Deutscher General wird Chef von Nato-Militärausschuss
Deutschlands ranghöchster Soldat wird neuer Vorsitzender des Nato-Militärausschusses. Generalinspekteur Carsten Breuer wurde bei einer Sitzung des Gremiums in Kopenhagen zum Nachfolger des italienischen Admirals Giuseppe Cavo Dragone gewählt, wie die Nato mitteilte.
Breuer setzte sich gegen die kanadische Generalstabschefin Jennie Carignan durch, die im Fall ihrer Wahl die erste Frau an der Spitze des Militärausschusses geworden wäre. Er soll im Juli 2027 die Nachfolge des derzeitigen Amtsinhabers antreten.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) sagte zur Wahl Breuers, Deutschland übernehme in fordernden Zeiten Verantwortung in der Allianz. "Wir sind dankbar für das Vertrauen, das unsere Verbündeten in uns setzen", schrieb Merz auf X.
Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) bescheinigte Breuer, strategische Weitsicht. Er habe an entscheidender Stelle mit dazu beigetragen, die Bundeswehr neu aufzustellen.
"Im Bündnis kommt es mehr denn je auf einen klaren Kurs an: Die Bedrohung vor allem durch Russland nimmt zu", so Pistorius. Und: "Die europäischen Partner werden sich gleichzeitig noch intensiver um ihre eigene Sicherheit und konventionelle Abschreckung kümmern, während die USA ihren Fokus auch auf andere Regionen ausweiten."
Breuer dankte "für das in mich gesetzte Vertrauen". "Die Unterstützung der Generalstabschefs unserer Nato-Verbündeten bedeutet mir viel. Im Bündnis liegen große Aufgaben vor uns - für unsere Sicherheit und den Frieden in Europa und darüber hinaus", sagte er der Deutschen Presse-Agentur.
Breuer dann militärischer Berater des Generalsekretärs
Der Vorsitzende des Militärausschusses gilt neben dem Oberbefehlshaber der alliierten Streitkräfte in Europa (Saceur) als einer der einflussreichsten Militärs der Nato. Er ist der wichtigste militärische Berater des Generalsekretärs und zugleich das Bindeglied, über das die gemeinsamen Empfehlungen der Generalstabschefs aller Nato-Mitgliedstaaten den politischen Entscheidungsgremien vorgelegt werden. Zudem werden über ihn Weisungen und Richtlinien des Militärausschusses an die strategischen Befehlshaber der Nato sowie an den Generaldirektor des Internationalen Militärstabs weitergeleitet.
Der bislang letzte Deutsche auf dem Posten war General Harald Kujat. Er war ebenfalls zuvor Generalinspekteur der Bundeswehr gewesen und amtierte von Juli 2002 bis Juni 2005 als Vorsitzender des Militärausschusses.
Die Wahl von General Breuer gilt im Bündnis auch als Zeichen der Wertschätzung dafür, dass die Bundesrepublik zuletzt erheblich zur Steigerung der europäischen Verteidigungsfähigkeiten beitrug. Bei den Verteidigungsausgaben liegt Deutschland nach Nato-Zahlen derzeit mit rund 125 Milliarden Euro klar auf Platz eins in Europa, in der militärischen Kommandostruktur des Bündnisses besetzt es seit diesem Jahr mehr Spitzenposten als die USA.
Das alles soll es den Vereinigten Staaten ermöglichen, frei werdende Mittel und Streitkräfte für einen massiven Ausbau ihrer Abschreckung im Indopazifik zu nutzen. Die USA sehen mittlerweile nicht mehr Russland, sondern China als Hauptherausforderung für ihre eigenen Sicherheitsinteressen.
Breuer führte den Kurswechsel nach der "Zeitenwende"
Breuer ist seit März 2023 Generalinspekteur und damit militärisch verantwortlich für die Umorganisation und Stärkung der Bundeswehr, die nach der "Zeitenwende" angestoßen wurde - ausgelöst durch den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Vor seiner Ernennung zum Generalinspekteur war Breuer Befehlshaber des Territorialen Führungskommandos der Bundeswehr, das er selbst aufgebaut hatte. Bekanntheit erlangte er zuvor auch als Leiter des Corona-Krisenstabs im Kanzleramt.
Breuer trat 1984 in die Bundeswehr ein. Als er seinen Dienst in einem Flugabwehrregiment begann, herrschte in Europa die Konfrontation zwischen Ost und West, der Kalte Krieg. Breuer war in jungen Jahren Truppenfachlehrer der später aufgelösten Heeresflugabwehr.
In militärischen Laufbahnen für Topposten wechseln sich Aufgaben als Kommandeur und politische Verwendungen wie im Verteidigungsministerium ab. In den Jahren 2015 und 2016 war Breuer Projektbeauftragter für das Weißbuch zur Zukunft der Bundeswehr.
Wer wird General an der Spitze der Bundeswehr?
Pistorius steht nach der Wahl Breuers in den kommenden Monaten vor der Entscheidung, wen er stattdessen an die militärische Spitze der Bundeswehr setzt.
In früheren Jahren wurde der damalige Inspekteur der Luftwaffe, Ingo Gerhartz, als möglicher Nachfolger genannt. Er ist aber seit Juni 2025 Befehlshaber des operativen Nato-Hauptquartiers im niederländischen Brunssum, verantwortlich für die Nato-Ostflanke. Gegenüber den Verbündeten steht Deutschland mit dem General und der Besetzung des Postens in der Verantwortung.
Als ein möglicher Kandidat für den Posten des Generalinspekteurs im kommenden Jahr gilt Generalleutnant Christian Freuding, der Inspekteur des Heeres. Er treibt die Modernisierung der deutschen Landstreitkräfte voran und war zuvor Chefkoordinator der militärischen Ukraine-Hilfe Deutschlands.