GM überarbeitet seine V8-Motoren tiefgreifend
GM überarbeitet seine V8-Motoren nach dem Rückruf von fast 600.000 Pick-ups und SUV grundlegend. Neue Technik, strengere Prüfungen und eine digitale Rückverfolgung wichtiger Bauteile sollen die Qualität verbessern und verlorenes Vertrauen zurückbringen.
General Motors überarbeitet seine V8-Motoren nach den Problemen mit dem 6,2-Liter-L87 umfassend. Detroit News berichtet, dass der US-Konzern für die nächste Generation seiner leichten Pick-ups zwei neue Small-Block-V8 entwickelt. Der L76 kommt auf 5,7 Liter Hubraum, der L78 auf 6,6 Liter. Beide Motoren treiben ab dem Modelljahr 2027 den Chevrolet Silverado 1500 und den GMC Sierra 1500 an.
Im vergangenen Jahr rief GM fast 600.000 Pick-ups und SUVs mit dem L87 zurück. Der Konzern machte einen Zulieferer für mögliche Motorschäden verantwortlich. Händler prüften die betroffenen Motoren, GM tauschte fehlerhafte Aggregate aus und empfahl bei geprüften Motoren den Einsatz eines dickeren Motoröls.
Neue Motoren für Silverado und Sierra
Der neue 5,7-Liter-V8 leistet 402 HP, umgerechnet rund 408 PS, und liefert 428 lb-ft Drehmoment – das entspricht etwa 580 Newtonmeter.
Der 6,6-Liter-V8 entwickelt 481 HP oder rund 488 PS. Beim Drehmoment erreicht er 501 lb-ft, also etwa 679 Newtonmeter. GM verwendet die technische Basis der neuen Small-Block-Motoren auch für die Corvette Stingray, Grand Sport und Grand Sport X.
GM baut die Motoren grundlegend um
GM verändert die Architektur, die Schmierung, die Kraftstoffversorgung und die Zylinderköpfe. Die Ingenieure erhöhen außerdem das Verdichtungsverhältnis, vergrößern die Drosselklappen und entwickeln neue Ansaugkrümmer mit abgestimmten Kanälen. Die Motoren kombinieren Direkteinspritzung und Saugrohreinspritzung. Das System soll die Verbrennung damit über einen größeren Bereich bei Leistung, Verbrauch und Emissionen verbessern.
Eine stufenlos verstellbare Ölpumpe passt die Schmierung an den jeweiligen Betriebszustand an. Ein am Motor montierter Ölkühler und neue Ölzuführungen sollen zusätzlich für einen gleichmäßigeren Öldruck sorgen.
Mehr Kontrollen in der Fertigung
GM verschärft die Qualitätskontrollen auf mehreren Ebenen. Der Hersteller prüft die Motoren im Fahrzeug und auf Prüfständen. Zusätzlich erfasst GM kritische Bauteile digital und kann deren Herkunft jetzt besser bis zum jeweiligen Herstellungsprozess zurückverfolgen.
Eine neue KI-Datenbank sammelt zudem Produktionsdaten einzelner Motoren und Bauteile. Sie vergleicht die Informationen aus der Fertigung mit den Daten nach dem Motoraufbau. GM erhält dadurch ein detaillierteres Bild davon, welche Teile in welchem Motor arbeiten und wo ein Fehler entstanden sein könnte.
GM verspricht längere Unterstützung
Für Besitzer der vom L87-Rückruf betroffenen Fahrzeuge gewährt GM eine Sonderabsicherung über zehn Jahre oder 150.000 Meilen, also rund 241.000 Kilometer. Mit dieser Unterstützung reagiert der Konzern auf den Vertrauensverlust nach dem L87-Rückruf. Früher standen amerikanische V8-Motoren für hohe Haltbarkeit; die jüngsten Probleme haben dieses Bild beschädigt.
Die neue Motorengeneration soll deshalb nicht nur mehr Leistung liefern. GM muss auch beweisen, dass der Hersteller Fertigungsqualität, Kontrolle und Fehleranalyse besser beherrscht.
Produktion startet in Flint
GM fertigt die neuen V8 zunächst in den Flint Engine Operations im US-Bundesstaat Michigan. Weitere Kapazitäten stehen im Werk Tonawanda im Bundesstaat New York und im kanadischen St. Catharines bereit.
Die drei Standorte können ihre Produktion ausweiten, wenn GM die neuen Silverado- und Sierra-Modelle auf den Markt bringt.
V8 trotz Elektroautos und Hybriden
GM hält trotz des Ausbaus der Elektroautos an seinen Verbrennungsmotoren fest. Mark Dickens, Chefingenieur für große Pick-ups und SUVs, sagt, der Konzern habe die Entwicklung von V8-Motoren und anderen Antrieben nie eingestellt.
Zusätzlich setzt GM beim Silverado 1500 und Sierra 1500 auf einen neuen 3,0-Liter-Duramax-Diesel. Mit einem optionalen Tank für 34 US-Gallonen (128,7 Liter) sollen die Pick-ups auf der Autobahn mehr als 900 Meilen schaffen. Das entspricht einer Reichweite von über 1.448 Kilometer. GM argumentiert, dass ein Hybridantrieb nicht automatisch dieselbe Reichweite und Effizienz unter hoher Belastung erreicht. Einen weiteren Kraft- und Reichweitentrumpf spielt GM 2027 mit einem neuen 8,3-Liter-Duramax-Diesel für den Chevrolet Silverado und den GMC Sierra aus.
