So viele Millionen gehen an die Mineralöl-Konzerne
Der gestiegene Rohöl-Preis ist nach einer Studie nicht für die hohen Preise für Benzin und Diesel seit Anfang März verantwortlich. Eine Analyse im Auftrag von Greenpeace kommt auf zusätzliche Einnahmen von rund 21 Millionen Euro pro Tag im deutschen Tankstellenmarkt. Besonders beim Diesel fällt der Aufschlag deutlich aus.
Grundlage ist ein Vergleich der Preise vor Beginn des Iran-Konflikts mit den ersten beiden Märzwochen. Dabei zeigt sich, dass sich die Kosten entlang der gesamten Kette erhöhen, an der Zapfsäule jedoch stärker als beim Rohöl. Für Verbraucher bedeutet das, dass ein Teil des Preisanstiegs nicht durch höhere Beschaffungskosten erklärbar ist.
Preise steigen, aber nicht im gleichen Tempo
Der Rohölpreis legte im untersuchten Zeitraum um 13,1 Cent pro Liter zu. Diesel an der Tankstelle wurde im Schnitt um 30,3 Cent teurer, Superbenzin um 18,5 Cent. Damit wächst der Abstand zwischen Kostenbasis und Endpreis deutlich.
Die zusätzlichen Aufschläge lassen sich konkret beziffern. Beim Diesel ergibt sich eine Differenz von 17,2 Cent pro Liter gegenüber dem Rohölanstieg. Beim Benzin liegt dieser Wert bei 5,4 Cent. Diese Entwicklung zeigt sich nicht nur an der Zapfsäule, sondern entlang der gesamten Lieferkette.
Beim Diesel steigt bereits der Großhandelspreis deutlich stärker als das Rohöl. An der Tankstelle setzt sich diese Entwicklung fort. Beim Benzin folgt der Großhandel zunächst noch weitgehend dem Rohölpreis, der größere Abstand entsteht erst im Verkauf.
Diesel im Fokus der Entwicklung
Die Daten zeigen, dass sich die Preisentwicklung beim Diesel besonders stark vom Rohöl entkoppelt. Während der Rohölpreis um 13,1 Cent steigt, erhöht sich der Dieselpreis an der Tankstelle um mehr als das Doppelte.
Ein wesentlicher Teil dieser Differenz entsteht bereits im Raffineriebereich. Dort weitet sich die Spanne zwischen Rohöl und verarbeitetem Produkt deutlich aus. Beim Benzin ist dieser Effekt schwächer ausgeprägt und verlagert sich stärker in den Vertrieb.
Millionenbeträge pro Tag
Die zusätzlichen Cent pro Liter summieren sich über den gesamten Markt hinweg. Für die ersten beiden Märzwochen ergeben sich daraus rechnerisch:
- 17,9 Millionen Euro pro Tag beim Diesel
- 3,2 Millionen Euro pro Tag beim Benzin
Zusammen entspricht das rund 21 Millionen Euro täglich. Die Berechnung basiert auf den durchschnittlichen Absatzmengen im deutschen Tankstellenmarkt und den ermittelten Preisunterschieden zwischen Rohöl und Endprodukt.
Was Autofahrer konkret merken
Für Verbraucher zeigt sich die Entwicklung direkt beim Tanken. Nach ADAC-Daten lag der durchschnittliche Preis zuletzt bei rund 2,037 Euro pro Liter Superbenzin und 2,156 Euro für Diesel.
Im Vergleich zum Zeitpunkt vor Kriegsbeginn entspricht das einem Anstieg von rund 26 Cent beim Benzin und 41 Cent beim Diesel. Ein Teil dieses Aufschlags geht über die Entwicklung der Rohölpreise hinaus. Kurzfristig verändert sich das Tankverhalten kaum. Die Studie geht davon aus, dass die Nachfrage zunächst stabil bleibt, wie bereits in früheren Krisenphasen.
