DOSB will IOC-Richtlinie zum Frauensport "sorgfältig prüfen"
Das IOC hatte am Donnerstag festgelegt, dass zur Klärung der Startberechtigung in Frauenwettbewerben genetische Geschlechtstests eingeführt werden.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) will nach der Veröffentlichung der IOC-Richtlinie zum Schutz der weiblichen Kategorie im olympischen Sport behutsam vorgehen. "Wir werden die Richtlinie, die ab den Olympischen Spielen LA 2028 gilt, nun sorgfältig prüfen, um besser zu verstehen, welche Auswirkungen sie auf Athletinnen in Deutschland und den gesamten Sport hat", teilte der DOSB mit.
Dabei werde "auch zu bewerten sein, welche Rolle der DOSB als Nationales Olympisches Komitee bei der Umsetzung einnehmen wird. Unsere Athlet*innenkommission und die Mitgliedsorganisationen werden wir in diesen Prozess eng einbinden. Uns ist bewusst, dass es sich dabei um eine komplexe und sensible Situation handelt. Umso wichtiger ist es aus unserer Sicht, die Perspektiven, das Wohlergehen und die Rechte aller Athlet*innen in der weiteren Prüfung verantwortungsvoll zu berücksichtigen".
Das Internationale Olympische Komitee hatte am Donnerstag festgelegt, dass zur Klärung der Startberechtigung in Frauenwettbewerben wieder genetische Geschlechtstests eingeführt werden. Die neue Regelung gilt ab den Olympischen Spielen in zwei Jahren in Los Angeles und umfasst sowohl Einzel- als auch Teamsportarten. Sie betrifft ausschließlich den Spitzensport.
Hierbei kommt ein SRY-Gen-Screening zum Einsatz. Das SRY-Gen sitzt auf dem Y-Chromosom und setzt im Regelfall eine männliche Geschlechtsentwicklung in Gang. Die Untersuchung kann per Speichelprobe, Wangenschleimhautabstrich oder Blutuntersuchung erfolgen. Geschlechtstest bei Olympia hatte es zuletzt 1996 in Atlanta gegeben.
Die Maßnahme schließt faktisch Transgender-Athletinnen und einen Großteil der intersexuellen Athletinnen, die zwar genetische Variationen aufweisen, aber von Geburt an als weiblich gelten, vom Frauensport aus.