So viel Komfort bietet der Exot aus Großbritannien
Hingucker: das dreiteilige Bugfenster. Den Testwagen stellte Händler Münk aus Sachsenheim bei Stuttgart.
Im Test überzeugen Raumgefühl, Küche und Bett, während der Möbelbau optisch teils wenig anspricht und die Stützlast hoch ausfällt.
Was für ein Ausblick im Wohnwagen: Das dreiteilige Bugfenster des Sprite Cruzer 540 SR reicht über die gesamte Breite. Darüber wölbt sich ein nicht minder breites Panoramafenster in der Dachrundung. Seitenfenster und eine große Dachhaube komplettieren die Sitzgruppe.
Die Aussicht durch die zahlreichen Fenster und der damit einhergehende luftige Raumeindruck ist indes nur eine Besonderheit des Exoten aus Großbritannien. Die zweite ist das wagenbreite Bad mit ausgelagertem, zentralem Waschtisch vor dem Queensbett. Noch dazu setzen die Briten auf eine umfangreiche Serienausstattung mit viel Technik, die über den üblichen Caravan-Standard hinausgeht. Combi-Heizung, Audio-Anlage, Gasbackofen und Mikrowelle sind beispielsweise an Bord. In Anbetracht dessen wirkt der aufgerufene Preis von rund 41.000 Euro fair. Ob er diese Summe auch mit Qualität und Komfort rechtfertigen kann, muss der Sprite Cruzer 540 SR im Test beweisen.
Sprite Cruzer 540 SR auf einen Blick
- Schlafplätze: 2+2.
- Zul. Gesamtgewicht: 1.700–1.800 kg.
- Länge/Breite/Höhe: 7,63/2,28/2,61 m.
- Grundpreis ab 40.995 Euro.
Aufbau und Isolierung
Nichts zu meckern gibt es bei der Konstruktion des Aufbaus. Sprite verwendet für Dach, Wände und Boden GfK-Sandwich mit feuchtigkeitsresistenter XPS-Isolierung und nutzt zur Verstärkung Leisten aus PU-Schaum statt Holz. Sperrholz kommt lediglich für die Oberseite des mit 46 Millimetern ziemlich dicken Fußbodens zum Einsatz. Das Warmluftrohr am Unterboden kostet allerdings Punkte bei der Wintertauglichkeit.
Eindruck macht auch das Heck. Die gesamte Rückwand ist ein GfK-Formteil, auf einen aufgesetzten Leuchtenträger wird verzichtet. Separate Kunststoffteile an den Ecken sollen vor Beschädigungen schützen, allerdings sind diese Teile nicht arg groß. Wird das Heck beim Rangieren doch mal beschädigt, muss die gesamte Rückwand getauscht werden.
Hoher Einstieg und umbaubare Sitzgruppe
Die Aufbautür trägt der Cruzer wie hierzulande üblich auf der rechten Seite. Britische Caravans haben sie links, doch entstammt der Cruzer der eigens für den kontinentaleuropäischen Markt produzierten Modellserie von Sprite. Die Tür an sich ist ziemlich schmal (49 Zentimeter), mit Fenster, Mülleimer und Fliegengitter aber gut ausgestattet. Die üppige Einstiegshöhe von 60 Zentimetern erfordert eine Trittstufe.
Innen empfängt der Cruzer mit einem Interieur in diversen Grautönen, Farbakzente sucht man vergebens. Doch das Raumgefühl im Wohnbereich stimmt. Die Längssofas im Bug gefallen mit dicken und bequemen Polstern, nur die Rückenlehnen fallen mit 33 Zentimetern recht niedrig aus. Gut: Die Polster liegen auf Lattenrosten. Mittig lässt sich ein Rollrost ausziehen, so wird aus der Sitzgruppe bei Bedarf ein bequemes Gästebett. Fest montiert ist zwischen den Sofas lediglich ein kleiner Teetisch. Dank cleverem Auszug erreicht die Platte immerhin bis zu 65 mal 72 Zentimeter. Genug fürs Frühstück zu zweit oder um ein Getränk abzustellen und auf den Sofas zu chillen. Der Bereich zwischen den Bänken bleibt schön frei. Wer mehr Tischfläche braucht, holt den Zusatztisch aus seiner Halterung im Kleiderschrank neben dem Bett. Eine gute Lösung, zumal sich dieser Tisch auch draußen sicher stehend verwenden lässt.
Fenster, Küche und Raumbad
Alle Fenster punkten übrigens mit Verriegelung gegen unbeabsichtigtes Öffnen und haben hochwertige Duo-Plissees, bei denen man die Verdunkelung von unten nach oben zieht. Nur das Panorama-Fenster in der Dachrundung ist nicht zu öffnen.
Die Küche im Sprite erhält sehr gute Noten. Das liegt an ausreichend und gut unterteiltem Stauraum, viel Arbeitsfläche dank Klappbrett über dem Sofa und an der Ausstattung. So wartet der Herd mit drei Gasbrennern und einer Elektroplatte auf, dazu gibt es wie erwähnt einen Backofen und eine Mikrowelle. Der gegenüber platzierte Kühlschrank fasst üppige 133 Liter.
Auch das Raumbad zwischen Wohnbereich und Schlafzimmer begeistert. Der Waschtisch steht mittig, mit großem Spiegel und bestens zugänglich. Auch auf der Toilette und in der separaten Duschkabine herrscht kein Platzmangel. Nach vorn trennt eine solide Tür das Bad zum Wohnbereich ab, nach hinten gibt es rechts und links vom Waschtisch je eine leicht laufende Holzschiebetür. Die Durchgänge zwischen WC und Waschtisch sowie zwischen Waschtisch und Dusche sind aber schmal – kann eng werden für kräftiger gebaute Camper.
Möbelbau und Queensbett
Exzellenten Schlafkomfort bietet das Queensbett mit der Matratze aus Memory-Schaum. Die Abmessungen gehen mit 196 mal 145 Zentimetern in Ordnung, die Erreichbarkeit von rechts wie links sowie die Kopffreiheit sind gut. In den dimmbaren Lesespots befinden sich USB-Steckdosen, Ablagen gibt es auf den Schränkchen seitlich vor den Kleiderschränken.
Enttäuscht wird allerdings, wer Verarbeitung und Möbelbau auf hohem Niveau erwartet. Zwar verwenden die Briten solide Scharniere und spendieren allen Schränken Verschlüsse. Doch viele sichtbare Möbelverbinder, teils große und ungleiche Spaltmaße sowie wenig wertige, großflächige Kunststoff-Formteile, etwa um die vordere Dachhaube, trüben den Einruck – zumindest optisch.
Stützlast und Fahrradträger
Kritisch ist die hohe Stützlast des Testwagens von gemessenen 83 Kilogramm bei leerem Deichselkasten. Hier gilt es, gut mit dem großen Heckstauraum unterm Bett zu trimmen. Wohl auch aus diesem Grund (und wegen der eher kurzen Deichsel) sieht Sprite einen Fahrradträger an der Rückwand vor. Für die Stabilität des Gespanns ist das Gewicht weit hinter der Achse aber nicht optimal.
Das fiel uns auf
(+) Für Licht und Luft: das elegant in die Bugwand integrierte, dreiteilige Fenster. Alle Teile lassen sich öffnen.
(+) Die Aufnahmen der vorderen Kurbelstützen sind seitlich platziert und dort bestens erreichbar.
(+) Vorbildlich: Die Kunststoffwanne im Toilettenschacht verfügt über eine Dichtnaht zur Seitenwand.
(+) (-) Alle Schrankklappen haben Verschlüsse – doch ohne Softclose fallen sie mit lautem Rums ins Schloss.
(+) (-) Großer Stauraum unterm Queensbett. Der Unterbau besteht aus einem arg dünnen Kunststoffformteil.
(-) Knapp: nur 25 Zentimeter breiter Durchgang zwischen Waschtisch und WC zum Schlafzimmer.
(-) Die Holzblende des ausgezogenen Teetisches reicht so tief, dass man häufig mit dem Knie daran hängen bleibt.
(-) Hohe Schwelle und kleine Öffnung: So wird der Flaschentausch im Deichselkasten zum Kraftakt.
Technische Details
Aufbau: Sandwichbauweise mit XPS/PU-Isolierung. Dach GfK-Sandwich (32 mm), Wände GfK-Sandwich (25 mm), Boden GfK-Sandwich (46 mm). Rückwand aus GfK. Deichselkasten mit Klappendeckel und Gasdruckdämpfern. Einteilige Aufbautür mit Fenster und Mülleimer.
Ausbau: Sperrholzmöbel mit Metallscharnieren mit integrierten Aufstellern, Verschlüsse an allen Schränken und Schubladen, Softclose nur bei Schubladen.
Bordtechnik: Heizung Truma Combi 4, Frischwassertank 38 L, rollbarer Abwassertank, Absorberkühlschrank 133 L, Ladegerät 25 A, Bordbatterie 72 Ah, Gasflasche 2 x 11 kg.
Chassis: Alko-Chassis mit Schräglenkerachse, selbstnachstellende Bremsen, Schlingerdämpfer Alko AKS 3004, Schwerlastkurbelstützen.
Maße und Gewichte: Länge x Breite x Höhe 763 x 228 x 261 cm, Stehhöhe 195 cm, zul. Gesamtmasse 1.700 kg (Auflast. 1.800 kg), Leergewicht Testwagen 1.431 kg, Stützlast leer 83 kg.
Preise und Ausstattungen
Grundpreis: 40.995 Euro inkl. Transport zum Händler, zzgl. Zulassungsdokumente.
Serienausstattung (Auszug): Ersatzrad mit Halter unterflur, Alufelgen, Deichselabdeckung, Panorama-Dachfenster, Vorbereitung für Fahrradträger, Wasseranschluss Truma Ultraflow, Matratze aus Memory-Schaum, CD-Radio und Lautsprecher, Fenster mit Plissee-Verdunkelung und Fliegengitter, 2 große und 2 kleine Dachhauben, Eingangstür mit Fliegengitter, Gasbackofen, Mikrowelle, Kocher mit 3 Gasbrennern und 1 Elektroplatte, teils dimmbare LED-Beleuchtung.
Extras ab Werk: Auflastung (225 Euro), Stabilisierungssystem Alko ATC (785 Euro).
Wertung
- Wohnen: 3,7 von 5 Punkten.
- Beladen: 3,5 von 5 Punkten.
- Technik: 3,3 von 5 Punkten.
- Fahren: 3,3 von 5 Punkten.
- Preis & Service: 3,1 von 5 Punkten.
