So flauschig fährt der neue BMW X5
In fünfter Auflage bietet der X5 neben kompletter Antriebsvariation bis hin zur Brennstoffzelle neben hohem Komfortniveau und akkuratem Handling ein modernes, zukunftsgerechtes Bedienerlebnis, meint Jörn Thomas.
In fünfter Generation bietet der BMW X5 fünf verschieden Antriebsvariationen. Und einen zukunftsgewandten Ansatz. Wir waren bereits mit der Benziner-Version X5 40 xDrive und dem elektrischen iX5 60 xDrive unterwegs.
Entweder oder? Nö. Sowohl als auch! BMW lebt beim neuen X5 den multimodalen Ansatz. Egal, woher der Wind kommt oder wohin er weht, für die fünfte Generation des X5 ist es Rückenwind. Ob Benziner, Diesel, Plug-in-Hybrid, Elektro oder Wasserstoff, er liefert. Und das schon in der Basis, wie uns zunächst der 40 xDrive beweist.
Schon bei der exklusiven Vorabfahrt im Sommer präsentierten ihn die Ingenieure als ihren "Hidden Champion". Heute geht er auf eine größere Runde mit dem 400 PS starken Dreiliter-Reihensechszylinder, dessen Leistung sie mittels eines neuen Turboladers um 20 PS erhöhten. Hinzu kommt die milde Hybridisierung per 48 Volt, deren E-Maschine 18 PS und 200 Newtonmeter besteuert. Und das Fahren insgesamt geschmeidiger macht – vom ruckfreien Starten übers zarte Anschieben und Verschleifen der Gangwechsel der Achtgang-Automatik bis hin zum sanften Boosten.
Kantig, monolithisch, charismatisch
Doch was boosten wir hier eigentlich? Nun einen mächtigen, klassisch kantigen SUV, fast fünf Meter lang und dank der neuen Front und dem Rest der Proportionen als Mitglied der aktuellen BMW-Familie erkennbar. Seit 1999 rund drei Millionen Mal verkauft, ist der in Spartanburg/USA produzierte X5 eine tragende Säule der BMW-Family und nun erstmals mit fünf Antriebsvariationen erhältlich. Sowie elektrisch öffnenden Türen, unter anderem ausgelöst an den sogenannten Winglets. Türgriffe waren gestern, die Winkel an der Scheibenkante sind heute. Okay, sie sind besser als das nervig elektrisch ausfahrende Zeug, aber normale Bügel waren auch okay. Dafür legt er Gästen optional den Ceremonial Light Carpet aus. Wenn nun im Inneren noch die Startzeremonie mit namentlicher Begrüßung beginnt und die unter anderem von der Tageszeit abhängige Ambientebeleuchtung glimmt, zeigt sich, wie krass sich 27 Jahre Differenz zur X5-Premiere anfühlen – ohne aktuell einen Meter gefahren zu sein.
Das ändern wir: Los geht’s! Da ist viel Neue Klasse im Cockpit, BMW richtet es frisch, anders, zukunftsgewandt ein. Modernität ohne Überforderung, Menüs, deren Ebenen führen und nicht wie ein Malstrom in die Tiefe ziehen. Hochauflösende, clever gegliederte Bildschirme fernab reingeschreinerter Screen-Höllen. Selbst Menschen, die die Neue Klasse noch im Original kennen, können sich mit dem X5 anfreunden, wenn sie wollen. Man sollte vielleicht nicht unbedingt das vierspeichige Lenkrad wählen, welches in seiner Extravaganz fast citroenesk rüberkommt – das zweispeichige (bei dem die Speichen eigentlich keine sind) genügt. Griffige Form, nur bei Relevanz beleuchtete Schalter, ruhiges Lenkgefühl.
Die Bedienung? Total logisch!
Freude am Fahren passiert schon beim Rangieren und setzt sich fort auf Tour mit dem präzise und satt agierenden X5, während er mit dem Panorama-Display und dem mittleren Bildschirm sorgsam und umfassend informiert. Vor allem das über die gesamte Breite der Frontscheibe verlaufende eingespiegelte Vollformat-Display überzeugt mit hochklassiger Ablesbarkeit und Logik. Man hört das erste Mal von dem Ding und denkt: "Hä?". Dann fährt man ein Stück und denkt: "Hui!". Überhaupt greifen sowohl das auf dem neuen Betriebssystem OS X (Android Open Source) basierende Infotainment mit der umfassenden Sprachsteuerung als auch Antrieb und Handling sauber ineinander bis hin zu sämtlichen Displays und der Sprachsteuerung.
Fühlt sich ganzheitlich an, wozu die bequemen Sitze ebenso beitragen wie die kompetente Bowers-&-Wilkins-Surroundanlage. Unauffällig optimiert diese auch den Klang des Reihensechszylinders, der kultiviert und sparsam arbeitet, unterstützt von der hervorragenden ZF-Achtgangautomatik. Nur unter hoher Last lugt er akustisch mal unter der Haube hervor.
Viel Komfort im BMW X5 40 xDrive
Stressfrei, für BMW-Verhältnisse regelrecht flauschig, rollt der BMW X5 40 xDrive trotz seiner 22 Zoll großen Pilot-Sport-Räder (optional sind bis 23 Zoll drin) mit der ersten Optionsstufe Luftfederung (bei uns plus Hinterachslenkung, Serie sind Stahlfedern und Adaptivdämpfer) dahin. Fahrkomfort und -dramatik lassen sich mittels zusätzlicher 48-Volt-Wankstabilisierung weiter erhöhen. Wie gehabt steht der X5 auf Doppelquerlenker-Vorder- und Fünflenker-Hinterachse, das Chassis punktuell über spezielle Streben versteift. Den Ingenieuren war es wichtig, alle Versionen mit einem ähnlichen Fahrerlebnis auszustatten, basierend auf hohem Komfort und ausgewogenem Handling.
iX5 60 xDrive: Noch druckvoller, genauso komfortabel
Womit wir in den iX5 60 xDrive wechseln, vollelektrisch mit 800-Volt-System, einem Asynchronmotor vorn und einer selbstentwickelten stromerregten Synchronmaschine hinten. Zusammen 578 PS stark mit 805 Newtonmetern, dementsprechend geht es voran, unter Mithilfe der aktiven Wankstabilisierung. Fast eine halbe Tonne schwerer als die Basis, fährt er etwas wuchtiger, aber noch satter und druckvoller filtert er Unebenheiten ebenso gekonnt, wie er Karosseriebewegungen kontrolliert. Bei fahrdynamischen Ausflügen hilft die neue systemvernetzende Steuerung "Heart of Joy" ebenso wie die bei allen X5 paritätische Gewichtsverteilung plus der tiefe Schwerpunkt durch den 141-kWh-Akku (netto).
Gleichzeitig dehnt das aufwendig beidseitig gekühlte Bauteil mit neu entwickelten, direkt in die Batterie integrierten Rundzellen (120 Millimeter Zellhöhe) die Reichweite auf bis zu 845 Kilometer nach WLTP, während die maximale Ladeleistung von 460 kW Zwangsstopps verkürzt. Per KI lernt die navigationsbasierte Routen- und Ladeplanung aus vorherigen Stopps und arbeitet die Erfahrungen (Ladeleistung, Fehler) in die Planung ein. Bidirektional Laden? Kann er auch, sowohl um Hausstrom zu puffern als auch für kleine Helfer wie Kaffeemaschinen und Co.
Multimodaler Checker mit elektrischen Türen
Außerdem zieht er bis zu drei Tonnen, wechselt auf der Autobahn bei freihändiger Fahrt selbstständig die Spur und parkt automatisiert, um am Ziel per Sprachsteuerung oder Tastendruck seine Türen ziemlich flott zu öffnen oder zu schließen – dank Radarsensoren, die die Umgebung checken. Ein multimodaler Checker also, dieser BMW X5, nunmehr in fünfter Generation.
