Zwölf Jahre nach Sotschi: Biathlon-Staffel erhält Gold
In Antholz bekommen Erik Lesser, Daniel Böhm, Arnd Peiffer und Simon Schempp ihren großen Moment. Es ist das Ende eines langen Prozesses.
Arnd Peiffer hüpfte zusammen mit seinen Teamkollegen mit einem großen Satz auf das oberste Podest, dann sang das Quartett inbrünstig die deutsche Nationalhymne. Die Biathlon-Staffel mit Erik Lesser, Daniel Böhm, Peiffer und Simon Schempp hat zwölf Jahre nach den Olympischen Winterspielen in Sotschi offiziell Gold erhalten. IOC-Mitglied Michael Mronz überreichte am Sonntag vor fast 20.000 Fans im ausverkauften Antholzer Stadion zwischen den beiden Verfolgungsrennen die Medaillen an das damalige Aufgebot des Deutschen Skiverbandes (DSV).
"Das war der beste Rahmen, den wir uns unter den Umständen hätten wünschen können. Bei Olympia, viele deutsche Fans, super Wetter. Das hat schon alles perfekt gepasst", sagte Böhm: "Der Moment vor zwölf Jahren wäre schöner gewesen, aber das war jetzt wirklich nochmal was ganz Besonderes."
In Russland hatten Deutschlands Biathleten um lediglich 3,5 Sekunden den Olympiasieg verpasst, hinter dem Gastgeber Silber gewonnen. Jahre später wurde der russische Staffelteilnehmer Jewgeni Ustjugow wegen eines Dopingvergehens gesperrt, alle seine Ergebnisse zwischen 2010 und 2014 wurden annulliert. Nach Jahren des Wartens und Einsprüchen Ustjugows beschloss die Exekutive des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) dann im September 2025 die Neuvergabe der Medaillen.
"Diese Goldmedaille ist ein starkes Zeichen für die Glaubwürdigkeit des Sports", sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert: "Auch wenn unsere Athleten viel zu lange auf diesen Moment warten mussten, zeigt sich am Ende: Fairness und saubere Leistung setzen sich durch." Für das Quartett sei es "ein besonderer, verdienter Augenblick und für den deutschen Sport insgesamt ein wichtiges Signal".
In seinem Kopf könne mit der Goldmedaille "tatsächlich ein Schlussstrich" unter seine sportliche Karriere gezogen werden, hatte der zweimalige Weltmeister Lesser dem SID im Vorfeld der Siegerehrung gesagt: "Die Fragen zu Sotschi hören dann auf, weil es erledigt ist, die Entscheidung ist getroffen."
Neben der Goldmedaille durften sich Lesser, Böhm, Peiffer und Schempp auch über einen finanziellen Bonus von jeweils 5000 Euro freuen. Die Stiftung Deutsche Sporthilfe zahlte nachträglich die Differenz der Medaillenprämie von Silber (15.000 Euro) zu Gold (20.000 Euro) aus.
Neben dem DSV-Quartett durfte sich auch der frühere Seriensieger Martin Fourcade in Antholz über eine weitere Goldmedaille freuen. 2010 in Vancouver hatte der Franzose im Massenstart Platz zwei hinter Ustjugow belegt. Für Fourcade ist es das sechste Gold, mehr hat keine andere Sportlerin und kein anderer Sportler seines Landes bei Olympischen Sommer- und Winterspielen gewonnen.