Pressestimmen zum Abschluss der Olympischen Winterspiele
Olympia ist vorbei. Während im Gastgeberland Italien vorwiegend positiv auf die "Heimspiele" geblickt wird, hagelt es international auch viel Kritik.
Die Bilanz der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo fällt in vielen Ländern positiv aus - doch das Konzept der dezentral organisierten Spiele und die Atmosphäre vor Ort werden international auch kontrovers diskutiert. Während italienische Medien von einem gelungenen Heimauftritt sprechen, äußern sich Schweizer und österreichische Zeitungen deutlich skeptischer. In England rücken politische Spannungen und der Ausblick auf die Paralympics in den Fokus. Internationale Pressestimmen zum Abschluss der 25. Winterspiele:
ITALIEN
Gazzetta dello Sport: "Nach 17 Tagen ist Heim-Olympia zu Ende - und Italien zieht eine glänzende Bilanz. Organisation und sportliche Leistungen sind ein voller Erfolg: Italiens erklärtes Ziel, die 20 Medaillen der Olympischen Winterspiele 1994 von Lillehammer zu übertreffen, ist erreicht worden. Der Heimvorteil hat als zusätzlicher Antrieb gewirkt."
Corriere dello Sport: "Italien beendet die Heimspiele mit einem Triumph - nicht nur wegen der 30 Medaillen in zwei Wochen. Als Erfolg gewertet wird auch das Konzept der erstmals dezentral organisierten Spiele. Abgesehen von vereinzelten Problemen im Transportbereich hat die Organisation entlang der Achse Mailand-Cortina reibungslos funktioniert."
Tuttosport: "Danke, es war einfach wunderbar! Wir haben saubere und moderne Winterspiele erlebt, die der Welt ein positives Bild Italiens vermittelt haben. Das Land glänzt mit Organisation und positiver sportlicher Bilanz gleichermaßen."
Corriere della Sera: "Kaum jemand hätte diesen Winterspielen Erfolg zugetraut. Vorwürfe von Verschwendung, Verzögerungen und Infrastrukturproblemen prägten die Debatte. Am Ende ist die Bilanz durchaus positiv: Das internationale Ansehen Italiens ist gestiegen, die Bergorte melden Rekordzahlen in Sachen Besucher, Mailand erlebt einen außergewöhnlich starken Zustrom von Fans."
La Repubblica: "Die Schlussfeier dieser Winterspiele ist eine Freilicht-Oper: Am letzten Tag finden die dezentralen Winterspiele in Verona ihr gemeinsames Herz. Der italienische Alpenbogen verabschiedet sich und wartet jetzt auf die Winterspiele im benachbarten Frankreich."
La Stampa: "Italien hat die Olympia-Prüfung voll bestanden. Das Experiment der dezentralen Winterspiele ist gelungen. Damit hat Italien einen Weg geebnet, den Frankreich jetzt fortsetzen wird."
ENGLAND
Telegraph: "Die hitzigen Olympischen Spiele: Warum die Winterspiele so umstritten sind. Sport kann vereinen, doch das Bestreben des IOC, das Spielfeld zu einer politikfreien Zone zu machen, erscheint aussichtsloser denn je."
Guardian: "Die Olympischen Winterspiele endeten mit einer feierlichen Abschlusszeremonie in Verona. Nun richten sich alle Augen auf die Winter-Paralympics in zwölf Tagen, bei denen erstmals seit 2014 wieder russische Athleten unter eigener Flagge antreten werden."
FRANKREICH
Le Figaro: "Italien hat in Schönheit den Staffelstab an Frankreich weitergegeben."
ÖSTERREICH
Krone: "Ob Linus Straßer, Johannes Lamparter, Fanny Smith oder Franjo von Allmen: Von Athletenseite gab es nicht nur lobende Worte an den Olympischen Spielen in Mailand/Cortina. Siegerehrungen im Schnelldurchlauf, keine Medaillenzeremonien. Wenig Interaktion mit den Fans, kaum olympisches Flair. Extrem weite Distanzen, kein Zentrum für Feierlichkeiten. Je länger die Winterspiele in Italien dauerten, desto mehr Kritik prasselte von Athleten ein. Kopfschütteln über strenge Regeln, Ärger über hochnäsige Funktionäre."
SCHWEIZ
Neue Zürcher Zeitung: "Die dezentralen Winterspiele haben funktioniert, aber Stimmung kam kaum auf. Dem IOC ist das egal – Hauptsache, die Einnahmen sprudeln."
Blick: "Das IOC will die Olympischen Spiele nachhaltiger gestalten, mehr auf bestehende Anlagen setzen und dementsprechend dezentrale Spiele in Kauf nehmen. Wir fragen nach zwei Wochen Milano/Cortina: Ist das wirklich eine gute Idee? Die Stimmung war an vielen Orten ziemlich mau, die Medaillenzeremonien waren teils traurige Veranstaltungen und Athleten aller Nationen schimpften über die fehlende Olympia-Atmosphäre. Das muss zügig besser werden, sonst wünscht sich plötzlich noch jemand den alten Gigantismus zurück. Ob die Olympia-Bürokraten vom IOC das verstehen? Wer am letzten Freitag den eher verwirrten Auftritt von der neuen Präsidentin Kirsty Coventry gesehen hat, darf seine Zweifel an der Nähe Olympia-Chefs zur Basis haben."
USA
CNN: "Mit Drama, Spannung, lustigen Momenten und vielen spannenden Medaillenentscheidungen waren dies Olympische Winterspiele, die in Erinnerung bleiben werden. Sie gehen mit der Abschlusszeremonie und dem Erlöschen der olympischen Flamme zu Ende."