Stärker, schärfer, sinnlicher
Nach dem Vorbild des entsprechenden DBX hat Aston Martin nun auch den Vantage hinsichtlich Fahrdynamik durchgekämmt. Eifel-Tour mit dem auf 680 PS erstarkten S-Modell.
Zu Beginn müssen wir uns gleich mal von der Ursprungsidee verabschieden, heute sämtliche Feinheiten des neuen S-Modells herauszufahren. Denn erstens hatte sich die Eifel spontan dazu entschlossen, die Uhren schon mal auf April vorzustellen: Sonne, Regen, Graupel – alles war dabei, und alles gleich mehrfach binnen einer gerade mal zweistündigen Testtour, die sich – zweitens – nicht auf, sondern rund um den Nürburgring zutrug.
Und weil wir uns hier den Hashtag #respecttheregion auf die Fahne schreiben, sprich: jene Bewegung unterstützen, die sich für Action auf der Rennstrecke und gutes Benehmen abseits davon einsetzt, können und wollen wir natürlich nicht mit einem 680-PS-Ofen über die Hügel glühen wie bekloppt. Dabei wäre zur wirklichen Erkenntnisfindung genau das vonnöten, da der bisherige Vantage , also die Basisausführung, nur am Limit so ein bisschen aus dem Ruder zu raufen droht – sprich: überhaupt Potenzial für Verbesserung bietet. Drittens!
Mehr als nur ein Sportpaket
Doch auch wenn wir uns aus all den genannten Gründen so ein bisschen in einer Grauzone zwischen Einbildung und Eindruck bewegen, darf man dem Vantage S eine Weiterentwicklung in Richtung Agilität durchaus unterstellen. Im Gegensatz zu manch anderem "Sportpaket" kratzen die Änderungen hier nämlich nicht nur an der Oberfläche, sondern dringen ins Eingemachte vor: ins Fahrwerk, ins Chassis und in den Antrieb. Wobei Aston Martin ja sogar zu denjenigen wenigen gehört, bei denen besagte Oberfläche auch mal Argument genug sein dürfte.
Ich meine, sehen Sie selbst: Das Dunkelgrün des Formel-1-Teams gespickt mit modellspezifischen Aero-Elementen, neongelben Akzenten als Grundlinie und drinnen dieser cognacfarbene, würzig duftende Lederkokon – eine Komposition quasi als Ebenbild des Vantage-Charakters, der auch in der S-Ausprägung motorsportlichen Ehrgeiz mit Savoir-Vivre paart – so viel steht schon mal bombenfest.
680 PS, 800 Newtonmeter, 203.000 Euro
Verschoben hat sich nur die Betonung, wozu sowohl die 15 PS Mehrleistung beitragen, als auch die Fahrwerksinternas. Mag sein, dass der erstarkte V8-Biturbo weiterhin den triftigsten Grund darstellt, die 203.000 Euro Grundpreis hinzublättern, zumal er den 0-100-Wert zusammen mit der optimierten Launch-Control um ein Zehntel auf 3,4 Sekunden drücken soll. Die Schokoladenseite war, ist und bleibt aber das Handling – auch und vielleicht sogar vor allem jenes auf der Landstraße.
Im Zentrum steht, oder besser gesagt: dreht die butterweich ansprechende, gleichzeitig hochmotiviert losbrechende Lenkung, deren Befehle im S mit einer veränderten Abstimmungsbalance wechselwirken. So wurden die adaptiven Bilstein DTX-Dämpfer der Vorderachse in Hard- und Software hinsichtlich Ansprechverhalten optimiert, was den fahrerischen Input in Kombination mit den angepassten Sturzwerten fester mit den Reaktionen verblockt. Keine Bange, der Sport-Vantage fährt weiterhin geschmeidig, verbessert über eine um 10 Prozent gelockerte Getriebeanbindung sogar den Antriebskomfort, zieht aber nicht nur mit der zugespitzten Vorderachsgeometrie ins Eck, sondern eigenlenkt nun auch prägnanter aus dem Rückraum.
Je nach Fahrmodus und Gaseinsatz spürt man dabei einerseits das Zutun des aktiven Differenzials, das seine Regelungen wie eine Führungsschiene zwischen die 325er Michelins und die weithin glitschigen EIfelsträßchen schiebt. Außerdem ist der hintere Hilfsrahmen nicht mehr über Gummibuchsen, sondern direkt mit der Karosserie verbunden, sodass sich insgesamt mehr Zug in den Bewegungsablauf des Hinterns spannt.
Sturm und Klang
Und der wiederum lebt vom Schub. Bis zu 800 Nm ballert der Vierliter in die Zusammenhänge, die sich sehr zügig, sehr hochprozentig aufbauschen, um dann entweder als Potenzial vor sich hin zu köcheln, oder sich über die erstaunliche Traktion zu einem Hebel bündeln, der im S-Modell mutmaßlich etwas fester ansitzt.
Seinen Reiz hat beides, vor allem, weil es Aston im Gegensatz zum Urheber des Aggregats gelingt, die breitschultrige Leistungscharakteristik auch adäquat zu vertonen. Während der AMG GT, der aktuell übrigens maximal 612 PS aus dem Vierliter zieht, gerade obenraus in ein seltsames Geschepper verfällt, beherrscht der Vantage die stereotypische Tonleiter der Achtzylindrigkeit von früh bis alles zu spät: gurgeln, bollern, donnern, hämmern – gemäß Auspuff-Programm entweder kuschelrockig oder präsent und garniert mit zünftigen Lastwechseldetonationen im Abgastrakt, die uns – das sei unter verschmitztem Grinsen eingeräumt – trotz größten Respekts für die Region dann doch das ein oder andere mal rausrutschten.
