So fährt der neue Siebensitzer-E-SUV
Ist das etwa der Gipfel? Ja, zumindest bei Skoda. Die Tschechen nehmen die 400-Volt-Technik des MEB-Baukastens in die Hand und bauen auf dieser Basis ihr neues Flaggschiff namens Peaq – der erste Elektro-SUV im VW-Konzern mit bis zu sieben Sitzen.
Doch Moment mal, für Europa mag das stimmen, doch in China gibt es mit dem VW ID.6 bereits seit 2021 einen MEB-SUV mit fast identischen Ausmaßen, der über zwei zusätzliche Plätze in Reihe drei verfügt. Letzterer geriet in die Schlagzeilen, als ein Berliner Autohändler einige Exemplare zum Missfallen von Volkswagen importierte. Die Anwälte der Wolfsburger erwirkten eine einstweilige Verfügung. In der Folge wurden alle ID.6 beschlagnahmt. Anders als seinerzeit VW, die das Fehlen dieses Modells im europäischen Line-up mit mangelnder Nachfrage erklärten, setzt Skoda jetzt – mit einiger Verspätung – auf diese Art Familien-SUV, auch weil sich die Siebensitzer-Konfiguration des Verbrenner-Pendants Kodiaq gut verkauft.
Das sind die Antriebe des neuen Skoda Peaq
Bevor der neue Peaq vollständig enthüllt wird, durften wir das knapp 4,90 Meter lange Topmodell im folierten Tarn-Look fahren – und haben auch schon die ersten technischen Daten des Skoda parat. Zum Bestellstart im Sommer, erste Auslieferungen sind für den Herbst geplant, wird es drei Varianten geben. Der Peaq 60 kommt mit einer 150 kW starken E-Maschine an der Hinterachse und einem 63 kWh (brutto) großen Akku. Der von uns gefahrene Peaq 90 kombiniert eine 91 kWh (brutto) fassende Batterie mit dem bekannten APP550-Heckmotor und 210 kW Leistung. Im Allradableger 90x wird dieses Set-up durch einen E-Motor vorn ergänzt, der im Wesentlichen als Traktionshilfe dient. Die Systemleistung liegt hier mit 220 kW nur minimal höher. In 6,7 Sekunden soll der Allrad-Peaq von null auf 100 km/h sprinten. In Sachen Leistung und Beschleunigung ist da sicher noch Platz für ein nicht unwahrscheinliches RS-Modell.
Beide Stromspeicher des Peaq verwenden eine NMC-Chemie und sollen in 27 (60) respektive 28 Minuten (90/90x) von zehn auf 80 Prozent SOC schnellladen. Das sind gute Werte für ein 400-Volt-System, doch Vergleich zur immer größer und bezahlbarer werdenden 800-Volt-Konkurrenz wirken diese Ladezeiten allenfalls mittelmäßig. Der Aktionsradius kann sich dagegen wirklich sehen lassen, mit dem großem 91-kWh-Akku sollen mehr als 600 Kilometer Normreichweite drin sein.
Der Skoda Peaq erhält die neue "MEB+"-Architektur
In puncto Technik profitiert der Peaq vom Start weg von all jenen Neuerungen, die das Plattform-Update namens "MEB+" mitbringt. Zu nennen wäre hier das Infotainment auf Android-Basis, das unter anderem eine optimierte Ladeplanung (mehr Filter bei den Säulenanbietern) und Satellitenkarten von Google Maps enthält. Im Cockpit verbaut Skoda erstmals einen 13,6 Zoll großen Touchscreen im Hochformat. Hinzu kommt ein großes 10-Zoll-Fahrerdisplay. Zum Vergleich: Bei Elroq und Enyaq misst es gerade einmal fünf Zoll. Auch neu: One-Pedal-Drive mit zweistufiger Rekuperation und die Vehicle-to-Load-Funktion, bei der die Hochvoltbatterie des Skoda E-Geräte wie Kühlboxen oder Pedelecs mit Strom versorgt. Zudem macht das teilautomatisierte Fahren einen Sprung, der sogenannte Travel Assist erkennt in der neuen Ausbaustufe 3.0 nun auch rote Ampeln.
Der Peaq fährt sich wie ein großer Enyaq
Und wie verhält sich die viele neue Technik auf der Straße? Wohltuend unaufgeregt. Unser Vorserienmodell fährt sich wie ein in den Dimensionen gewachsener Enyaq – was der Peaq im Grunde ja auch ist. Im Normal-Modus, ein anderer stand nicht zur Verfügung, findet das adaptive Fahrwerk, im Peaq ist "nur" das Ein-Kammer-DCC verbaut, einen guten Kompromiss aus sanftem Federungskomfort und ruhigem Aufbau. Für ein Fahrzeug dieser Klasse arbeitet die Lenkung angenehm direkt und feinfühlig, der große Skoda wirkt auch dank des relativ kleinen Wendekreises, dem Heckantrieb sei Dank, angenehm handlich.
Platz satt in Innenraum des Skoda-Flaggschiffs
Dank 2,97 Meter Radstand (wie beim VW ID.7) gibt es im Innenraum Platz satt, zumindest in Reihe eins und zwei sowie im Laderaum. Der Sitzkomfort ist Skoda-typisch hoch, gegen Aufpreis wird es vorne sogar Relax-Sitze mit Massage- und Liegefunktion geben. In der optionalen dritten Sitzreihe ist der Raum trotz verschiebbarer Rückbank recht knapp bemessen, hier sitzen wohl nur Kinder gut. Aber damit dürfte der Siebensitzer seinen wichtigsten Einsatzzweck, nämlich als Familienlaster, voll erfüllen. Lobenswert: Skoda hat seinen Kritikern zugehört und stattet den Peaq als ersten neuen MEB-Stromer mit einem Frunk aus, der mit 37 Liter zwar nicht riesig ausfällt, aber dennoch genug Platz für das AC-Ladekabel bietet.
Und die Preise? Noch ist nichts offiziell. Doch für den 60er soll es gerüchteweise bei rund 50.000 Euro losgehen, während der langstreckentaugliche Peaq 90 noch unter 60.000 Euro starten dürfte.
