Toyota bZ4X überrascht im Vergleich
Drei Elektro-SUV mit ähnlicher Akku-Größe zeigen im Vergleich große Unterschiede bei Verbrauch, Lade-Performance und Fahrwerk.
Im Vergleichstest von drei Elektro-SUV liegen die Batterien eng beieinander: MG S6, Toyota bZ4X und Opel Grandland Electric kommen auf jeweils rund 74/73/69 kWh netto. Umso auffälliger ist, wie weit die drei beim Verbrauch auseinanderdriften. Der MG S6 EV AWD kommt im Test auf 22,6 kWh/100 km, der Opel Grandland Electric auf 21,6 kWh/100 km.
Der Toyota bZ4X fährt spürbar effizienter: 17,4 kWh/100 km auf der Eco-Runde und knapp unter 20 kWh/100 km im Testbetrieb. Das ist nicht nur Theorie, sondern beeinflusst die Reisegeschwindigkeit, weil weniger Ladehalte nötig werden. Überraschend: Trotz der guten Effizienz nennt Toyota für den bZ4X im Test nur eine "passable" Reichweite von rund 355 Kilometern.
Beim Opel fällt der Gegensatz besonders auf. Trotz ähnlich hoher Testwerte wie beim MG liegt seine Reichweite bei 378 Kilometern, also knapp über dem MG. Das zeigt, wie stark Reichweite Elektro-SUV von mehreren Faktoren abhängt und nicht nur von einem einzelnen Messwert. Für Käufer bedeutet das: Verbrauch ist die verlässlichere Orientierung als eine einzelne Reichweitenangabe.
Laden mit 150 kW als Grenze
Beim Schnellladen gibt es für alle drei ein gemeinsames Problem: 150 kW Schnellladen sind hier jeweils das obere Limit. In Zeiten, in denen viele neue Elektro-SUV deutlich höher einsteigen, wirkt das im Vergleichstest wie ein gemeinsamer Bremsklotz. Beim Wechselstromladen gilt ebenfalls: 11 kW Wechselstromladen können alle drei.
Der Toyota setzt trotzdem ein Ausrufezeichen. Im HPC-Test erreicht der bZ4X einen Peak von 164 kW und liegt damit kurzzeitig über der Werksangabe von 150 kW. Entscheidend für die Standzeit ist aber der Durchschnitt, und der liegt von 10 bis 80 Prozent bei 97 kW.
Ein Detail mit Alltagsrelevanz steckt beim Toyota im AC-Kapitel. In der Lounge-Ausstattung kann der bZ4X optional mit 22 kW an Wechselstrom laden, das kann die Ladezeit an passenden Säulen verkürzen. Im hier betrachteten Auto ist diese Option aber nicht an Bord. Für den deutschen Markt heißt das: Wer häufig an AC-Ladern hängt, muss die Ausstattungsliste genauer lesen als den Prospektwert.
Fahrkomfort bleibt ein Streitthema
Beim Fahrkomfort Elektro-SUV trennen sich die Charaktere deutlich. MG S6 und Opel Grandland fallen im Test durch unruhige Federung auf, obwohl beide grundsätzlich eher weich abgestimmt wirken sollen. Beim MG kommt dazu, dass er in der City über Gullideckel stolpert und über Land kräftig auskeilt.
Beim Opel Grandland Electric passt es ebenfalls nicht zusammen. Er glättet laut Test kaum Fugen und reagiert auf kleine Verwerfungen nervös, dazu kommen Polter- und Klappergeräusche. Überraschend ist das, weil der Grandland über seine ergonomischen AGR-Sitze (Aktion Gesunder Rücken, zertifizierte Sitze) und die ausziehbare Beinauflage eigentlich als Langstreckenauto auftreten könnte.
Der Toyota bZ4X profitiert von überarbeiteter Technik unter dem Blech. Toyota nennt einen versteiften Aufbau sowie optimierte Dämmung und Fahrwerkselemente, und das zahlt sich im Fahrverhalten aus. Querfugen und kurze Stöße verarbeitet er gelassener, und auf der Autobahn läuft er stur geradeaus. Damit wird ausgerechnet der effizienteste Kandidat auch der, der am wenigsten Nerven kostet.
Den ausführlichen Vergleichstest mit allen Daten und Wertungs-Ergebnissen können Sie hier nachlesen.
