So hilft Copilot Windows-Anwendern
Copilot kann mehr als nur Texterstellung und hilft bei kreativen Arbeiten ebenso wie bei Recherchen. Doch auch diese KI hat Grenzen und kann Menschen nicht ersetzen.
Einfache Startmöglichkeiten für Copilot
Früher war Windows ein reines Betriebssystem. Doch davon sind die modernen Windows-Varianten weit entfernt, werden sie doch mehr und mehr zu einer KI-basierten Plattform. Microsoft setzt dabei auf Copilot als Alltagshelfer, wobei diese KI nicht als eigenständige Anwendung zu sehen ist, sondern eher als dauerhafte Funktion des Systems. Private Anwender interessiert das weniger, für sie ist vielmehr von Interesse, was Copilot kann und wie die KI den Alltag am PC erleichtert. Doch genau hier gibt es Diskrepanzen, denn die technischen Möglichkeiten werden nicht selten überfrachtet, was wiederum dafür sorgt, dass die wirklich hilfreichen Funktionen auf der Strecke bleiben.
Copilot wird direkt aus Windows heraus angewendet, wobei sich der Assistent über die Windowstaste in Kombination mit dem großen C starten lässt. Natürlich kann auch das Copilot-Symbol genutzt werden, welches sich in der Taskleiste befindet. Über die Personalisierungsmöglichkeiten kann Copilot aktiviert oder deaktiviert werden. Tipp: Neuere Laptops oder KI-PCs besitzen eine direkte Copilot-Taste auf der Tastatur. Ein klassischer Windows-11-PC hingegen hat diese Taste nicht. Das ist auch nicht weiter problematisch, denn einen echten Mehrwert gibt es durch den Schnellzugriff per physischer Taste nicht. Copilot lässt sich lediglich schneller öffnen.
Primär sprachliche Nutzung von Copilot
Copilot ist darauf ausgelegt, vor allem bei sprachlichen Aufgaben zu helfen, das heißt bei Tätigkeiten, die sich per Sprache beschreiben lassen. Der KI-Assistent fasst Inhalte zusammen, formuliert Texte und erkennt das Wesentliche in langen Webseiten. Außerdem kann Copilot schnell Erklärungen zu diversen Anwendungen finden und beschreibt beispielsweise, wie Programme oder Einstellungen bedient werden. Anwender können den Assistenten für die Vorarbeit nutzen, indem sie beispielsweise Texte grob vorformulieren lassen. Eigene Recherchen, Bewertungen und Anpassungen des gesamten Kontexts sind aber immer noch nötig.
Datenanalysen und neue Funktionen
Copilot ist an verschiedenen Stellen im Datei-Explorer zu finden. Dabei gibt es eine neue Option, mit deren Hilfe Office-Dateien direkt an Copilot übergeben werden können. Damit wiederum ist es möglich, rasche Analysen von Inhalten oder Daten zu erhalten. Dafür muss jedoch ein entsprechendes Abo abgeschlossen werden – ohne dieses funktioniert die Datenanalyse nicht. Über die rechte Maustaste öffnet sich zudem ein Auswahlmenü, das ähnlich aussieht wie die Copilot-Oberfläche im Abo. Doch diese zweifache Integration sorgt nicht für ein besseres Verständnis bei Nutzern, sondern eher für Verwirrung. Private Anwender wissen häufig gar nicht, welcher Copilot aktuell aktiv ist. Die Bedienung bleibt damit wenig übersichtlich, was zur Folge hat, dass sich oft unterschiedliche Ergebnisse zeigen. Scheinbar weiß nicht einmal Microsoft, an welcher Stelle die KI am besten in das Betriebssystem eingebunden werden sollte. Experten gehen daher von einer weiteren Entwicklung aus, bei der neue Funktionen hinzukommen werden und andere dafür wegfallen.
Copilot als Schreibassistent nutzen
Immer mehr Anwender setzen auf KI-Hilfe beim Schreiben von Texten wie Kommentaren oder Antworten. Auch das Ausfüllen von Formularen geht mithilfe einer KI schneller. Inzwischen warten viele Texteingabefelder mit der Möglichkeit auf, einfach und schnell die gewünschten Bereiche ausfüllen zu lassen. Dafür müssen aber ein PC mit integrierter NPU sowie natürlicher Copilot als KI vorhanden sein. Viele private Rechner besitzen genau diese Kombination nicht. Außerdem werden meist neutrale Vorschläge angeboten, sodass die Antworten wenig individuell ausfallen und oft schon auf den ersten Blick als Standard-Antworten einer KI auffallen. Für persönliche Gespräche ist dieser Assistent nicht geeignet. Eine manuelle Nachbearbeitung ist meist nötig, was mitunter mehr Zeit beanspruchen kann als das eigentliche Ausfüllen der Textfelder oder das Verfassen einer individuellen Antwort. Insgesamt erscheinen die KI-Texte austauschbar. Zudem ist häufig ein Abo von Microsoft 365 nötig, das System gibt einen entsprechenden Hinweis.
KI-Unterstützung bei der Spracheingabe
Spracheingaben werden ebenfalls seitens Copilot unterstützt, auch eine Aktivierung ist per Sprachbefehl möglich. Das funktioniert so lange gut, wie die Umgebung ruhig ist. Bei lauten Geräuschen oder in Haushalten mit mehreren Personen, die im Hintergrund miteinander reden, ist die Spracheingabe wenig vorteilhaft. Sie ist meist fehlerbehaftet und die Eingaben müssen aufwendig korrigiert werden. Viele Nutzer setzen daher weiterhin auf die Texteingabe. Microsoft bietet daher die parallele Textintegration, wobei ein sprechender PC nicht jedermanns Sache ist und sich auch nicht immer im Alltag nutzen lässt.
Ausgewählte Aufgaben lokal verarbeiten
Die bereits erwähnten PCs mit NPU (Neural Processing Unit) sind typisch für KI-Rechner. Sie sind in der Lage, bestimmte KI-Aufgaben besonders gut zu verarbeiten. Zu nennen sind hier unter anderem Live-Untertitel, Klassifikationen und Studioeffekte, wie sie für die Arbeit mit der Kamera wichtig sind. Diese Funktionen benötigen kaum Energie und müssen keine Verbindung mit der Cloud herstellen. Viele Funktionen von Copilot nutzen aber Onlinedienste. Für Anwender im privaten Bereich gilt, dass sich die Nutzung der Dienste im Alltag kaum feststellen lässt, die Ankündigungen in den Medien lassen jedoch anderes vermuten. Erreicht werden soll mit der Nutzung der NPU eine bessere Akkulaufzeit, gleichzeitig sollen sich lokale Effekte besser verwenden lassen. Die Qualität des KI-Assistenten wird damit nicht zwangsweise besser.
Inhalte per Recall wiederfinden
Momentaufnahmen am Bildschirm werden über Recall gespeichert. Das erleichtert später das Wiederfinden bestimmter Inhalte per Sprache. Doch Recall ist in der EU zustimmungspflichtig und kann nur nach aktiver Zustimmung verwendet werden. Außerdem ist es für die Nutzung unverzichtbar, das Gerät zu verschlüsseln und sich bei Windows Hello anzumelden. Die Praxis zeigt, dass sich diese Funktion noch als wenig zuverlässig erweist, denn die Trefferqualität lässt zu wünschen übrig. Viele Anwender deaktivieren Recall daher – zum einen aus Gründen des Datenschutzes, zum anderen wegen der Fehler und des damit verbundenen geringen positiven Effekts. Mit Recall zeigt Microsoft mal wieder, dass eine technische Machbarkeit nur eine Seite der Medaille ist. Die andere wird durch den Mehrwert im Alltag dargestellt und genau der ist bei Recall nicht gegeben.
Noch mehr KI-Agenten bei der Arbeit
Um die Arbeit an verschiedenen Projekten möglichst effektiv gestalten zu können, bietet Windows 11 mehrere KI-Agenten. Sie sind im Hintergrund eigenständig tätig und zeigen ihre Fortschritte in der Taskleiste an. Unter anderem kann ein Recherche-Agent zahlreiche Daten auswerten und umfassende Auswertungen darstellen. Ein privater Anwender kann aus dieser Funktion einen großen Nutzen ziehen, doch der Komfort bleibt derzeit größtenteils theoretisch. Denn: Immer mehr Nutzer misstrauen der datenschutzrechtlichen Lage und wünschen gar keine autonomen Aktionen im Dateisystem. Microsoft hat darauf reagiert und bietet nun isolierte Arbeitsbereiche, fordert ausdrückliche Freigaben und klare Mechanismen für die Übergänge.
Agent Launchers sind weitere KI-Assistenten, die sich über Ask Copilot, die Suchfunktion oder über die Taskleiste starten lassen. Die On-Device-Registry verwaltet Zugriffsrechte und Fähigkeiten, die Zusammenarbeit zwischen den Tools und Agenten wird über Model Context Protocol gesteuert. Das Ganze sorgt für einen höheren Automatisierungsgrad, gleichzeitig wird jedoch alles komplexer. Der Lernaufwand für den Nutzer ist größer, daher sind viele Anwender noch skeptisch.
Ask Copilot soll die neue Suche von Microsoft sein, mit der die klassische Suchfunktion ersetzt werden soll. Damit können angeblich Einstellungen, Apps und Dateien per Sprachbefehl gesucht werden. Bei allgemeinen Anfragen ist dies auch zuverlässig möglich, bei sehr präzisen Pfaden oder Namen ist die klassische Suche meist noch schneller. Dass Ask Copilot die konventionelle Suche gänzlich ablöst, scheint derzeit noch in weiter Ferne zu liegen, denn die meisten Nutzer wechseln situativ zwischen beiden Suchmöglichkeiten.
So steht es um die Barrierefreiheit
Viele Nutzer stehen KI-Assistenten skeptisch gegenüber, doch in einem Bereich ist deren Nutzen unbestreitbar: Bei der Barrierefreiheit. Copilot bietet einen Screenreader, dessen Ausgaben per Sprachbefehl angepasst werden können. Die Einrichtung des Readers wird durch Voice-Access besonders einfach. Hier zeigt sich der wahre Sinn einer KI, die an dieser Stelle ein echtes Problem lösen kann. Alle Funktionen dafür sind jedoch noch nicht nutzbar und werden erst schrittweise ausgerollt. Bislang sind sie noch PCs mit NPU vorbehalten.
Nutzung und Akzeptanz von Copilot beleuchtet
Microsoft hat Copilot massiv in das System integriert, dennoch nutzen es Anwender nur selten. Die Umsatzziele, die sich der Hersteller für die KI gesetzt hat, wurden bereits nach unten korrigiert. Viele Nutzer sind der Meinung, dass ihnen eine KI aufgedrängt werde, sie sei maximal präsent und gleichzeitig nicht gut integriert. Vor allem bei kreativen Aufgaben zeigt sich, dass diese nur schwer reproduzierbar sind. Die KI wird daher häufiger über den Browser genutzt und weniger über die Integration. Zudem erfüllt ein großer Teil der PCs die Anforderungen seitens Copilot gar nicht. Entsprechend einsetzbare Notebooks kosten aber mehr und werden daher schlechter verkauft. Viele Anwender sind daher beim Wechsel zurückhaltend, denn die tatsächliche praktische Nutzung von Copilot ist einfach zu beschränkt.
Tipps für die private Anwendung von Copilot
Um Copilot im privaten Bereich sinnvoll nutzen zu können, solltest Du Dich an diese Punkte halten:
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Nutze Copilot gezielt für sprachliche Aufgaben, damit sparst Du spürbar Zeit.
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Überprüfe die Ergebnisse der KI immer selbst.
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Deaktiviere Funktionen ohne Mehrwert.
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Wechsle nicht auf einen KI-Rechner, wenn Du nicht ohnehin ein solches Gerät kaufen wolltest. Allein für Copilot lohnt es sich nicht.
Wichtig: Copilot ist eine sinnvolle Erweiterung, ersetzt aber nicht das selbstständige Denken. Der Nutzen liegt eher durch ein bewusstes Anwenden vor. Copilot ist eine Option, keine Pflicht und so sollten die Möglichkeiten, die die KI bietet, nur gezielt angewendet werden.