haben die Ulrichs zuletzt ja ihren Live-Abschied angekündigt.