Kompakte E-Mobilität ohne Kompromisse
Einmal mit allem ohne scharf: Der neue Basis-Stromer von Kia liefert ausreichend Power bei satter Reichweite und üppiger Ausstattung zu erreichbaren Preisen. Wir sind ihn gefahren.
Stellen Sie sich eine Sanduhr vor, kurz bevor die letzten Körnchen nach unten rieseln. So ähnlich ist es gerade mit den Argumenten contra E-Mobilität. Nehmen wir nur das Thema bezahlbarer Modelle. Da kommen jetzt eine ganze Menge, unter anderem vom Volkswagen-Konzern, aber auch aus Korea. Ab April etwa in Gestalt des in Europa für Europa entwickelten, im slowakischen Zilina gebauten Kia EV2 . Alles andere als ein Aprilscherz auf kompakten 4,06 Metern zu Preisen ab 26.600 Euro. Ach, das sind in alter Währung über 50.000 Mark? Mark sein, doch damals waren Ausstattungen karg ein Planwagen.
Kommt weit, fährt leise
Heute kommt ein Wagen mit Plan, auf Basis der globalen Universalplattform (E-GMP), hier in der 400 Volt-Version. Perfekt passend zum B-Segment-SUV, das mit Top-Zutaten kommt, wie etwas Abstandsregeltempomat, diversen Kollisionswarnern und schützenden Assistenten serienmäßig, plus vielen Extras vom Autobahnassistenten über Doppelverglasung bis zum fernbedienbaren Ein- und Ausparken. Sie sehen schon, nix Planwagen.
Antriebsseitig hat Kia ebenfalls einen Plan: Basis mit 42,2 kWh großem Eisenphosphat-Akku und 146 PS-Motor (Reichweite 317 km) oder die teurere Reichweiten-Version (ab Sommer, ab 33.490 Euro), die mit ihrem 61 kWh-Nickel-Mangan-Kobalt-Akku und 135 PS-Motor bis zu 453 Kilometer weit stromert – maximal 161 km/h schnell. Und das überraschend leise, dank diverser Akustikmaßnahmen wie etwas spezielle Dämm-Matten rund um den Motor oder im Fußraum die exakt definiert störende Reifen kommen sogar mit Akustikschaum im Inneren.
Bequem und einfach bedienbar
Im Inneren des EV2 logiert es sich auf bequemen Sitzen und luftiger Atmosphäre in gekonntem Package mit guter Übersicht und vielen praktischen Ablagen. Das Platzangebot vorn ist klasse, hinten klassengerecht, die Oberflächen zwar hartplastiklastig, jedoch ordentlich gemacht und gegen Aufpreis mit Stoffbezügen verwohnlicht. In der Topversion spannen sie dann Kunstleder über die Sitze. Über das Armaturenbrett spannt sich der Kia-übliche Panorama-Bildschirm mit drei aufgeteilten Displays unter gemeinsamem Deckglas samt klar gestalteten Grafiken. Wie gehabt gefällt der Mix aus Touchscreen und physischen Tasten und Reglern, samt logischer Bedienstruktur. Effizient: die Basis verzichtet auf ein Bord-Navi, spannt dafür das Smartphone ein.
Pragmatische Basis, riesiges Ausstattungsportfolio
Überhaupt richtet Kia seinen Basis-Stromer pragmatisch mit 16 zölligen Stahlrädern, vier Sitzen und einer einfachen Klimaanlage ein. Erstaunlich allerdings, dass Kia entgegen dem verbreiteten Postulat der effizienten Reduzierung von Varianten allein drei unterschiedliche Rücksitz-Konfigurationen bietet, zwei Plätze starr, drei starr, zwei einzeln verschiebbar. Dahinter 362 bis 403 Liter Standardkofferraum, bis zu rund 1.200 maximal. Und wer in der Optionsliste Richtung maximal wildert, kann den EV2 mit Wärmepumpe, Sitzventilation, Glasdach, Kartennavigation mit ladestrategischer Routenführung, KI-Assistenz, digitalen Autoschlüssel, Videostreaming, Rundumsichtkamera und mehr aufbrezeln.
Ordentlicher Komfort, taube Lenkung
Wir brezeln derweil über portugiesische Landstraßen und registrieren den ordentlichen Komfort des mit einer Verbundlenkerachse und konventionellen Dämpfern ausgerüsteten 1,6-Tonner. Er rollt mit seinen 18-Zöllern angenehm ab, schluckt Unebenheiten mindestens klassengerecht bei akkurater Karosseriekontrolle. Die Lenkung fühlt sich dagegen immer etwas indifferent und rückmeldungsarm an, was man schon beim Herumkurven in Stadt, vor allem aber auf Landstraße und Autobahn spürt. Hier darf ein vollwertiges Erstauto wie der Ev2 ruhig mehr Feedback geben, über das was an den Vorderrädern passiert.
Sicheres Handling, akkurate Rekuperation
Das generelle Fahrverhalten jedoch passt und lässt und lässt mit unterschiedlichen Modi zwischen Komfort, Reichweite und Sport anpassen – einfach wählbar unter anderem per Sprachsteuerung. Ebenfalls wählbar: das Rekuperationsmanagement von freiem Rollen bis One Pedal. Praktisch: der Kia speichert die gewählte Einstellung des I-Pedal und das Pedalgefühl passt ebenfalls. Ebenso wie die Leistung der permanent erregten Synchronmaschine. Statt mit massivem E-Punch zu überraschen, wie manch andere Kompakt-Stromer schieben die 250 Newtonmeter dosierbar und entspannend an. Immerhin: für Beschleunigungszeiten von 8,7 Sekunden mussten früher bisweilen Typen im Trainingsanzug mit Rallyestreifen ran.
Laden mit bis zu 22 kW AC oder 118 kW DC
Wenn der Kia an der Ladesäule ran muss, erledigt er das an der Wallbox je nach Version (oder gegen Aufpreis) mit bis zu 22 kW, am Schnelllader saugt er mit 118 kW, schafft zehn auf 80 Prozent Akku in einer halben Stunde. Überdies beherrscht er neben bedienungsfreundlichem Plug and Charge auch bidirektionales Laden, kann also per interner Steckdose externe Verbraucher bedienen oder je nach Ausstattung sogar als mobiler Stromspeicher (Vehicle to grid) herhalten.
Fehlen nur noch die Anhänger, die entweder bis zu 750 Kilogramm schwer sein dürfen oder mindestens 26.600 Euro überweisen.
