Elektro-Kleinwagen aus China besser als Golf
Ein günstiger E-Kleinwagen aus China schlägt den historischen Verkaufsrekord des VW Golf. In nur zwei Jahren wurden eine Million Geely EX2 verkauft.
Der Geely Galaxy Xingyuan (international auch als Geely EX2 bezeichnet, in Deutschland als E2 angeboten) wurde im Oktober 2024 vorgestellt. Zwei Jahre später lief bereits das einmillionste Auto vom Band. Für 2025 nennt Geely einen Jahresabsatz von 465.775 Einheiten, zugleich beansprucht der Hersteller damit Platz eins im China EV Markt über alle Segmente. In Deutschland bezeichnet Geely das Auto als "aktuell erfolgreichsten Kleinwagen der Welt". Damit schlagen die Chinesen einen historischen Verkaufserfolg: Beim VW Golf I begann die Serienproduktion im März 1974, im Mai standen die ersten Fahrzeuge bei Händlern. Volkswagen feierte die Produktion des einmillionsten Golf im Oktober 1976 – also "erst" rund zweieinhalb Jahre nach dem Produktionsstart.
Zum Tempo passt auch eine weitere Zahl, die Geely selbst verbreitet: Aktuell werde "jede Minute" ein EX2 verkauft. Nicht zuletzt wegen der niedrigen Kosten: In China liegt der Preis nach dem ersten Facelift bei umgerechnet rund 8.000 Euro. Für ein Elektroauto im A/B-Segment ist das ein Niveau, das in Europa in dieser Form derzeit nicht angeboten wird. Bei uns soll das Auto, unter dem Namen E2, ab 19.900 Euro kosten.
Stabile Technik
Geely baut den EX2 als Stromer auf der eigenen GEA-Architektur. Ein auffälliger Punkt für diese Klasse ist die von Geely genannte Kombination aus Heckantrieb und Multi-Link-Hinterachse. Während viele günstige Stadtautos auf einfachere Fahrwerkslösungen setzen, soll diese Konstruktion Stabilität und Fahrgefühl verbessern.
Auch der Antrieb ist auf hohe Integration ausgelegt: Geely nennt das "11-in-1"-E-Antrieb. Solche Baugruppen wirken wie ein Schweizer Taschenmesser im Motorraum – viele Funktionen in einem Modul, was Bauraum und Komplexität reduzieren kann. Zusätzlich gibt Geely einen minimalen Wendekreis von 4,95 Metern an, passend für dichten Stadtverkehr.
Die Verpackung des Autos zielt klar auf Alltag und Nutzen statt Prestige. Genannt werden ein 70-Liter-Frunk, 375 bis 1.320 Liter Kofferraumvolumen sowie 36 Staufächer im Innenraum. Dazu kommt laut Geely eine üppige Kniefreiheit hinten von 890 Millimetern, die das Auto vom A/B-Segment in Richtung größerer Klassen rücken soll.
Software und Assistenz
Bei der Bedienung setzt Geely auf das Cockpit-System Flyme Auto. Zentral ist ein 14,6-Zoll-Display, das Geely als größtes der Klasse einordnet. Der Ansatz: ein preiswertes Auto, das sich digital nicht billig anfühlt – ähnlich wie ein günstiges Smartphone, das über seine Oberfläche Premium-Anspruch vermittelt.
Für das Thema Sicherheit und Komfort nennt Geely 12 Assistenzfunktionen (ADAS). Welche Funktionen das im Detail sind, führt der Hersteller in der Meldung nicht einzeln aus, die Zahl zeigt aber, dass Assistenzsysteme auch im Einstiegsbereich zur Verkaufslogik gehören. Im Wettbewerb um Stückzahlen werden digitale Features so zum Pflichtprogramm.
Damit verschiebt sich der Begriff "Basismodell": Beim EX2 geht es weniger um reduzierte Technik, sondern um gezielte Auswahl. Große Displays, integrierte Softwareplattform und Assistenzfunktionen sollen den Nutzen im Alltag sichtbar machen, ohne dass teure Materialien oder starke Motorisierung im Vordergrund stehen.
Batterie und Reichweite
Als Energiespeicher verwendet Geely Batterien von CATL. Die Reichweite geben die Chinesen mit 310 bis 480 Kilometern nach der örtlichen CLTC-Norm an. CLTC-Verbrauchswerte fallen typischerweise optimistischer aus als europäische WLTP-Werte – als Vergleichsmaßstab für Deutschland taugt die Spanne daher nur eingeschränkt. Die WLTP-Werte wirken realistischer: 252 Kilometer mit der kleineren Batterie und 345 Kilometer mit dem größeren Akku.
Für Europa bleibt beim EX2 ohnehin nur ein wehmütiger Blick auf das chinesische Preisschild. Als E2 wird der Kleinwagen von Geely in Deutschland mit einer 35-kWh-Batterie und 60 kW Ladeleistung ab 19.900 Euro angeboten. Mit der größeren 47 kWh-Batterie und 80 kW Ladeleistung steigen die Tarife des dann 85 kW (Basis: 60 kW) leistenden E2 auf mindestens 23.990 Euro. Hier geht es zu unserem ersten Fahrtest mit dem Geely E2.
