Android 16 und 17: So installierst Du es auf älteren Geräten
Android 16 und 17: So installierst Du es auf älteren Geräten
Hersteller stellen irgendwann den Support für ältere Smartphones ein. Mit unseren Tricks kannst Du trotzdem aktuelle Android-Versionen auf alten Geräten installieren.
Software: Das eigentliche Problem
Die Hardware in Deinem Smartphone ist nicht der eigentliche Grund, warum moderne Android-Versionen irgendwann nicht mehr dafür ausgeliefert werden. Vielmehr kostet es die Hersteller erheblichen Summen, den Support lange aufrecht zu erhalten. Also wird der Support mit neuer Software nach einigen Jahren eingestellt: Dein eigentlich noch ausreichend schnelles Smartphone bekommt keine Updates mehr.
Allerdings ist das für Dich keine echte Option: Dein Smartphone sollte schließlich weiterhin Updates bekommen, vor allem ohne Sicherheitspatches wird es langfristig schwierig. Auch bestimmte Apps werden irgendwann melden, dass sie gerne Android in Version X haben möchten – und Dein Smartphone unterstützt vielleicht jene Version gar nicht offiziell, weshalb sie auch nicht installiert werden kann. Wie Du es auch drehst und wendest, am Ende wird der mangelnde Softwaresupport dazu führen, dass Du Dich nach einem neuen Gerät umschauen musst.
Willst Du das gar nicht, weil Du eigentlich mit Deinem Smartphone zufrieden bist, bieten alternative Betriebssysteme einen Ausweg an, sofern Du bereit bist, ein wenig Bastelarbeit zu investieren. Dazu gibt es momentan zwei Möglichkeiten:
- LineageOS basiert auf Android 16 und wird für über 100 Smartphones diverser Hersteller angeboten. Die bekannten und verbreiteten Modelle werden natürlich eher unterstützt als Nischen-Smartphones. LineageOS basiert auf Android, wodurch Du also praktisch ein leicht verändertes Android auf längst nicht mehr unterstützte Geräte bringen kannst. Die nächste Version wird auf Android 17 basieren, eine Veröffentlichung ist allerdings noch nicht erfolgt.
- GrapheneOS ist eine weitere Variante des Betriebssystems, auch hier dient Android als Basis – allerdings bereits in der moderneren Variante Android 17. Der Nachteil daran ist, dass GrapheneOS nur auf den Pixel-Smartphones von Google selbst installiert werden kann. Andere Hersteller bleiben komplett außen vor. Das macht es für die Entwickler von GrapheneOS einfacher und sie können schneller auf brandneue Android-Versionen umsteigen – aber die Modellvielfalt leidet.
Für welche Version Du Dich entscheiden solltest, hängt somit stark von deinem Smartphone ab. Ist es kein Pixel-Gerät, ist die Entscheidung praktisch schon gefallen, dann gilt nämlich nur LineageOS als Kandidat. Aufgrund der deutlich größeren Modellvielfalt werden wir uns dieses Betriebssystem zuerst anschauen.

Installation: Deutlich leichter als früher
Custom-ROMs waren einmal recht komplex in ihrer Installation. Durchschnittlichen Nutzerinnen und Nutzern hätte man dies vor einigen Jahren eher nicht zumuten wollen. Heute ist es aber anders, denn LineageOS lässt sich über einen Web-Installer deutlich einfacher installieren – wenngleich ein wenig technisches Sachverständnis weiterhin nicht schaden kann.
Die Lineage Flash Tools rufst Du einfach in Deinem Browser auf einem PC oder Notebook auf. Dann verbindest Du Dein Smartphone via USB-Kabel mit dem PC oder Notebook. Der Browser muss dafür WebUSB unterstützen, was etwa bei Chrome und allen Derivaten wie Edge der Fall ist. Von dort aus kannst Du die benötigten Installationsdateien dann einfach im Browser auf Dein Handy übertragen. Das geht alles recht übersichtlich und einfach, Du brauchst keine Tools von Drittanbietern oder ähnliche Softwarebastelei.
Damit das alles funktioniert, unterstützt das Tool zahlreiche verschiedene Übertragungsarten, um die Dateien von A nach B zu bekommen. Ein wenig Handarbeit musst Du allerdings anlegen, wenn es etwa um das Entsperren des Bootloaders geht – denn das kann das Tool nicht einfach so automatisieren. Aus diesem Grund bietet LineageOS ein eigenes kleines Wiki an. Dort erfährst Du, wie Du den Bootloader für alle unterstützten Smartphones entriegelst, welche Dateien Du brauchst und so weiter.
Dann gehst Du einfach Schritt für Schritt vor und wirst normalerweise auch ans Ziel gelangen und ab sofort LineageOS anstelle des reinen Androids auf Deinem Smartphone vorfinden. Machst Du etwas grob falsch, kann es jedoch passieren, dass Dein Smartphone nicht mehr startet. Im Zweifelsfall holst Du Dir also jemanden ins Boot, der ein wenig Erfahrung mit Computertechnik und Software hat.

Wie sollte ich mich vorbereiten?
Aufgrund der im vorherigen Absatz besprochenen Gefahren solltest Du einige Schritte einleiten, bevor Du Dich an die Arbeit machst:
- Daten sichern: Noch vor allen anderen Schritten solltest Du unbedingt(!) alle wichtigen Daten sichern. Dazu gehören Kontakte, Videos, Bilder, Dokumente und alle anderen Daten, die Du auf Deinem Smartphone als wichtig erachtest. Durch die erwähnte Entsperrung des Bootloaders werden nämlich meistens alle Daten im internen Speicher komplett gelöscht. Du würdest also alles verlieren, was auf Deinem Smartphone gespeichert und nicht in der Cloud gesichert ist.
- Garantie: Den Bootloader zu entsperren und eigene Betriebssysteme zu installieren, kann sich negativ auf Garantie und Support auswirken. Verlangst Du etwa von Samsung Softwaresupport, aber Du hast die komplette Samsungsoftware entfernt und durch LineageOS ersetzt, wird man Dir schwer weiterhelfen können. Überlege also noch einmal in Ruhe, ob Du diesen Schritt wirklich gehen willst oder ob Garantie und Support nicht doch wichtiger sind.
- Authenticator-Apps: 2FA wird heute meistens über Apps wie den Google Authenticator durchgeführt. Diese werden nicht einfach so auf Dein „neues“ Smartphone übertragen. Du solltest Dir also etwaige Wiederherstellungscodes sichern, damit Du den Zugang zu Deinem Authenticator und damit vielen weiteren Apps nicht verlierst.
- Entsperrung des Bootloaders: Erst jetzt, wenn Du Dich um alles gekümmert hast, kannst Du den Bootloader entsperren. Diese Grenze existiert aus Sicherheitsgründen auf allen modernen Smartphones. Wie das bei Deinem Gerät genau funktioniert, erfährst Du durch eine Internetsuche, denn die genauen Schritte unterscheiden sich bei jedem Modell.
Außerdem gilt: Ruhe bewahren und keine Fehler machen. Bist Du Dir unsicher, solltest Du die Sache lieber nicht angehen oder Dir zuerst Hilfe suchen.
Welche Smartphones werden unterstützt?
Ob Du LineageOS überhaupt auf Deinem Telefon installieren kannst, hängt von dem Modell ab. Wie bereits erwähnt, werden zwar Hunderte Modelle unterstützt – aber auf dem Markt gibt es eben Tausende. Die offizielle Liste aus Geräten, die LineageOS unterstützt, findest Du im bereits erwähnten Wiki des Herstellers. Außerdem gibt es dort auch Anleitungen für die Installation, die passenden Downloads, eventuelle Hinweise und vieles mehr.
Wichtig dabei ist, dass ein Modell wirklich genau jenes Modell ist. Wird vielleicht „Samsung Galaxy S20“ aufgeführt, bezieht sich das genau auf dieses S20 – und nicht die gesamte S20-Serie, die sehr vielfältig und umfangreich ist. Du solltest also ganz genau und am besten zwei Mal hinschauen, bevor Du Software installierst, die Dein Smartphone überhaupt nicht verstehen kann.

Warum ist der Wechsel sinnvoll?
Hast Du sichergestellt, dass Dein Gerät unterstützt wird, kannst Du Dich an die Installation wagen. Die Vorteile sind vielfältig:
- Aktuelle Android-Versionen sind deutlich(!) sicherer als Deine veraltete Version auf einem ebenso alten Smartphone. Auch hinsichtlich kleinerer Baustellen wie Energieeffizienz oder Bedienung wirst Du Vorteile bemerken.
- Da LineageOS auch viel Ballast des gewöhnlichen Androids über Bord wirft, wirst Du von einem schlankeren, optimierten System profitieren. Dies kann sich positiv auf Bereiche wie Akkulaufzeit oder Performance auswirken. Das gilt vor allem dann, wenn Du Dein Telefon über Jahre immer weiter mit unnötiger Software aufgebläht hast.
- Der Installationsprozess von Updates scheitert gerade bei älteren Smartphones oft daran, dass schlicht nicht genügend Speicherplatz vorhanden ist. Bei LineageOS ist das nicht der Fall, denn statt eines gigantischen Downloads werden Updatedateien einfach gestreamt. Das ist effizienter und beschleunigt diesen Prozess wesentlich.
- LineageOS zeigt Dir sehr genau an, welche Sicherheitsupdates und andere Features in neue Versionen integriert werden. Auch ohne offizielles Android von Google wirst Du also genau wissen, was auf Deinem Gerät installiert und welche Auswirkungen dies haben wird.
Freiheit oder Google?
Sobald LineageOS auf Deinem Smartphone installiert ist, wirst Du ein „sauberes“ Gerät ohne jegliche Google-Integrationen haben. Du kannst beliebte Apps wie den Play Store oder Gmail nachinstallieren – aber Du musst es nicht. Damit gibt Dir LineageOS gerade aus Sicht des Datenschutzes kein schlechtes Paket in die Hand.
Andererseits haben sich viele Nutzerinnen und Nutzer auch an Google gewöhnt und möchten auf Maps & Co. nicht verzichten. Dann kannst Du alles Schritt für Schritt nachinstallieren. Am Ende läuft es darauf hinaus, dass Du sehr frei darin bist, wie Du das Smartphone benutzen möchtest.
Es klappt nicht – was nun?
Es könnten Fehler bei der Installation auftreten, was bei Communityprojekten wie diesen immer wieder passieren kann. Typische Probleme sind etwa:
- USB-Fehler: Dein Smartphone via Web-Installer zu flashen, benötigt eine stabile, hohe Durchsatzrate am USB-Port. Du solltest auf Hubs, Verlängerungskabel, Adapter & Co. verzichten, sondern Dein Smartphone mit einem möglichst kurzen Kabel direkt mit Deinem PC oder Notebook verbinden. Sonst kann es zu Fehlern wie abgebrochener Installation oder einer verlorenen Verbindung zum Gerät kommen.
- ADB: Die Android Debug Bridge ist immer mit dabei, wenn Du beispielsweise die Entwicklertools für Android auf deinem PC installiert hast. Da diese Bridge auch für die Installation von LineageOS genutzt wird, kann sie Fehler verursachen, falls Du sie bereits in Verwendung hast. In diesem Fall kannst Du „adb kill-server“ in die PowerShell in Windows eingeben. Dies sollte laufende ADB-Instanzen beenden.
- Community-Hilfe: Es funktioniert trotzdem nicht? Du kannst es bei Reddit (r/LineageOS) oder via Discord (https://discord.com/invite/gD6DMtf) probieren. Dort findest Du Support des Entwicklers ebenso wie von anderen Community-Mitgliedern.
Ein wenig Geduld ist bei dieser Art von Softwareinstallation aber immer gefragt – und „mal schnell durchklicken“ solltest Du Dich nie.

GrapheneOS: Die noch bessere Lösung?
Neben LineageOS ist, wie eingangs erwähnt, GrapheneOS ebenfalls eine sehr beliebte Variante, Abstand vom gewöhnlichen Android zu nehmen und stattdessen eine andere Lösung zu verwenden.
Grundsätzlich verfolgt der Entwickler jedoch ein anderes Ziel: Nicht möglichst viele Geräte sollen unterstützt werden, sondern nur eine kleine Gruppe aus Smartphones, die dafür dann aber umso besser unterstützt wird – in der Theorie. Daher gibt es GrapheneOS nur für Pixel-Smartphones von Google selbst.
Vor allem aus Sicht des Datenschutzes kann GrapheneOS noch ein wenig mehr als LineageOS. Google-Dienste sind ebenfalls standardmäßig nicht integriert und können auf Wunsch nur ein einer isolierten Sandbox gestartet werden. Play Store und ähnliche Apps kommen also nie wirklich in „Kontakt“ mit Deinem eigentlichen Betriebssystem und entsprechende Daten können prinzipiell nicht gesammelt werden.
Weiterhin ist GrapheneOS bereits einen Schritt weiter und verwendet Android 17 anstelle von 16. Die Softwarebasis ist daher noch einmal etwas aktueller. Wenn Du bereits ein Pixel-Smartphone verwendest, kann es also nicht schaden, GrapheneOS anstelle von LineageOS auszuprobieren. Wir würden allerdings davon abraten, nur deswegen ein praktisch neues Pixel-Smartphone zu kaufen und sofort ein anderes Betriebssystem zu installieren. So gewaltig groß sind die Unterschiede zwischen Android 16 – also LineageOS – und 17 dann nämlich doch nicht.
Fazit: Ein wenig mehr Sicherheit für die Smartphones in der Schublade
Veraltete Smartphones solltest Du nicht mehr mit dem Internet verbinden, die Risiken sind einfach zu groß. Da die Hersteller selbst den Support nach einigen Jahren meist einstellen, bleiben Dir also nur Umwege über LineageOS oder GrapheneOS. Mit beiden Betriebssystemen kannst Du Deinen alten Geräten noch einmal neues Leben einhauchen und sie vielleicht – im besten Fall – noch einmal einige Jahre verwenden.
Eine Menge Komplexität bei der Installation ist heute auch nicht mehr vorhanden – wenngleich ein Restrisiko bleibt. Im Zweifelsfall raten wir daher dazu, einigermaßen fachkundige Freunde oder Freundinnen zu fragen, Dir dabei ein wenig unter die Arme zu greifen. Einen ersten Test würden wir immer auf älteren, praktisch ausgemusterten Geräten empfehlen. Wenn dann etwas schiefgeht, verlierst Du praktisch nichts.