Wie billiger Sprit die E-Auto-Förderung untergräbt
Der Tankrabatt ist teuer, entlastet die Falschen und konterkariert indirekt die E-Auto-Förderung. Kommentar.
Öl wird immer teurer, Sprit in der Folge auch. Daran wird der Tankrabatt II nichts ändern: Ein kleiner Schritt für Bundesbürger, ein großer Schnitt für die Staatskasse – aus 17 Cent pro Liter werden in 92 Tagen 2,5 Milliarden Euro. Das entspricht rund 30 Euro pro Bundesbürger oder drei Mahlzeiten – für Sparsame. Nach drei Monaten ist der Effekt für Mittellose und Millionäre gleichermaßen so wenig wahrnehmbar, wie man es sich für Abgas von Verbrennern wünschen würde. Das Loch im Haushalt hingegen bleibt.
Immerhin wird das eine gute Übung fürs Verbrenner-Aus, denn: Je mehr E-Autos, desto geringer die Einnahmen. Die Energiesteuer auf Kraftstoffe brachte zuletzt rund 2,8 Milliarden Euro im Monat. Wenn alle elektrisch fahren: Wer zahlt dann für Nutzung und Erhalt von Straßen? Perspektivisch auch die E-Auto-Fahrer – per Kilometergeld oder Maut.
Spritpreis fördert E-Autos mehr als Umweltprämie
Das liefe allerdings aktuell der Förderung der Elektromobilität zuwider. In die steckt der Staat bis 2029 drei Milliarden Euro – und damit pro Monat nur ein Zehntel dessen, was der Tankrabatt verschlingt. Gemessen daran ist die Wirkung gar nicht mal so schlecht: Bei durchschnittlich gut 4.500 Euro Prämie pro gefördertem E-Auto* reichte das Geld insgesamt für knapp 700.000 Stromer, die bei einer durchschnittlichen Jahresfahrleistung von 12.300 km** und einem aktuellen Durchschnittsverbrauch von 7,7 Litern** rund 663 Millionen Liter Sprit pro Jahr sparen würden. Der Tankrabatt hingegen spart nicht beim Sprit, sondern nur bei den Tankkosten – und könnte so die Nachfrage nach Benzin und Diesel eher befeuern.
Bislang scheint hingegen der teure Sprit die Nachfrage nach E-Autos enorm anzukurbeln: Der E-Auto-Anteil an den Neuzulassungen lag zuletzt bei mehr als 30 Prozent. Bis Ende August wurden in Deutschland fast 516.000 E-Autos neu zugelassen. Gefördert wurden im selben Zeitraum gerade mal 24.794. Das sind keine 8 Prozent.
Der Tankrabatt – eine Fehlsteuer-Entlastung
Ja, der Tankrabatt entsteht durch eine Steuerreduktion. Aber auch, wenn man unter Steuern heute vor allem staatliche Einnahmen versteht – es steckt nicht ohne Grund das Verb "steuern” drin. Der Tankrabatt ist eine Fehlsteuerung und bringt keine Einnahmen. Seine Entlastungswirkung hat den Effekt einer Gießkanne – die man in einen See kippt.
Auch wenn’s schwieriger ist: Wer gerecht entlasten will, steuert besser nicht auf die Sandbank, sondern nimmt in den Blick, wer an Deck umzukippen droht. Sprich: Entlastet werden sollte nicht die Verbrennung fossiler Energieträger, sondern Menschen mit niedrigen Einkommen oder von der Pleite bedrohte Logistiker.
*Stand August laut Bafa für alle geförderten Autos inkl. PHEV **lt. KBA
