Stecker-Spezialist vor dem Aus
Ein weiterer Auto- und Rüstungszulieferer sowie Marktführer aus Deutschland hat Insolvenz angemeldet.
Der hessische Zulieferer Erich Jäger mit Sitz in Friedberg hat beim Amtsgericht Friedberg einen Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens gestellt. Weltweit sind rund 1.000 Beschäftigte an elf Standorten betroffen.
Das Unternehmen entwickelt und produziert seit mehr als 90 Jahren Steckverbindungssysteme für verschiedene Industriezweige. Ein Schwerpunkt liegt auf Anwendungen in Pkw, Nutzfahrzeugen und Anhängersystemen. Zu den Kunden zählen unter anderem BMW, Volkswagen, Mercedes und Ford sowie Rheinmetall. Produziert wird neben Deutschland auch in Mexiko, Tschechien und China, weitere Vertriebsstandorte befinden sich unter anderem in den USA und Europa.
Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Sanierungsexperte Dr. Jan Markus Plathner von der Kanzlei Brinkmann & Partner bestellt. Der Geschäftsbetrieb läuft nach Unternehmensangaben an allen Standorten weiter. Die Löhne und Gehälter sind über eine Insolvenzgeldvorfinanzierung zunächst gesichert.
Stabilisierung und Investorensuche
Der Insolvenzverwalter hat gemeinsam mit seinem Team erste Maßnahmen zur Stabilisierung eingeleitet und Gespräche mit Kunden, Lieferanten und weiteren Beteiligten aufgenommen. Ziel ist es, den laufenden Betrieb abzusichern und die wirtschaftliche Lage zu klären.
Dr. Jan Markus Plathner erklärte: "Unser Fokus liegt zunächst auf der Stabilisierung des Geschäftsbetriebs und der Lieferfähigkeit. Parallel schaffen wir Transparenz über die wirtschaftliche Situation und prüfen Sanierungsoptionen. Ziel ist es, im Rahmen eines strukturierten Prozesses zeitnah eine Investorenlösung für die Unternehmensgruppe oder Teile davon zu realisieren."
Umsätze zuletzt unter Druck
Nach Angaben der Muttergesellschaft Ad Capital waren die Umsätze zuletzt deutlich zurückgegangen. Als Gründe werden geopolitische Entwicklungen und eine schwächere Nachfrage genannt. Eine Anfang 2026 gestartete Reorganisation konnte die Entwicklung nicht mehr auffangen.
Das Unternehmen erwirtschaftete zuletzt einen Jahresumsatz von rund 77 Millionen Euro und beschäftigt weltweit etwa 1.000 Mitarbeiter. In Deutschland sind rund 200 Beschäftigte tätig.
