Die erste Stimmen zu Valves Steam Machine sind da - und es gibt einiges zu klären
Nach einigen Verzögerungen soll es nun soweit sein: Die Steam Machine kommt! Was aussieht wie ein unscheinbarer kleiner Würfel, soll für neue Hardware-Impulse im Gaming-Segment sorgen. Der Plan von Hersteller Valve: Die Flexibilität eines Gaming-PCs mit dem Komfort einer Spielekonsole zu einer eigenen Produktklasse verbinden. Der mit SteamOS betriebene Mini-PC soll nicht zuletzt den Konsolen Konkurrenz machen.
Als Stolperstein dabei könnte sich allerdings der Preis erweisen: Kaufinteressenten müssen selbst für die kleinste Variante mit 512 GByte Speicher mit mindestens 1.040 Euro rechnen. Wer mehr Speicherplatz und einen Steam Controller dazu möchte, muss deutlich tiefer in die Tasche greifen: Die Steam Machine mit 2 TByte und Steam Controller könnte rund 1.430 Euro kosten.
Über diesen Preis ärgert sich nicht nur die Kundschaft, sondern auch der Hersteller selbst: Valve ist durchaus bewusst, dass die Steam Machine mit einer vierstelligen Summe preislich nicht attraktiver als ein herkömmlicher PC wirkt. Drastisch teurer als jede Konsole auf dem Markt ist die Steam Machine ohnehin. Im Firmen-Blog erklärt das Unternehmen, dass man sein eigenes Preisziel nicht halten konnte, da die Preisentwicklung für wesentliche Komponenten global rasant gestiegen sei. Vor allem geht es dabei um die weltweite Speicherkrise im Zuge der KI-Revolution.
Im Blog heißt es zur Preispolitik: Während das traditionelle Konsolenmodell Einbußen beim Hardware-Verkauf durch Kompensation durch Abo-Dienste und Spieleverkäufe in Kauf nimmt, wolle Valve nicht auf Subventionen setzen, sondern auf "die Offenheit der PC-Spielindustrie, die es ermöglicht, über Jahrzehnte hinweg der Katalysator für Hardware- und Softwareinnovationen zu sein".
Warteliste und Losverfahren
Selbst wer bereit ist, die erwähnten Summen für Valves Spiele-Würfel zu bezahlen, hat keine Gewissheit, einen zeitnah zu erhalten. Zunächst können sich Interessierte auf eine Reservierungswarteliste setzen lassen, die bis zum 25. Juni um 19 Uhr geöffnet ist. Dazu ist ein Steam Account erforderlich. Dann entscheidet das Los. Zumindest, wenn die Nachfrage zum Launch größer als das Angebot ist. Grund zum Optimismus hat die US-amerikanische Firma allerdings, denn Hardware von Valve wie das portable Steam Deck oder der neue Steam Controller sind heiß begehrt. Auch wird die Stückzahl der Steam Machine zunächst begrenzt sein.
Wer einen Platz auf der Warteliste bekommt und eine E-Mail mit Kaufoption erhält, hat 72 Stunden Zeit, diese wahrzunehmen. Die ersten Geräte sollen bereits ab 29. Juni verschickt werden. Bestellungen sollen nach und nach bis zum Jahresende abgearbeitet werden, wobei Nordamerika, Europa, Großbritannien und Australien jeweils eigene Wartelisten haben.
Die technischen Details der Dampfmaschine
Die AMD-Technik im Würfel-Computer liegt über dem Niveau des Steam Decks. Laut Valve soll sogar eine sechsfache Leistung im Vergleich zum firmeneigenen Handheld drin sein. So soll gewährleistet werden, dass Nutzer mit Valves Wohnzimmer-Dampfmaschine ihre gesamte Steam-Bibliothek durchspielen können. Möglich machen soll das ein modifizierter AMD Zen 4 mit sechs Kernen und zwölf Threads sowie bis zu 4,8 GHz Taktfrequenz. Die GPU ist eine modifizierte AMD RDNA3 mit 28 CUs (Recheneinheiten) und bis zu 2,45 GHz Taktfrequenz.
Während der RAM in beiden Modellen aus 16 GB DDR5 und 8 GB GDDR6 VRAM besteht, gibt es zwei Massenspeicher-Varianten: mit 512 GB NVMe-SSD oder 2 TB NVMe-SSD.
Neben DisplayPort 1.4 (bis zu 4K bei 240 Hz, bis zu 8K bei 60 Hz) und HDMI 2.0 (bis zu 4K bei 120 Hz) gibt es diverse USB-A und -C-Anschlüsse, WLAN 6E, Bluetooth 5.3, Gigabit-Ethernet und einen integrierten Funkadapter für den Steam Controller.
Wie schneidet die Steam Machine im Vergleich ab?
Zu den ersten Reviews zählt der Test des Mediums "Digital Foundry", das die Steam Machine bereits erhielt. "Wundervolle Hardware, Konsolen-Performance", schwärmt der Autor, erwähnt aber auch, dass man dafür einen hohen Preis bezahlt.
"Winzig, praktisch lautlos und wunderschön gestaltet - ein schlichtweg unwiderstehliches Design", so der erste optische Eindruck. Doch wie steht es um die inneren Werte? "Tests mit identischen Einstellungen auf der Steam Machine und der PS5 zeigen, dass die Valve-Hardware etwas hinterherhinken kann", schreibt "Digital Foundry". Dank der Unterstützung von VRR, der Möglichkeit zur Feinabstimmung der Einstellungen, variablen Ausgabeauflösungen und der leistungsstärkeren CPU könne die Steam Machine "in der Regel ein insgesamt vergleichbares Spielerlebnis wie die Sony-Konsole" bieten.
Auch "PCGamer" hat bereits ein Review zur Steam Machine. In der Redaktion schneidet die würfelförmige Gaming-Maschine mit nur 62 von 100 möglichen Punkten eher enttäuschend ab. Pluspunkte gibt es für das "kleine, elegante Gehäuseformat", die austauschbaren individuellen Frontplatten und die Integration in SteamOS. Zudem wird gelobt: Die Steam Machine "bleibt kühl und arbeitet leise". Kritisiert wird dagegen - wenig überraschend - der Preis und "gelegentliche Schwierigkeiten bei der Einrichtung". Das Fazit: "Ein klassischer Gaming-PC bietet meist das bessere Preis-Leistungs-Verhältnis."
Steve Burke vom YouTube-Channel Gamers Nexus findet die Steam Machine "nicht schlecht, aber auch nicht die Rettung" für den PC-Markt, "denn dafür fehlt in einigen Fällen noch der Feinschliff".
"IGN" schwärmt dagegen, Valve habe genau geliefert, was das Unternehmen versprach - die Steam Machine sei ein "unglaublicher Einstiegs-PC, den die meisten Leute einfach nur anschließen und damit loslegen können - und genau das wollte die Steam Machine von Anfang an sein".
"Eurogamer" macht auf ein Manko aufmerksam, das nur PC-Bastler betrifft: Die Steam Machine lässt sich kaum aufrüsten. "Tatsächlich können hier nur der Arbeitsspeicher und der Speicherplatz erweitert werden. Anders als bei praktisch jedem Desktop-Gaming-PC und inzwischen sogar bei einigen Laptops ist die Steam Machine damit im Grunde genommen technisch eingefroren und lässt sich kaum weiterentwickeln", so das Urteil.
Was sagen deutschsprachige Tester?
Im deutschsprachigen Raum hat "PC Games Hardware" einen der Mini-PCs zum Testen erhalten. Hier wird das Grundproblem der Steam Machine beim Namen genannt: "Für Konsolenspieler dürfte die Steam Machine erklärungsbedürftig sein, weil sie nicht die geschlossene Einfachheit einer Playstation oder Xbox bietet. Für klassische PC-Spieler stellt sich dagegen die Frage, warum sie zu einem fertigen SteamOS-System greifen sollten, statt selbst zu bauen oder einen Windows-PC zu kaufen."
Im Test mit mehreren Spielen zeigte sich: "Die Steam Machine ist kein System, das aktuelle Spiele pauschal in nativer UHD-Auflösung stemmen kann." Der sinnvollere Arbeitsbereich liegt laut der Redaktion bei Full-HD- und WQHD-Auflösungen, ergänzt durch Upscaling. Bei "Cyberpunk 2077" beispielsweise blieben in UHD nur noch 40 FPS übrig. "Auch mit aggressivem Upscaling wird das von Valve genannte 60-FPS-Ziel in 4K damit nicht erreicht", so die Tester. Im Quality-Modus sank die Rate sogar auf 30 Bilder pro Sekunde in UHD.
Fazit: Bastler können sich für die Summe ein System mit besserem Preis-/Leistungsverhältnis bauen. Die Zielgruppe der Steam Machine sind daher eher Spieler, "die kein High-End-System suchen, keinen Selbstbau planen, aber einen fertigen Gaming-PC mit möglichst wenig Reibung haben möchten".