"Number One Guy" Hanes: Mit Urgewalt zum Titel?
Jake Hanes macht bei den BR Volleys erneut den Unterschied. Im Finalduell um die Meisterschaft könnte er zum Trumpf werden.
Jake Hanes sticht heraus. Ob er will oder nicht. Mit seinen 2,12 Metern kann sich der Hüne selten verstecken, noch nicht einmal unter seinen ebenfalls großgewachsenen Teamkollegen bei den Berlin Recycling Volleys. Im Zentrum der Aufmerksamkeit zu stehen, ist aber nicht sein Ding. Er lege "keinen Wert darauf, der Number One Guy zu sein", sagte der US-Amerikaner zumindest einmal über sich selbst. Doch nicht nur wegen seiner Körpergröße fällt der Diagonalangreifer auf, längst ist er zum absoluten Unterschiedsspieler des Hauptstadtklubs geworden.
Wie wichtig Hanes für die Berliner ist, stellte er wieder einmal am Mittwochabend unter Beweis. Beim überzeugenden 3:1 (25:20, 25:19, 18:25, 25:21) im ersten Spiel der Finalserie bei der SVG Lüneburg glänzte der 27-Jährige mit starken 26 Punkten. Als Top-Scorer schmetterte Hanes seine Mannschaft weiter Richtung zehnte Meisterschaft in Folge.
An guten Tagen ist der Angreifer kaum zu stoppen, dabei war er als Nachfolger von Leistungsträger Marek Sotola bei seinem Wechsel aus der polnischen Liga 2024 von so manchem kritisch beäugt worden. Geschäftsführer Kaweh Niroomand war sich damals schon sicher, ein "richtiges Juwel" entdeckt zu haben - und sollte Recht behalten.
"Auf dem Feld spiele ich mit aller Energie, die ich habe, jeden Punkt so, als wäre es der letzte", erzählte Hanes vor zweieinhalb Jahren im Vereinsinterview, in dem er als "Urgewalt" beschrieben wurde. Mit seiner emotionalen Art schoss er aber auch schon das ein oder andere Mal über das Ziel hinaus. So auch vor etwa einem Jahr im Duell mit Lüneburg. Als er nach einem Ball hechtete, war Hanes erst heftig mit dem Personal am Anschreibetisch kollidiert, später kassierte er nach Schiedsrichterbeleidigung die Gelb-Rote-Karte.
Dass er seine gelegentlichen Gefühlsausbrüche auf dem Feld in den Griff bekommen muss, ist ihm bewusst: "Ich sehe das als langen Weg, ich bin noch lange nicht am Ende angekommen", erklärte er im Gespräch mit Tagesspiegel, es sei "eine größere Sache", mit der er seit seiner Kindheit zu kämpfen habe. Seinem Team will er mit seinen Emotionen helfen, nicht im Weg stehen. Schließlich sei dieses seine Familie.
Der aus Illinois stammende Volleyballer ist in der Hauptstadt angekommen, auch dank seiner Freundin Emily Kiser. "Es ist schön, jemanden zu haben, zu dem man abends nach Hause kommen kann", sagte Hanes. Die Basketballerin, die zu College-Zeiten mit Nationalspieler Franz Wagner liiert war, steht bei Alba unter Vertrag. Berlin sei die erste Stadt außerhalb der USA, die sie besucht habe, berichtete Kiser der Bild, "wegen Franz. Von daher wusste ich, dass ich Berlin lieben würde".
Auch Hanes fühlt sich dort "sehr wohl", wie er im Tagesspiegel betonte. Zu den Volleys, hatte er kurz nach seiner Ankunft im Vereinsinterview erzählt, wollte er "wegen der Tradition des Gewinnens". Am Samstag (18.00 Uhr/Dyn) kann er diese gegen Lüneburg fortsetzen.