American Dreams: Das geschah in der deutschen Nacht
Cristiano Ronaldo meldet sich zurück, England enttäuscht, und Kolumbien steht in der K.o.-Runde.
REKORDMANN: Zu alt? Zu unbeweglich? Zu harmlos? Nach "dunklen" Tagen, in denen der Eindruck entstanden sei, "ich hätte meine Fußballkarriere bereits beendet", teilte Cristiano Ronaldo der Welt voller Genugtuung mit: Hallo, "ich bin zurück". Das kann man nach dem Doppelpack des 41-Jährigen beim 5:0 (3:0) der Portugiesen gegen Usbekistan erst mal so stehen lassen. Es sei die Einschränkung erlaubt, dass der Gegner eben nur Usbekistan hieß. Dennoch, Ehre wem Ehre gebührt: Ronaldo ist nun der erste Spieler der Geschichte, der bei sechs Endrunden nacheinander das Tor getroffen hat. Angesprochen auf die Aussicht, im Viertelfinale vielleicht auf einen gewissen Lionel Messi zu treffen, sagte er nach kurzem Zögern: "Das wäre toll."
FACHMANN: Die englischen Medien waren sich einig. Die Three Lions sind nach dem umjubelten 4:2 zum WM-Auftakt gegen Kroatien durch das 0:0 gegen Ghana "auf dem Boden der Tatsachen" zurück. Doch irgendwie war es ja zu erwarten. Wenn bei den Engländern etwas Tradition hat, außer, dass sie seit 1966 keinen Titel gewonnen haben: Nach guten ersten Spielen folgen bei großen Turnieren stets Frust-Kicks. Nicht mal auf Harry Kane, der in der Kabine noch vor dem Fluch des zweiten Spiels, oder was immer das auch sein mag, gewarnt hatte, war Verlass. Der Fachmann für wichtige Tore vergab kurz vor dem Abpfiff die beste Chance zum Sieg.
So präsentiert sich Cristiano Ronaldo bei Instagram
BUHMANN: Der größte Aufreger beim 0:0 zwischen England und Ghana? Djed Spence verweigerte Thomas Partey vor dem WM-Spiel in Foxborough/USA den Handschlag. Ein Video der Szene verbreitete sich rasch in den Sozialen Netzwerken. Partey hatte das erste Spiel der Ghanaer gegen Panama (1:0) in Toronto verpasst, nachdem ihm aufgrund von Vergewaltigungsvorwürfen die Einreise nach Kanada verwehrt worden war. Die englischen Fans buhten Partey bei dessen erstem WM-Einsatz am Dienstag aus. In die USA durfte Partey, der die Vorwürfe bestreitet, problemlos einreisen.
ALTER MANN: Am Ende packten ihn seine Mitspieler und warfen ihn in die Luft. Es gab immerhin ein Jubiläum zu feiern. Luka Modric, 40 Jahre alt, absolvierte gegen Panama sein 200. Länderspiel. Das 1:0 (0:0) der Kroaten war dem Anlass nicht unbedingt angemessen, aber wichtig: Dank des Treffers des Jokers Ante Budimir haben die Kroaten zum Abschluss gegen Ghana noch die Chance, sicher in die K.o.-Runde einzuziehen - im Gegensatz zu Panama. Die Mannschaft des ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönigs Thomas Christiansen ist bereits ausgeschieden.
SCHLUSSMANN: Zwei Treffer erzielte Luis Díaz gegen die DR Kongo - beide wurden dem kolumbianischen Nationalhelden aberkannt. Beide übrigens zu Recht. Und weil bis auf Daniel Munoz (76.) keiner der "Cafeteros" trotz zahlreicher Chancen traf, was unter anderem am vorzüglichen kongolesischen Schlussmann Lionel Mpasi lag, mussten sich die ambitionierten Südamerikaner zum 1:0 (0:0) mehr oder weniger quälen. Sei's drum: Der Einzug in die K.o.-Runde ist bereits vor dem abschließenden Vorrundenspiel gegen Portugal gesichert.