"Nein! Bitte nicht!" ARD-Experten sind den Tränen nahe, als Tour-Hoffnung Lipowitz stürzt
Es war 17.35 Uhr, als für Florian Lipowitz und die deutschen Radsportfans die Hoffnung auf einen neuerlichen Podiumsplatz bei der Tour de France schmerzhaft platzten. In einer tückischen Kurve ging Lipowitz zu Boden. "Huch, Sturz!", kommentierte ARD-Fachmann Fabian Wegmann entsetzt. Florian Naß erkannte die Situation: "Nein, nein, das ist Florian Lipowitz. Nein, bitte nicht! Aber er ist es." Die Zeitlupe kam, die Stimme stockte. "Florian Lipowitz schwer gestürzt. Hier, Achtung, jetzt passiert's. Und dann mit der Schulter an den Bordstein, es ist schrecklich."
Naß hatte zu tun, die Fassung zurückzugewinnen. "Es ist vom Schockmoment exakt das Gleiche, wie wir es am Sonntag bei Jonas Vingegaard erlebt haben." Der Däne musste nach seinem Crash mit einem gebrochenen Schlüsselbein die Tour verlassen. Naß trauerte weiter um Lipowitz: "Einen Moment hat er erwischt, der alles verändert. Es raubt uns alles, es nimmt uns alle an positiver Energie, an positiver Emotionalität." Seine emotionale Zusammenfassung: "Es ist so schrecklich. Der Aufschlag war so heftig."
Wenig später bestätigte sich die Befürchtung: Lipowitz stieg nicht mehr aufs Rad, sondern kletterte in den Krankenwagen. Wegman konstatierte: "Er hält sich die Schulter. Er ist raus." Damit schieden mit Vingegaard und nun Lipowitz der Gesamtzweite und der Gesamtdritte der letztjährigen Tour de France aus. Wegmann: "Jetzt können wir nur hoffen, dass es nicht so schlimm ist."
"Es ist so schrecklich!" Föorian Lipowitz stürzt schwer und scheidet aus
Naß rief der erfolgreichsten deutschen Radsporthoffnung seit Jan Ullrich - natürlich ungehört - zu: "Alles Gute, wenig Schmerzen, schnelle Heilung! Du hast uns so wahnsinnig viel Freude gemacht. Alles Gute, und du kommst wieder und wirst uns wieder viel Freude bereiten. Und dir hoffentlich auch. Gute Genesung!"
Sportlich tatsächlich fast tragisch: Lipowitz hatte zum Zeitpunkt des Sturzes seinen schärfsten Konkurrenten um einen erneuten Podiumsplatz, Isaac del Toro und Paul Seixas bereits einige Sekunden, Juan Ayuso sogar fast eine Minute abgenommen. "So stark unterwegs gewesen", jammerte Naß.
Letztlich war's aber ein Fahrfehler. "Geht da in die Kurve rein, Ticken zu schnell, Vorderrad geht weg - keine Chance, das mehr aufzufangen", analysierte Wegmann. Während Lipowitz weggefahren und untersucht wurde, gewann sein belgischer Teamkollege Remco Evenepoel das Zeitfahren und fügte dem großen Favoriten Tadej Pogacar (Platz zwei) erneut eine Tagesniederlage bei. Evenepoel nannte es einen "bittersüßen Sieg", weil er von der Nachricht des Ausscheidens seines Teamgefährten Lipowitz gehört hatte.
In der Gesamtwertung führt der Vorjahressieger aus Slowenien noch immer mit einem soliden Vorsprung von über viereinhalb Minuten vor Evenepoel. Platz drei belegt Pogacras Teamkollege Isaac del Toro, der im Zeitfahren Platz fünf belegte.