SID-Aufwärmrunde: Vier Kernpunkte für das Rennen in Sepang
Max Verstappen will den ersten Sieg des Jahres, bei Mercedes ärgert man sich - für Kimi Antonelli könnte es dennoch ein positiver Sonntag werden.
Der Große Preis von Bahrain findet in Malaysia statt - das ist am Sonntagmorgen deutscher Zeit (9.00 Uhr/Sky) aber nicht das einzig Ungewöhnliche in der Formel 1. Max Verstappen steht endlich wieder ganz oben, auch Lewis Hamilton darf sich Chancen ausrechnen. Mercedes dagegen erlaubt sich eine kleine Krise, Kimi Antonelli dürfte dennoch gut gelaunt in den Tag starten. Ein Ausblick auf das sonderbare 16. Saisonrennen.
AUFSCHWUNG: Max Verstappens Fahrt nach ganz vorne wirkt logisch, seit Wochen geht es für den viermaligen Weltmeister und Red Bull wieder in die richtige Richtung. Auf den verschiedensten Streckentypen stand Verstappen zuletzt zuverlässig auf dem Podest, nur für ganz vorne wollte es bislang nie reichen. Von der Pole Position sei jetzt "natürlich" der erste Sieg das Ziel, sagte der Niederländer - und vorerst spricht alles für ihn. Die große Schwäche des Autos, schnelle und mittelschnelle Kurven, scheint behoben, sonst wäre die Pole in Sepang kaum möglich. Und der Red Bull war nicht nur schnell auf eine Runde, er sah auch in den Rennsimulationen sehr gut aus.
ZICKZACK: Deutlich weniger stetig verlief der Weg zuletzt für Lewis Hamilton, in Malaysia hat er ihn nun aber ganz nah heran an die Spitze geführt. Der Ferrari war im Frühsommer stark, machte anschließend häufig Probleme - und gab Hamilton an diesem Wochenende wieder Anlass zur Hoffnung. Es bleibt aber ein schmaler Grat. "Diese Autos sind so sensibel", sagte er, "die winzigste Änderung, nur ein Millimeter in der Bodenfreiheit etwa, kann riesige Auswirkungen haben." Für Sepang scheint die Scuderia "das bewegliche Ziel", wie Hamilton es nennt, getroffen zu haben. Auch Ferrari darf sich Chancen ausrechnen.
ABSCHWUNG: "Nichts" spreche dagegen für Mercedes, sagte Teamchef Toto Wolff, und das ist ziemlich ungewöhnlich. Die Silberpfeile sind in dieser Saison keineswegs auf allen Strecken die Besten, aber sie waren bislang quasi überall konkurrenzfähig. Ausgerechnet das letzte große Upgrade hat das nun vorerst geändert. "Interessant" sei das, sagte auch Hamilton als Beobachter, "wir dachten, dass Mercedes mit den neuen Teilen jetzt jedes Rennen gewinnt." Der einzige in Silber, dem das herzlich egal sein darf, ist Kimi Antonelli. Die WM-Führung des Italieners drohte zu schmelzen, nachdem er zuletzt den Sieg von George Russell in Baku nur aus dem Mittelfeld verfolgen konnte. Den Missstand in Sepang verwaltete Antonelli nun aber deutlich besser als der Teamkollege: Startplatz drei, Russell geht nur von Rang sieben ins Rennen. Im Normalfall sollte der Italiener den Vorsprung von derzeit 66 WM-Punkten auf Russell mindestens halten können. Und alle anderen Piloten liegen so weit zurück, dass mit Blick auf den Titel eigentlich nichts mehr passieren kann.
FRAGEZEICHEN: All das sind Erkenntnisse aus dem bisherigen Wochenende, der Sonntag könnte vieles aber relativieren. "Hier ist es immer schwierig", sagte Verstappen über Malaysia, "es ist sehr heiß, für uns selbst natürlich, aber auch für die Autos, die Reifen, die Bremsen. Es ist unmöglich vorauszusagen, wer das am besten managen kann." Weil der heiße Asphalt die Reifen geradezu frisst, konzentrierten sich die Teams in den Trainings früh auf die Renneinstellungen, opferten dafür Übungszeit fürs Qualifying. "Leider ist das hier kein Rennen, das du am Samstag gewinnst", sagte Red-Bull-Teamchef Laurent Mekies. Möglich also, das Teams wie McLaren (Weltmeister Lando Norris startet von Rang fünf) das Rennen in den Fahrzeug-Einstellungen noch stärker gewichtet haben - und damit am entscheidenden Tag einen Vorteil genießen.