Journalist erlebte Merz-Trump-Treffen hautnah: "Man kann sich das nicht krass genug vorstellen"
Robin Alexander verfolgte das Treffen zwischen Friedrich Merz und Donald Trump vor Ort im Weißen Haus. In seinem Podcast offenbarte er, was Zuschauer "im Fernsehen nicht sehen".
Dagmar Rosenfeld ist überzeugt: Darüber, wie es im Iran nach der Tötung des geistlichen Oberhaupts Ali Chamenei weitergehen wird, habe "die Bundesregierung keine Ahnung". Im Podcast "Machtwechsel", den die Journalistin mit ihrem Kollegen Robin Alexander präsentiert, gibt Letzterer zu bedenken: "Vielleicht weiß Friedrich Merz schon mehr. Er hat es Donald Trump bestimmt gefragt."
Nur wenige Augenblicke vor der Aufzeichnung der am Mittwoch veröffentlichten Podcast-Folge befand sich Robin Alexander selbst im Oval Office. Dort verfolgte er das Treffen zwischen Friedrich Merz und Donald Trump am Dienstagmorgen aus nächster Nähe. "Man kann sich das nicht krass genug vorstellen", berichtet Alexander.
"Viele Hörer haben das wahrscheinlich im Fernsehen verfolgt. Aber was sie im Fernsehen nicht sehen, ist diese Enge, in der die Journalisten da eingepfercht sind." Wann immer Trump die Stimme gesenkt habe, sei es dem 50-Jährigen zufolge zu einem "Shouting Match" der Pressevertreter gekommen. "Und er nimmt dann Leute dran - oder er zeigt auf Leute und sagt: 'It's not your turn!'"
Rosenfeld kritisiert "unangemessenes" Verhalten von Merz
Dass Merz kaum zu Wort gekommen sei, habe Alexander nicht überrascht. "Als Friedrich Merz zum ersten Mal bei Donald Trump war, beim Antrittsbesuch im Juni 2025, da hatten alle große Angst, dass das völlig danebengeht", erinnert er. Dass der Bundeskanzler letztlich nur einen Redeanteil "von ungefähr zehn Prozent" gehabt habe, sei ihm damals zugute gekommen: "Weil man dachte, er hat doch diesen ersten Antrittsbesuch bei Trump ganz gut hingekriegt - es ist kein Unglück geschehen. Diese Statistenrolle hat damals gereicht, war sogar ein Plus für Merz."
Beim diesmaligen Besuch im Weißen Haus wäre dies jedoch nicht ausreichend gewesen. Entsprechend sei Merz von seinem Team dahingehend "gecoacht" worden, dass er bei der Beantwortung der ersten Frage an ihn "gleich seinen zweiten und dritten Punkt" vorbringe. Diese Taktik sei vor allem angesichts der Tatsache sinnvoll, "dass Trump sich sowieso gerne reden" höre.
Im Laufe seiner bisherigen Kanzlerschaft sei es Merz gelungen, "dass er diese freundliche, fast kumpelhafte Verbindung zu Donald Trump hat", bemerkt Robin Alexander. Um diese Beziehung nicht zu belasten, habe Merz im Laufe der Pressekonferenz jedoch "ein Verhalten an den Tag gelegt, das für einen europäischen Regierungschef unangemessen" sei, moniert Dagmar Rosenfeld.
"Hätte er da nicht vielleicht besser geschwiegen?"
Dass Trump in Merz' Anwesenheit scharfe Kritik an Großbritannien und Spanien geäußert habe, von denen er sich mehr Unterstützung im Iran-Krieg erhofft hatte, sei für Merz "eine schwierige Situation" gewesen, glaubt Alexander. "Kann man im Oval Office über ein EU-Mitgliedsland herziehen? Oder schweigt man da lieber?" Merz habe den Mittelweg gewählt - und sei "ein bisschen drauf eingestiegen, aber nicht ganz". Auch der ehemalige Chefredakteur der "Welt" fragt sich: "Hätte er da nicht vielleicht besser geschwiegen?"
Ungewöhnlich sei indessen die Reihenfolge, in der Trump den Besuch des Bundeskanzlers abgehalten habe. "Bei einem normalen Politikertreffen ist es ja so, dass die erst unter sich reden und dann vor die Presse treten", erklärt Alexander. "Hier ist es aber so, dass die Pressebegegnung dem eigentlichen Gespräch vorgelagert ist." Will heißen: "Merz wusste noch gar nicht, was er bei Trump erreicht."
Das Gespräch, bei dem Merz "seine eigentlichen Punkte machen" wollte, habe erst nach der Pressekonferenz stattgefunden. Im Nachgang mutmaßt Robin Alexander: "Merz und seine Leute werden sich erkundigt haben: Was ist der Plan von Trump? Sie werden sich auch erkundigt haben, was der Plan von Netanjahu ist. Aber ob sie es bei diesem Besuch erfahren haben, das wissen wir - Stand jetzt - nocht nicht."