DESG: Bundeskanzleramt kündigt Überprüfung an
Nach ARD-Angaben will Staatsministerin Christiane Schenderlein sich mit den vorgebrachten Vorwürfen befassen.
Der Druck auf die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) wächst laut einem Medienbericht weiter. Nachdem Athletensprecher Hendrik Dombek Unmut über die Verbandsführung geäußert hatte, will der Geldgeber den Vorwürfen nachgehen: Das Bundeskanzleramt teilte der ARD am Mittwoch mit, dass die für Sport zuständige Staatsministerin Christiane Schenderlein die Berichterstattung zum Anlass nehme, den Sachverhalt zu prüfen.
Ein Sprecher des für den Spitzensport verantwortlichen Bundeskanzleramts kündigte gegenüber dem Sender eine weiterführende Stellungnahme für Donnerstag an.
Der Deutsche Olympische Sportbund hatte sich am Dienstag bereits positioniert. Auf SID-Anfrage teilte der DOSB mit, man sei "aufgrund der aktuellen Berichterstattung sensibilisiert". Der Dachverband erwarte von seinen Mitgliedsverbänden, "dass sie sich im Rahmen der rechtlichen Vorgaben bewegen sowie ihre eigenen Satzungen und Regelungen und dabei die Grundsätze der guten Verbandsführung einhalten." Dazu zähle "ausdrücklich" ein fairer und respektvoller Umgang miteinander, insbesondere Athletinnen und Athleten müssten sich "sicher fühlen und ihren Sport uneingeschränkt ausüben können".
Der DOSB verwies weiter darauf, dass auch die Autonomie der Verbände in "einen rechtlichen Rahmen gegossen und durch diesen begrenzt" sei: "Zu diesem Rahmen zählen vor allem das Vereinsrecht, aber u.a. auch das Strafrecht, das Zuwendungsrecht oder das Persönlichkeitsrecht."
Die Situation im Verband stelle für viele Aktive "eine zusätzliche, erhebliche Belastung dar", hatte Dombek in einem Beitrag der ARD gesagt, der am Montag veröffentlicht wurde und der vor allem DESG-Präsident Matthias Große belastet.
Es bestehe "dringender Bedarf an einem intensiveren und regelmäßigen Austausch mit den Verbandsgremien", ließ Dombek, der bei den Olympischen Winterspielen am Mittwoch in Mailand über 1000 m an den Start ging, schriftlich verlauten. Ziel der Athletenvertretung sei es, "ein Umfeld zu schaffen, das von gegenseitigem Respekt, transparenter Kommunikation und verantwortungsvollem Umgang mit Macht geprägt ist."
Große, Lebensgefährte der fünfmaligen Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein, steht seit 2020 an der Spitze DESG. Der Berliner Immobilienunternehmer wollte den einst sehr erfolgreichen Verband, der seit 2010 keine Olympiamedaille mehr gewonnen hat, zu alter Stärke zurückführen.
"Die Athletinnen und Athleten aus der DESG, mit denen wir gesprochen haben, sind sehr frustriert", sagte Johannes Herber, Geschäftsführer des unabhängigen Vereins Athleten Deutschland: "Sie wollen eigentlich mitgestalten, und es wurde ihnen immer wieder die Tür vor der Nase zugeschlagen."
Große wollte sich auf SID-Anfrage zu den Vorwürfen, dass die DESG Haushaltspläne zurückgehalten und versprochene Prämien nicht an Vereine und Sportler ausbezahlt habe, nicht erklären. Stattdessen werde man sich nach den Winterspielen am 26. Februar auf einer Pressekonferenz auf dem Berliner Mügelturm "vollumfänglich äußern".