So repariert sich Windows 11 jetzt selbst
Quick Machine Recovery – so repariert sich Windows 11 jetzt selbst
Wir beschreiben die Funktionsweise von Quick Machine Recovery und zeigen, wie Du das Tool von Microsoft aktivieren und nach Deinen Wünschen konfigurieren kannst.
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Was ist Quick Machine Recovery?
Quick Machine Recovery (QMR) ist ein cloudgestützter Reparaturdienst von Microsoft. Das Feature hat der Softwarekonzern gezielt entwickelt, um Probleme zu lösen, die beim Hochfahren von Windows 11 entstehen. Dabei kann es sich etwa um Boot-Schleifen oder die berüchtigten Blue Screens handeln. Microsoft hat den neuen Selbstheilungsdienst im Deutschen auf den Namen Schnelle Maschinenwiederherstellung getauft.
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Seit wann gibt es QMR?
Microsoft hat mit der Verteilung von Quick Machine Recovery mit dem optionalen Update KB5062660 für die Windows 11-Version 24H2 begonnen. Auf viele Computer gelangte QMR mit dem Sicherheitsupdate im August 2025. Im folgenden Monat ersetzte die Schnelle Maschinenwiederherstellung schließlich in der Windows-Wiederherstellungsumgebung – im Englischen Windows Recovery Environment (WinRE) genannt – den Dienst Startreparatur. Diesen aktivierte Windows bislang automatisch, wenn das Betriebssystem nicht (richtig) hochfuhr.
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Was sind die wichtigsten Komponenten von Quick Machine Recovery?
Grundlage von QMR ist die bereits erwähnte Windows Recovery Environment. Diese dient nach mehreren fehlgeschlagenen Bootvorgängen als Basis für die Wiederherstellung. Für das weitere Vorgehen sind Cloud Remediation und Auto Remediation verantwortlich. Cloud Remediation ermöglicht es, Lösungen aus dem Internet herunterzuladen und anzuwenden. Auto Remediation legt hingegen entsprechend der Vorgaben fest, ob und wie oft der Prozess gegebenenfalls automatisch wiederholt wird.
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Es ist allerdings zu beachten, dass Quick Machine Recovery nicht auf allen Computern standardmäßig aktiviert ist. Das gleiche gilt für Cloud Remediation und Auto Remediation. So sind in den Versionen Windows 11 Pro und Windows 11 Enterprise beide Features standardmäßig abgeschaltet. Bei Windows 11 Home ist lediglich Cloud Remediation aktiviert. Hier müssen Nutzer also gegebenenfalls Anpassungen vornehmen.
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Wie funktioniert Microsofts Schnelle Maschinenwiederherstellung?
Schlagen mehrere Bootversuche von Windows 11 nacheinander fehl, wechselt das Betriebssystem automatisch zur WinRE. Hier startet dann – wenn das Tool aktiviert ist – QMR und sucht nach einer Netzverbindung. Dabei versucht das Tool zunächst eine Verbindung via LAN bzw. Ethernet und erst wenn das nicht möglich ist, über WPA- oder WPA2-WLAN herzustellen.
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Gelingt die Verbindung, sendet die Software zunächst Diagnosedaten bezüglich des Problems an Microsoft und überprüft dann, ob bereits eine Problemlösung („Fix“) existiert. Ist das der Fall, gelangt diese via Windows Update auf Deinen Computer und es erfolgt ein Neustart Deines Systems. Funktioniert dieser, ist der Prozess beendet. Andernfalls kommt es – bei entsprechender Konfiguration – zur regelmäßigen Suche nach Problemlösungen.
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Ist der Dienst Startreparatur mit QMR obsolet?
Die Startreparatur hat als integriertes Windows-Wiederherstellungstool weiterhin ihre Berechtigung. Dabei ist sie nicht nur das Mittel der Wahl, wenn Quick Machine Recovery deaktiviert ist. Sie kommt auch zum Einsatz, wenn keine Netzverbindung zustande kommt. Damit ist die Schnelle Maschinenwiederherstellung – zumindest derzeit – weniger Ersatz, sondern vielmehr Ergänzung für die Startreparatur. Denn diese kann eben auch ohne Internetverbindung typische Probleme – wie fehlende, unvollständige oder beschädigte Start- bzw. Systemkonfigurationsdateien – aufspüren sowie teilweise für Abhilfe sorgen.
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QMR: Was das Tool leisten kann, was nicht
Ohne Verbindung zum Internet kann die Schnelle Maschinenwiederherstellung Probleme nicht beheben. Dabei unterstützt das Tool sowohl eine Verbindung über Kabel als auch WPA und WPA2 – jedoch nicht WPA2 Enterprise. Hilfe gibt es in erster Linie bei bekannten Problemen, für die auf den Servern von Microsoft eine Lösung vorhanden ist. Bis ein passender Fix bereitsteht, kann einige Zeit vergehen, sodass sich die Aktivierung von Auto Remediation lohnt. Bei individuelleren Problemen stößt QMR hingegen oft an Grenzen und kann bei Nutzerdaten generell nicht helfen.
So kannst Du die Schnelle Maschinenwiederherstellung einschalten
Wahrscheinlich ist QMR auf Deinem PC nicht standardmäßig eingeschaltet. Verwendest Du mindestens die Version 24H2 von Windows 11, kannst Du das praktische Tool aber ganz einfach aktivieren. Klicke dazu zunächst auf das Startmenü und dann auf das Zahnrad-Icon „Einstellungen“. Wähle in dem sich daraufhin öffnenden Fenster in der linken Seitenleiste „System“ und im Untermenü anschließend „Wiederherstellung“. Im nächsten Fenster musst Du jetzt nur noch den Eintrag „Schnelle Maschinenwiederherstellung“ anklicken und im Untermenü den obersten Schieberegler auf „An“ stellen. Jetzt sucht Dein PC bei wiederholten Startproblemen im Netz immer weiter nach Lösungen. Dazu muss der Computer aber natürlich angeschaltet sein.
Für Durchschnittsnutzer: Quick Machine Recovery ganz einfach konfigurieren
Jetzt ist QMR zwar aktiviert. Du kannst – und solltest – die Funktion aber noch an Deine Wünsche anpassen. Das kannst Du direkt in dem Fenster erledigen, in dem Du das Feature eingeschaltet hast. Aktivierst Du den nächsten Schieberegler, veranlasst Du Windows, nach einer erfolglosen Suche den Suchvorgang fortzusetzen. Das ist empfehlenswert, da Microsoft manchmal etwas Zeit benötigt, um ein fehlerhaftes Update zu korrigieren bzw. einen Fix bereitzustellen.
Die nächsten Einstellungen musst Du nur dann vornehmen, wenn Du Dich dafür entschieden hast, besagten Schieberegler auf „Ein“ zu stellen. Hier kannst Du zunächst festlegen, in welchen Intervallen die erneute Suche nach Lösungen für bestehende Probleme erfolgen soll. Microsoft empfiehlt, zwischen den einzelnen Versuchen 30 Minuten zu warten. Alternativ lassen sich hier auch Zeitspannen von 10 Minuten bis 12 Stunden festlegen.
Bekanntlich funktionieren viele Anpassungen und Reparaturen bei Windows nicht sofort, sondern erst nach einem Neustart des Systems. Wie häufig dieser erfolgen soll, kannst Du abschließend unter „Neustart alle“ noch festlegen. Die Empfehlung beträgt hier relativ lange 72 Stunden. Du hast aber auch die Möglichkeit, einen schnelleren Rhythmus – bis zu 3 Stunden (180 Minuten) – vorzugeben.
Welche Einstellungen solltest Du vornehmen? Wir empfehlen auf jeden Fall, QMR zu aktivieren. Falls Du nicht ganz sicher bist, sind die von Microsoft vorgeschlagenen Intervalle vollkommen in Ordnung. Fortgeschrittene User können die Werte aber auch präziser an ihre Bedürfnisse anpassen.
Für fortgeschrittene Nutzer: Konfiguration von QMR via XML in der Eingabeaufforderung
Apropos fortgeschrittene User: Diese können Quick Machine Recovery auch über die Eingabeaufforderung mit Administratorrechten konfigurieren. Gib dafür zunächst den Befehl „reagentc.exe/getrecoverysettings“ ein. Windows 11 zeigt Dir als Antwort die Einstellungen für die Wiederherstellung in XML an. Dabei handelt es sich um eine sowohl für Maschinen als auch für Menschen lesbare Auszeichnungssprache.
Um selbst eine Konfiguration vorzunehmen, kannst Du nun eine Datei im XML-Format erstellen, bei der Du unter anderem Angaben zu WLAN und Abrufintervallen machst. Das Ergebnis könnte beispielsweise so aussehen:
“<?xml version=’1.0′ encoding=’utf-8′?>
<WindowsRE>
<WifiCredential>
<Wifi ssid=”IhrSSID” password=”IhrPasswort” />
</WifiCredential>
<CloudRemediation state=”1″ />
<AutoRemediation state=”1″ totalwaittime=”240″ waitinterval=”120″ />
</WindowsRE>
Diese oder eine ähnlich gestaltete Datei kannst Du via „reagentc.exe/setrecoverysettings/path C:\QMRconfig.xml“ einfügen. Mit „reagentc.exe/getrecoverysettings“ lassen sich die Werte prüfen. Bei Problemen ist es zudem möglich, die Windows-Wiederherstellungsumgebung über die Befehle „reagentc.exe/disable“ bzw. „reagentc.exe/enable“ aus- bzw. einzuschalten.
Für Unternehmen und Organisationen: Steuerung von Quick Machine Recovery mit Intune
Unternehmen und Organisationen haben oft andere Bedürfnisse als Privatnutzer. Sie streben beispielsweise in der Regel nach konsistenten Einstellungen auf allen Geräten. Deswegen ist es hier sinnvoll, QMR anders zu konfigurieren. Dafür bietet sich Intune, Microsofts Softwarelösung für eine einheitliche Endgeräteverwaltung, an. Dabei können Admins wahlweise den Settings Catalog oder RemoteRemediation CSP nutzen.
Der Name des Pfads ist „./Vendor/MSFT/RemoteRemediation/CloudRemediationSettings“. Bei Intune ist ein Profil für Windows 10 oder aktueller vom Typ „Settings Catalog“ erforderlich. Unter „Remote Remediation“ muss „Enable Cloud Remediation“ und sollte „Enable Auto Remediation“ aktiviert sein. Nun gilt es noch, einige WLAN-Werte einzutragen, nämlich für:
-Network SSID
-Network Password
-Network Password Encryption Type
-Network Password Encryption Store.
Die Intervalle für eine erneute Lösungssuche und das Neustarten des Systems definierst Du anschließend mit „Set Retry Interval“ bzw. „Set Time To Reboot“.
Fast fertig. Nun gilt es noch, die definierten Richtlinien den Endgeräten zuzuweisen. Manchmal ist das nicht direkt möglich. Dann hilft eine OMA-URI wie „./Device/Vendor/MSFT/RemoteRemediation/CloudRemediationSettings/EnableCloudRemediation“. Der Datentyp muss „Boolean“ und der zugewiesene Wert „True“ sein. Analog gehst Du vor bei:
-./Device/Vendor/MSFT/RemoteRemediation/CloudRemediationSettings/AutoRemediationSettings/EnableAutoRemediation
-./AutoRemediationSettings/SetTimeToReboot
-./AutoRemediationSettings/SetRetryInterval”.
Generell empfiehlt sich das Hinterlegen der Zugangsdaten für das WLAN im Unternehmensnetz oder die Nutzung einer gesicherten Ethernet-Verbindung. Außerdem sollten Verantwortliche sich bewusst sein, dass Microsoft im Zuge des QMR-Verfahrens Zugang zu einigen Informationen erhält – in erster Linie Telemetrie- und Crashdaten. Dennoch können Unternehmen und Organisationen, die Windows 11 Pro oder Windows 11 Enterprise nutzen, von der Verbindung von QMR und Intune sowie der Definition einheitlicher Regelungen bezüglich Such- und Neustartintervallen profitieren.
So kannst Du Schnelle Maschinenwiederherstellung testen
Du hast QMR aktiviert und nach Deinen Wünschen konfiguriert. Aber funktioniert das Tool wirklich wie gewünscht oder hat sich irgendwo ein Fehler eingeschlichen? Um das zu überprüfen, hat Microsoft einen Testmodus – die Simulation eines Systemabsturzes – entwickelt.
Dazu musst Du zunächst die Eingabeaufforderung mit Admin-Rechten starten. Den Testmodus aktivierst Du mit dem Befehl „reagentc.exe/SetRecoveryTestmode“. Damit Dein PC nach dem Booten zur Windows Recovery Environment wechselt, gibst Du danach „reagentc.exe/BootToRe“ ein. Jetzt ist es Zeit für den Neustart Deines PCs. Die Windows-Wiederherstellungsumgebung sollte nun „Test Mode“ anzeigen, die Problemdiagnose starten, eine Netzverbindung aufbauen und nach Lösungen suchen. Anschließend startet Windows Deinen Computer neu. Wenn Du die Remediation eingeschaltet hast, findest Du im Verlauf der Windows-Updates einen QMR-Eintrag.
Was ist aber, wenn Dein System den Test nicht durchläuft und lediglich die Windows-Wiederherstellungsumgebung startet? Dann solltest Du zunächst die WinRE mit einem Klick auf „Weiter“ schließen. Danach ist es Zeit für einen Neustart von Windows 11 und für einen Reset der Wiederherstellungsumgebung. Das funktioniert mit den Befehlen „reagentc.exe/disable“ und „reagentc.exe/enable“ in der Eingabeaufforderung. Bei einem erneuten Testdurchlauf sollte nun alles funktionieren.
Alternativ lässt sich Quick Machine Recovery auch von Hand starten. Dazu benötigst Du allerdings Zugang zu den erweiterten Startoptionen. Drücke und halte dafür den Power-Knopf, während das Windows-Logo beim Hochfahren erscheint. Dieser Vorgang heißt auch „hartes Abschalten“. Wiederhole den Vorgang dreimal. Beim dritten Reboot lotst Dich das System zur Windows-Wiederherstellungsumgebung. Gehe zunächst zu „Problembehandlung“ und dann zu „Erweiterte Optionen“. Ist die Schnelle Maschinenwiederherstellung eingeschaltet, kannst Du das Feature auswählen. Ansonsten bietet Windows nur die klassische Startreparatur an, sodass Du QMR wie skizziert aktivieren musst.
Was tun, wenn QMR das Problem nicht lösen kann?
Falls fehlerhafte Systemdateien die Ursache für die Startschwierigkeiten sind, Windows aber noch startet, gibt es eine weitere Möglichkeit, Abhilfe zu schaffen. Starte dafür die Eingabeaufforderung mit Administratorrechten und gib hier „DISM.exe/Online/Cleanup-Image/RestoreHealth“ ein. Damit stellt Dein System die Dateien bereit, die für die Reparatur beschädigter Systemdateien notwendig sind. Gib anschließend „sfc/scannow“ ein. Dieser Befehl überprüft die Systemdateien und ersetzt kaputte Versionen. Wenn auch das nichts hilft, bietet die erweiterte Startumgebung noch die Systemwiederherstellung oder – als letzten Ausweg – den Reset auf die Werkseinstellungen als Lösungen.