Er kann tatsächlich fliegen
Tesla hat nach zahlreichen Verzögerungen endlich den neuen Roadster in Texas mit spektakulären Stunts vorgestellt: Der Elektro-Sportwagen fuhr kopfüber, sprang über andere Tesla-Modelle und flog mithilfe von Kaltgastriebwerken. Die stärkste Rocket-Version soll kurze Flugmanöver ermöglichen.
Tesla hat den neuen Roadster auf einem SpaceX-Testgelände nahe Waco im US-Bundesstaat Texas präsentiert. Ein Prototyp fuhr eine Rampe hinauf, blieb kopfüber haften, löste sich aus der Unterdruckzone und drehte sich in der Luft um 180 Grad.
Anschließend landete der Zweisitzer wieder auf seinen vier Rädern. Bei einem weiteren Stunt sprang der Roadster mithilfe seiner Kaltgastriebwerke über eine Reihe geparkter Tesla-Modelle und einen Tesla Semi.
Tesla zeigte außerdem eine Beschleunigung von 0 auf 60 Meilen pro Stunde (97 km/h) in 0,81 Sekunden. Elon Musk stellte für die spätere Serienversion noch bessere Werte in Aussicht.
Drei Versionen für Straße, Rennstrecke und Flug
Tesla führt den Roadster in drei Ausführungen. Die Performance-Version bleibt ein zweisitziger Sportwagen für die Straße. Sie erhält aktive Aerodynamikelemente und ein Multimodus-Saugsystem, das den Wagen stärker auf die Fahrbahn drückt.
Die Thrust-Version ergänzt das Saugsystem um Kaltgastriebwerke im Heck. Tesla richtet diese Variante als in der Auflage limitierten Zweisitzer für die Rennstrecke aus. Nach den bisher verbreiteten Angaben soll sie in weniger als einer Sekunde von 0 auf 100 km/h beschleunigen.
Die Rocket-Version setzt auf einen einzelnen Sitz und Triebwerke rund um die Karosserie. Die Düsen sollen Schub nach vorn und oben erzeugen sowie seitliche Drehbewegungen unterstützen. Hier soll der Sprint auf 100 km/h in 0,59 Sekunden erledigt sein. Tesla bietet diese Ausführung nur auf Einladung an. Auf öffentlichen Straßen darf sie nicht fahren; außerdem könnte Tesla sie in einigen Regionen gar nicht anbieten.
Kaltgas statt Verbrennung
Die Triebwerke verbrennen keinen Treibstoff. Sie stoßen komprimiertes Gas mit hoher Geschwindigkeit aus und erzeugen dadurch Schub. SpaceX-Ingenieure halfen Tesla bei der Entwicklung der Hardware und der Steuerung.
Kohlefaserummantelte Druckbehälter speichern das Gas an mehreren Stellen im Fahrzeug. Elektrische Aktuatoren, wie Tesla sie auch bei seinem Roboter Optimus verwendet, steuern die Düsen und erlauben schnelle Korrekturen. Tesla will damit nicht nur die Beschleunigung verbessern, sondern auch beim Bremsen, in Kurven und bei kurzen Flugmanövern zusätzliche Kräfte erzeugen.
Für den öffentlichen Straßenverkehr ist dieses Konzept nicht gedacht. Die Rocket-Version braucht eine eigene Sicherheitsbewertung, eine geeignete Umgebung und eine Zulassung.
Ein Staubsauger hält den Roadster an der Decke
Das Multimodus-System saugt Luft unter dem Fahrzeug ab. Dadurch entsteht Unterdruck, der den Roadster selbst im Stillstand an einer Decke halten soll. Tesla demonstrierte das Prinzip bei der Präsentation erfolgreich auf einer Rampe.
Mit dieser Technik steht Tesla nicht allein. Der McMurtry Spéirling fuhr bereits kopfüber an einer Decke. Zwei Ventilatoren erzeugen bei dem rund 900 Kilogramm schweren Einsitzer mehr als 2.000 Kilogramm Abtrieb.
Auch der Gordon Murray Automotive T.50 nutzt einen großen Heckventilator, um den Abtrieb zu steigern. Der Tesla Roadster könnte diese Idee mit elektrischer Hypercar-Performance und Kaltgastriebwerken verbinden.
Luft- und Raumfahrt prägen das Design
Tesla gestaltet den Roadster stärker nach der aktuellen Formensprache der Marke. Versteckte Scheinwerfer, eine durchgehende Rückleuchte und bündige Aerodynamikelemente lassen die Karosserie glatt und geschlossen wirken.
Die Lackierung Ano White soll an Schutzschichten aus der Luft- und Raumfahrt erinnern. Tesla verweist dabei auf UV-Schutz, Kältebeständigkeit, elektrostatische Ableitung und Korrosionsschutz. Gold getöntes Glas greift die Farbe von Raumanzug-Visieren auf.
Dünne Speichen prägen die leichten Räder. Magnesium, Titan und Kohlefaser sollen die Masse senken und die Reaktionen auf Lenk- und Fahrbefehle beschleunigen.
Ein Cockpit mit Steer-by-Wire
Der Innenraum erhält ein Steer-by-Wire-Lenkrad, ein zentrales Display und zusätzliche Anzeigen vor dem Fahrer. Tesla setzt auf ein weißes Interieur mit grauen Mikrowildlederflächen.
Die Sitze tragen ein perforiertes Muster, das sich entlang der Rückenlehne nach oben verteilt. Bei der Rocket-Version entfällt der zweite Sitz. Damit schafft Tesla Platz für weitere Technik und reduziert die Masse.
Konkrete Angaben zu Assistenzsystemen, Sensoren und autonomen Funktionen fehlen bislang. Tesla konzentriert seine Präsentation auf Fahrleistungen, Aerodynamik und die SpaceX-Technik.
Schneller als ein Rimac Nevera
Tesla will mit dem Roadster die bisherigen Beschleunigungsrekorde elektrischer Serienfahrzeuge überbieten. Der Rimac Nevera benötigt je nach Messung zwischen 1,81 und 1,97 Sekunden für den Sprint von 0 auf 100 km/h. Die Thrust-Version des Tesla soll weniger als eine Sekunde brauchen, die Rocket-Version laut bisherigen Berichten sogar weniger als 0,59 Sekunden.
Beim Rimac arbeiten vier Elektromotoren mit einer Gesamtleistung von 1.914 PS. Der Nevera erreicht 412 km/h, wobei Kundenfahrzeuge elektronisch bei 352 km/h enden. Tesla hat für den Roadster noch keine endgültige Höchstgeschwindigkeit bestätigt. Angaben reichen bislang von mehr als 370 bis über 400 km/h.
Auch bei der Reichweite fehlen finale Werte. Frühere Roadster-Ankündigungen stellten bis zu 620 Meilen in Aussicht (998 Kilometer). Neuere Berichte sprechen von rund 300 Meilen (483 Kilometer). Tesla muss Batteriegröße, Reichweite und Seriengewicht noch präzisieren.
Vom Lotus-Sportwagen zum Raketenauto
Der erste Tesla Roadster entstand auf Basis des Lotus Elise und rollte von 2008 bis 2012 zu den Kunden. Tesla setzte rund 6.900 Lithium-Ionen-Zellen zu einem etwa 400 Kilogramm schweren Akku zusammen.
Mit bis zu 215 kW (292 PS) beschleunigte der Zweisitzer in weniger als vier Sekunden auf 100 km/h. Die Reichweite lag je nach Version bei rund 350 bis 400 Kilometern. Tesla produzierte etwa 2.450 Exemplare.
Der erste Roadster machte das Elektroauto als schnellen Sportwagen bekannt. Die Neuauflage übernimmt diese Rolle als technisches Aushängeschild, geht bei den angekündigten Fähigkeiten aber weit über die ursprüngliche Idee hinaus.
Marktstart 2028
Tesla hat den Produktionsstart für 2028 in Aussicht gestellt. Der erste Roadster-Prototyp debütierte bereits 2017, damals sollte die Produktion etwa 2020 beginnen. Tesla verschob den Termin mehrfach.
Einen endgültigen Kaufpreis gibt es weiterhin nicht. Bei einer Reservierung sind 5.000 Dollar (4.455 Euro) sofort und weitere 45.000 Dollar (40.083 Euro) innerhalb von zehn Tagen fällig. Berichte führen für die Thrust-Version einen Aufpreis von etwa 245.000 Dollar (rund 226.000 Euro) an. Diese Beträge beschreiben Reservierungen oder mögliche Aufpreise, nicht den bestätigten Endpreis des Fahrzeugs.
