Keine neuen PlayStation-Spiele mehr auf Disc - Sony treibt Gamer auf die Barrikaden
Ein Beitrag im offiziellen PlayStation-Blog schlägt derzeit große Wellen: Sony kündigte an, dass Spiele für die firmeneigene Konsole in naher Zukunft nur noch digital vertrieben werden. Bereits Ende 2027 wird die Produktion von Blu-Ray-Discs für PlayStation-Konsolen eingestellt und ab Januar 2028 wird es keine Neuerscheinungen in physischer Form mehr geben.
Der Konzern begründet seine Entscheidung mit der Beobachtung eines veränderten Konsumverhaltens der Spieler. Wie bei anderen Entertainment-Angeboten wie Musik und Film würden physische Datenträger zunehmend nur noch eine Nischenrolle einnehmen. Tatsächlich werden bereits jetzt 85 Prozent aller PS5-Games als Download verkauft.
Nichtsdestotrotz treibt die Ankündigung die Gaming-Community auf die Barrikaden.
"Ein trauriger Tag für jeden Gamer" - Die Reaktionen der PlayStation-Community
Verärgert über die Entscheidung sind nicht nur Spieler, die für eine PlayStation 5 mit Laufwerk deutlich mehr bezahlt haben als andere für die Version ohne Laufwerk (Digital Edition).
Ein Argument, das im Netz als häufige Reaktion auftaucht, führt auch ein User auf der Webseite von Gameswirtschaft an: "Bisher konnte ich das [teure Spielepreise] durch Wiederverkauf für mich rechtfertigen. Wenn das wegfällt, wird mir das Ganze langsam zu teuer."
Andere User unterstellen, Sony wolle mit der drastischen Maßnahme "den gesamten Einzelhandel ausschließen, den Gebrauchtmarkt aushebeln, um möglichst 100 Prozent des Preises - abzüglich Steuern - bei sich zu halten." Die "Gameswirtschaft"-Redaktion, die früh über das Thema berichtete, kommentiert dazu: "Dem Einzelhandel bleibt vermutlich nur die Option über das Gutscheinkarten-Display, wo schon jetzt Roblox-, Steam- und PS-Plus-Guthaben angeboten wird. Eine eigene 'Games-Abteilung' für weitgehend leere Code-in-a-box-Hüllen lohnt nicht."
Vieldiskutiert wird im Netz auch die Frage zu den Konsequenzen für den Besitz oder das Eigentum an den rein digitalen Spielen. In einem Facebook-Kommentar schreibt beispielsweise ein User: "Damit hat man kein Eigentum mehr an den Spielen, sondern nur noch die Lizenz, diese zu spielen. Das heißt auch: Wenn Sony oder der Hersteller keinen Bock mehr hat, ist da Game einfach weg - egal, wie viel man dafür bezahlt hat! Das ist ein trauriger Tag für jeden Gamer."
Andere Spieler verweisen auf ihre Sammelleidenschaft. Sie wollen ihre Games physisch besitzen als Teil einer optischen und haptischen Sammlung. Ein weiteres Argument für Datenträger: "Und beim Server abschalten ist dann alles weg!" Auch ein Ban könnte Gamern ihre Spiele kosten, fürchtet ein anderer User: "Bete, dass du nie einen Ban kassierst - sonst war es das mit deiner Spielebibliothek!", zitiert das Fachmedium "Polygon".
Ebenfalls oft liest man die Androhung, die PlayStation-Welt als Konsequenz zu verlassen - beispielsweise durch ein Umsteigen auf PC anstatt des Kaufs der kommenden Konsolengeneration PlayStation 6. Mit schwarzem Humor nimmt eine Userin die Sony-Meldung: "Zeit umzusteigen. Mit einem guten Buch oder Gesellschaftsspielen kann man sich auch die Zeit vertreiben."
So viel Humor beweisen allerdings die wenigsten User - die Reaktionen im Netz fallen weitestgehend überrascht, besorgt bis wütend aus. Ein verärgerter Kommentar von über 3.400 allesamt negativen Meinungen unter dem PlayStation Blog-Beitrag: "Ihr macht Gaming zu etwas mit begrenzter Lebensdauer, das den Launen und der Wartung eines einzigen Unternehmens ausgeliefert ist. Ich hoffe, euch ist klar, was für eine schreckliche Entscheidung das ist - besonders angesichts der weltweit steigenden Preise für Speicher."
Whataboutism auf allen Sony-Kanälen
Die Empörung, der sich Sony seit dem Blog-Post ausgesetzt sieht, beschränkt sich nicht auf die die Blog-Kommentar-Funktion. Stattdessen nutzen User sämtliche offiziellen Kanäle von Sony, um ihrem Ärger Luft zu machen. Selbst "Spider-Man" bleibt davon nicht verschont: Ein Sony-Post auf X, der den kommenden Superhelden-Film bewerben will, erntete über 3.000 Reaktionen, von denen sich die meisten nicht auf den Film bezogen, sondern Kritik am Ende der Spiele-Discs üben.
Gleiches gilt für den offiziellen PlayStation-Account bei TikTok und auf Instagram. Ein Instagram-Video des Konzerns wurde geflutet mit mehr als 2.000 Kommentaren, die off-topic das Ende der physischen PlayStation-Medien anprangern und teils sogar mit einem Boykott sämtlicher Sony-Produkte drohen. Gleiches gilt für den YouTube-Kanal von PlayStation, wo ein aktueller Trailer zu einem Videospiel über 300 themenfremde Kommentare geerntet hat, welche die Konzernentscheidung verteufeln.
Kritik auch von Fachmedien
Das Fachmedium "Kotaku" bezieht selbst Stellung zu Sonys angekündigter Strategie: "Offenbar gefällt es den Leuten nicht, wenn man ihnen sagt, dass sie die Spiele, die sie kaufen, in naher Zukunft eigentlich nicht mehr wirklich besitzen werden - und ihnen keine andere Wahl bleibt. Wer hätte das nur gedacht?"
Auch die Kollegen von "Polygon" kritisieren Sonys neuen Weg: "Dadurch wird es unmöglich, beim Spielekauf durch Secondhand-Angebote Geld zu sparen. Außerdem werden Freunde einander keine Spiele mehr ausleihen können, indem sie einfach eine Disc weitergeben." Ein weiterer Punkt: "Was passiert, wenn ein Spiel, das ausschließlich digital erhältlich ist, aus den digitalen Stores entfernt wird?"
Ein weiterer finsterer Blick in die Zukunft, den "Polygon" skizziert: "Schon bald werden wir an einen einzigen, von Sony kontrollierten Store gebunden sein und uns an alle Regeln halten müssen, die das Unternehmen vorgibt. Eine dieser Regeln könnte im Zeitalter rein digitaler Spiele eine dynamische Preisgestaltung sein."