Expertin erklärt in Ronzheimer-Podcast: "Das ist der Grund, warum Trump Merz respektiert"
Europa atmet auf: Eine weitere Eskalation mit den USA in der Grönland-Debatte scheint vorerst vom Tisch. Am Donnerstagabend ließ Donald Trump verlauten, er wolle in Fragen der "Sicherheit" Grönlands mit der NATO kooperieren.
Schon zuvor hatte Bundeskanzler Friedrich Merz auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos den Deal zwischen Trump und Mark Rutte als "Schritt in die richtige Richtung" bezeichnet. "In den letzten Tagen hat Merz recht häufig mit Trump gesprochen", wusste Mariam Lau nun im Podcast von Journalistenkollege Paul Ronzheimer zu berichten. Der Deutsche habe "einen relativ guten Draht zu Trump".
"In den letzten Tagen hat sich die Stimmung in den europäischen Hauptstädten sehr verändert: Von 'Wie halten wir Trump bei der Stange' hin zu 'Es reicht'", skizzierte die "Zeit"-Journalistin die Entwicklung. Merz habe in der vergangenen Woche eine gute Balance zwischen den Positionen gefunden. Besonders wirkungsvoll gegen Trumps Zolldrohung habe sich der Verweis auf das Anti-Zwangs-Instrument (ACI) Europas erwiesen.
Drohende wirtschaftliche Einbußen für die USA könne sich Trump angesichts der anstehenden Midterms-Wahlen nicht leisten, erklärte Mariam Lau: "Dieses Androhen hat dazu geführt, dass die Börsenkurse nachgegeben haben und die amerikanischen Staatsanleihen an Wert verloren haben." Dennoch müsse Europa bewusst sein, dass Trump unberechenbar sei. "Man weiß ja nie, ob die in drei, vier Tagen wieder da sind", sagte Mariam Lau über die aktuell zurückgehaltenen Zölle.
Journalistin über Rolle Europas im Grönland-Streit: "Wirtschaft ist unsere stärkste Waffe"
Über das Verhältnis von Friedrich Merz und Donald Trump bekundete Mariam Lau: "Merz versucht es nicht mit Unterwerfung." In der Vergangenheit sei er Trump unter anderem bei der Diskussion über den Umgang mit eingefrorenen russischen Vermögen "voll in die Parade gefahren". Das habe Trump in dem konkreten Beispiel zwar "nicht gefallen", aber: "Merz gibt durchaus Widerworte. Das ist der Grund, warum ihn Trump respektiert."
Angesichts von Trumps Drohungen in Richtung Grönland sei Merz in einer "schwierigen Lage" gewesen, bemerkte Mariam Lau: "Die große Abwägung in Sachen Grönland war immer: Grönland oder Sicherheitsgarantien für die Ukraine." In ihren Augen sei es aber ein gutes Zeichen gewesen, Soldaten europäischer Staaten auf eine Erkundungstour auf die Insel zu schicken. Obwohl sich viele über die Mission lustig gemacht hätten, habe sie laut Lau bei den US-Amerikanern "Eindruck gemacht": "Es war eine Geste: Pass mal auf, Freund, wir legen uns hier nicht zum Sterben hin."
Dennoch könne man sich in Europa aufgrund der teils schnell umschlagenden Stimmungen von Donald Trump nicht ausruhen, mahnte Mariam Lau. Für Trump-nahe Politiker wie Vizepräsident J.D. Vance sei "Europa ein Feindbild": "Die hätten mit einer militärischen Konfrontation kein Problem." Entsprechend müsse man sich im Kanzleramt bewusst sein: "Die Wahrscheinlichkeit haben sie nicht sehr hoch angesetzt, aber völlig ausschließen kann man bei diesem Präsidenten gar nichts." Insofern glaubte Lau abschließend, "die Grönland-Episode ist noch lange nicht zu Ende". Wichtig sei in diesem Zusammenhang, dass sich Europa bewusst sei: "Wirtschaft ist unsere stärkste Waffe."