Vom Feuerball am Himmel zum Meteorit im Schlafzimmer
Aus dem Weltall als Feuerball über den Himmel und dann als Splitter in ein Haus in Koblenz: Ein Meteorit ist im rheinland-pfälzischen Koblenz in ein Hausdach gekracht. Bei dem Einschlag am Sonntagabend entstand nach Angaben des Landesamtes für Brand- und Katastrophenschutz ein etwa fußballgroßes Loch.
Alles deutet darauf hin, dass es ein Objekt von einer besonderen und seltenen Größe war, sagte Richard Moissl von der europäischen Raumfahrtbehörde Esa. Der Meteoroid beim Eintritt in die Erdatmosphäre werde auf etwas mehr als einen Meter Durchmesser geschätzt. "Das passiert weltweit im Schnitt einmal alle ein bis zwei Jahre", sagte der Experte. Über Deutschland sei das sehr selten. "Ich werde das zu Lebzeiten wohl nicht mehr sehen", sagte Moissl.
Sechs Sekunden Spektakel
Um kurz vor 19 Uhr erschien der Feuerball am Sonntag am Himmel. Für etwa sechs Sekunden zog er einen glühenden Schweif hinter sich her, bis er mehrfach stark aufflackerte und mit knallenden Geräuschen zerbarst. Dann erlosch das Spektakel wieder.
"Wenn so etwas in die Erdatmosphäre rast, blitzt es ganz schön", sagte der Asteroidenexperte Detlef Koschny von der Technischen Universität München. Auf seinem Ritt über die Erde staue der Brocken eine Wand aus immer dichter und heißer werdender Luft vor sich auf. "Das ist wie die Schockwelle vor einem Düsenjäger mit Überschallgeschwindigkeit." Das Objekt rase in der Regel mit einem Tempo von mehr als elf Kilometern pro Sekunde auf die Erde.
"Der Druck, der sich dann vor diesem Objekt aufbaut, führt irgendwann zum Bruch, dann platzt das Ding auseinander. Das meiste wird Staub und bleibt in der Atmosphäre", sagte Koschny. Andere Teile könnten auf die Erde fallen. Das Material an sich sei ungefährlich.
Die Feuerkugel am Himmel ist einer Expertin zufolge auch aus großer Entfernung noch sichtbar gewesen. Sie zog aus dem Südwesten über Frankreich, Belgien und Luxemburg nach Deutschland. Hunderte Kilometer entfernt habe man sie noch sehen können, sagte Carolin Liefke, stellvertretende Leiterin am Haus der Astronomie in Heidelberg. Es habe auch Sichtungen in den Niederlanden und der Schweiz gegeben.
Menschen waren im Haus
Meteoriten sind abgesplitterte Teile eines Meteors, die auf der Erde landen. Ein Teil traf in Koblenz erst das Dach und dann das Schlafzimmer des Hauses - verletzt wurde aber niemand. "Es waren auch Personen in dem Gebäude, aber nicht innerhalb dieses Raumes", sagte Benjamin Marx, der Einsatzleiter der Feuerwehr Koblenz. Weitere Schäden aus anderen Orten waren zunächst nicht bekannt.
Die Feuerwehr war mit mehreren Kräften in Koblenz im Einsatz und sicherte nach dem Einschlag zunächst die Lage. Man habe den Meteoriten auf chemische Substanzen und nukleare Strahlung getestet, sagte Marx. "Da haben wir nichts festgestellt." Die Polizei und Feuerwehr stellten die Steine sicher, wie ein Polizeisprecher in Koblenz sagte. Derzeit werde geprüft, wie es mit den Meteoriten weitergeht.
Dennis Harris, Meteoriten-Wissenschaftler und Geochemiker, reiste spontan nach Koblenz, sprach von einem "Glücksfall" und zeigte sich begeistert: "Das sind für uns Objekte, die wissenschaftlich hochinteressant sind." Aus seiner Sicht sei es sehr wichtig, die Fundstücke direkt untersuchen zu lassen. Es sei eine Besonderheit, dass die Meteoriten ohne Kontamination - also ohne Kontakt mit Regen oder Böden - sichergestellt werden konnten. "In den seltensten Fällen wird überhaupt etwas gefunden, also meistens landen die einfach irgendwo auf einem Acker, in einem Wald und es ist sehr schwierig, die dann wirklich zu finden", sagte Harris.
Keine Vorwarnung für besorgte Bürger
In Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen wandten sich besorgte Bürger an Polizei und Feuerwehr. Teils gab es Befürchtungen, es könnte sich um eine Rakete handeln.
Eine Warnung an die Bevölkerung gab es vorher nicht. Denn: "Der Eintritt kam überraschend", sagte Esa-Experte Moissl. Für die Programme zur Himmelsdurchmusterung sei es zu diesem Zeitpunkt am Tag wohl noch zu hell gewesen. "Der Himmel wird von den Programmen jede Nacht abgesucht. Aber tagsüber kann man ja selbst mit einem Teleskop nichts erkennen, da ist so viel Streulicht von der Sonne, dass man die kleinen Himmelskörper gar nicht sehen würde."
Wäre der Meteoroid, wie das Objekt vor dem Eintritt in die Erdatmosphäre heißt, drei Stunden früher entdeckt worden, hätte das Bundesamt für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz die Menschen informieren können. "Dann wäre die Last auf den Notrufleitungen bei Polizei und Feuerwehr nicht so groß gewesen." Verhindert werden könnten die Einschläge erst ab einer Größe der Objekte von etwa 50 Metern mit genügend Vorlaufzeit und der Hilfe einer Weltraummission.
Meteoriteneinschlag passiert selten
Meteoriteneinschläge auf der Erde sind sehr selten. In Deutschland fielen im April 2023 bei Elmshorn mehrere Teile eines Meteoriten zu Boden. Das größte Fragment war ein rund 3,7 Kilogramm schwerer Brocken, der von Wissenschaftlern untersucht und später ausgestellt wurde. Er galt damals als das schwerste gefundene Meteoritenstück seit rund 100 Jahren in Deutschland.