So machen Sie aus Ihrem Transporter ein Wohnmobil
Mit modularen Möbeln können Sie Ihren großen Van in wenigen Handgriffen zum Campingbus umbauen. Ein Marktüberblick.
Wer an modulare Camping-Ausbauten denkt, hat meist die Klassiker vor Augen: VW T6, V-Klasse oder Familienvans. Doch die wahre Revolution passiert gerade bei den großen Transportern. Fiat Ducato, Peugeot Boxer, Citroën Jumper, Mercedes Sprinter oder MAN TGE – diese Fahrzeuge waren lange nicht im Fokus der Selbstausbau-Fans. Zu groß, zu unhandlich. Doch das ändert sich.
Seit einigen Jahren drängen immer mehr Hersteller mit cleveren Lösungen auf den Markt. Modulare Systeme, die sich nachrüsten lassen, ohne gleich das ganze Fahrzeug umbauen zu müssen. Der Clou? Sie passen sich an – je nachdem, ob Sie gerade zur Arbeit fahren, einen Wochenendtrip planen oder wochenlang unterwegs sind. Mal ist der Innenraum ein schicker Arbeitsplatz, mal ein gemütliches Wohnzimmer auf Rädern.
Ob praktische Küchenzeile, die sich mit einem Handgriff entfaltet, ein Bett, das tagsüber unsichtbar bleibt, oder ein Schreibtisch, der sich im Nu in eine gemütliche Sitzgruppe verwandelt – beim Selbstausbau entscheiden Sie, was Sie brauchen. Die neuen Module sind nicht nur clever konstruiert, sondern auch leicht und vor allem anpassungsfähig.
Campermanufaktur Berlin: Individuelle Ausbauten mit modularer DIY‑Komponente
Ein Sonderfall unter den Anbietern ist die Campermanufaktur Berlin. Das Unternehmen aus Berlin bietet modulare Möbelmodule an, die sich direkt in Kastenwagen mit Stehhöhe wie Fiat Ducato, Mercedes Sprinter, Ford Transit, Peugeot Boxer oder baugleichen Modellen einbauen lassen. Die Module sind für den Selbstausbau konzipiert, sodass kein vorheriger fest installierter Innenausbau notwendig ist – Nutzerinnen und Nutzer können ihren Innenraum individuell gestalten und die Möbel selbst im Fahrzeug einbauen.
Die modulare Serie umfasst über 17 Möbelmodule und mehr als 30 realisierbare Layoutvarianten, die Bereiche wie Schlafen, Sitzen, Küche und Stauraum abdecken. Die Module sind weitgehend fahrzeugunabhängig und mit wenig Werkzeug installierbar, was die Integration in den Innenraum erleichtert.
Zum Einsatz kommt leichtes Leichtholz‑Multiplex, das gegenüber herkömmlichen Holzplattensystemen eine Gewichtsersparnis von bis zu etwa 50 % ermöglicht. Die Möbelmodule werden als Bausatz angeboten, den Nutzerinnen und Nutzer als Basis ihrer DIY‑Camperausbauprojekte nutzen können.
Neben den DIY‑Möbelmodulen bietet die Campermanufaktur Berlin auch klassische Ausbau‑Services wie Teilausbauten und komplette Innenausbauten an, bei denen das Fahrzeug nach individuellen Konzepten ausgebaut wird.
- Kostenpunkt: Einzelne Möbelmodule im mittleren bis oberen vierstelligen Bereich (z. B. ab ca. 6.290 Euro für Schlaf‑ bzw. Sitzmodule).
KIUBIQ: Modulares Steck-Ausbausystem für den Ducato
Das Konzept von KIUBIQ ist ein sogenanntes "Camping Möbelkit" für den Fiat Ducato (L1–L3) und baugleiche Modelle. Es wird als modulares Steck- bzw. Boxensystem angeboten und kann ohne dauerhafte Veränderungen am Fahrzeug montiert werden. So bleibt der Transporter alltagstauglich, während das Interieur bei Bedarf zum vollwertigen Camper wird – ganz ohne festen Ausbau.
Das KIUBIQ-System basiert auf einem durchdachten Baukastensatz aus hochwertigem Multiplex-Holz, der flach verpackt geliefert und im Fahrzeug einfach zusammengesteckt werden kann. Die einzelnen Boxen sind leicht, stabil und vollständig rückbaubar; sie lassen sich je nach Bedarf auch außerhalb des Fahrzeugs verwenden – als Regale, Sitzmöbel oder Stauraum.
Im Zentrum steht ein flexibles Raumkonzept: Das Möbelkit umfasst unter anderem ein Schlafsystem im Heck mit modularen Matratzen, das in verschiedenen Konfigurationen als Doppelbett, zwei Einzelbetten oder sogar als Lounge-Sofa genutzt werden kann. Ergänzend gibt es Boxmodule für Stauraum, Sitzbänke und eine Küchenlösung, die Platz für eine Kühlbox, ein Induktionskochfeld und auf Wunsch eine Spüle bietet.
Der modulare Aufbau erlaubt eine hohe Variabilität: Durch einfaches Anpassen der Boxen können Sitz-, Schlaf- oder Wohnbereiche neu arrangiert werden, ohne feste Möbel oder eingebaute Schränke. So bleibt der Ducato im Alltag zum Transporter nutzbar, und bei Bedarf entsteht ein gemütlicher Camper-Innenraum.
Neben dem reinen Möbelkit gibt es in Zusammenarbeit mit Fiat-Händlern auch komplett ausgebaute Fahrzeuge, die zusätzlich zur Möblierung eine Dämmung, Verkleidung, ein 12-V-Elektrikpaket inklusive Solarsystem sowie herausnehmbare Wasser- und Kochkomponenten enthalten – ideal für alle, die nicht selbst montieren wollen.
- Kostenpunkt: Ducato‑Camping‑Set ab etwa 4.400 Euro (inkl. MwSt.; Varianten je nach Fahrzeuglänge und Ausführung), weitere Komponenten (z. B. Holzdeckel für Eurobox, Zubehör) einzeln verfügbar.
QuickOut: Werkzeugloser Wechsel zwischen Alltag und Sport-Freizeit
QuickOut bietet ein modulares System, das Transporter wie Mercedes Sprinter, Fiat Ducato, VW Crafter, Ford Transit oder MAN TGE in wenigen Minuten vom Nutzfahrzeug zum Freizeit-Fahrzeug umwandelt. Das Grundmodul enthält ein manuell höhenverstellbares Hubbett, zwei variable Sitze, einen Tisch, LED-Beleuchtung und einen Kocher. Ergänzt werden kann es durch Waschtisch, zusätzliche Sitze, Tische, Stauräume oder Halterungen für Fahrräder, Motorräder, Quads und anderes sperriges Equipment.
Das System wird über die vorhandenen Verzurrösen im Laderaum befestigt, auf feste Umbauten oder Schrauben wird verzichtet. So bleibt der Transporter unter der Woche als Nutzfahrzeug einsetzbar und kann am Wochenende als Camper genutzt werden. QuickOut eignet sich besonders für Sportler und Freizeitreisende, die ihr Fahrzeug regelmäßig zwischen Arbeits- und Freizeitmodus wechseln wollen.
- Kostenpunkt: Basis‑Freizeitmodul ab ca. 3.000 Euro.
Re:Van: Nachhaltige Möbelmodule für den MAN TGE
Ein spannendes Beispiel liefert das Start-up Re:van, das auf Basis des MAN TGE ein modulares Campervan-Konzept entwickelt hat. Die Module können flexibel kombiniert oder entfernt werden, wodurch sich das Fahrzeug sowohl als Camper als auch als Transporter oder mobiles Büro nutzen lässt. Nachhaltigkeit spielt dabei eine zentrale Rolle: Re:van setzt auf recycelbare Materialien und ein klares, reduziertes Design, das an skandinavische Innenarchitektur erinnert.
Die Basis bildet ein stilvoller Echtholzboden mit Schienensystem. Zur Verfügung stehen dann variable Module, das Küchenmodul – mit 40-l-Kühlschrank, Abwasser und Induktion –, ein Bettmodul fürs Heck – aufstellbar für mehr nutzbaren Stauraum darunter –, Toiletten- und Duschmodul sowie Einzelsitze mit Loungemodus und ein Tischmodul. Für die Stauraummodule besteht außerdem die Möglichkeit, sie auf einen Auszug zu setzen und so leichter vom Heck zugänglich zu machen.
Auch um die Strominstallation kümmert sich Re:Van: Mit 400 Ah Batteriekapazität und Wechselrichter ist man mit seinem modularen MAN TGE bis zu 8 Tage energieautark unterwegs.
Alle Verkleidungselemente sind derweil zerstörungsfrei rückmontierbar, um etwa Karosserieschäden zu beheben oder Änderungen an der Technik vorzunehmen. Über den Radkästen finden Frisch- und Abwasser Platz. 75 Liter Frischwasser sind so mit an Bord und bei sparsamem Einsatz ausreichend für einige Tage der Autarkie.
- Kostenpunkt: vollständiger Ausbausatz (Messe) ca. 145.000 Euro (inkl. Basisfahrzeug ca. 80.000 Euro)
- Weitere Informationen: Modulares Campingbuskonzept Re:Van
VanJorn: Lifestyle-Ausbau für verschiedene Kastenwagen
Auch VanJorn verfolgt einen designorientierten Ansatz. Das niederländische Unternehmen versteht den Camperausbau als Lifestyle-Produkt und bietet maßgeschneiderte Module, die individuell zusammengestellt werden können. Herzstück ist ein Plug-in-System, das ohne feste Verschraubung auskommt und eine schnelle Umrüstung erlaubt. Die klare Linienführung, hochwertige Oberflächen und durchdachte Details zielen dabei bewusst auf ein designaffines Publikum mit einer Vorliebe für verspielte Designs.
Die Ausbauten sind für gängige große Transporter wie Mercedes Sprinter, MAN TGE, Fiat Ducato und baugleiche Modelle konzipiert. Das modulare System basiert auf einzelnen Funktionsbausteinen, die je nach Bedarf kombiniert werden können. Dazu zählen verschiedene Stauraummodule, eine vollwertige Küchenzeile mit Kocher, Spülbecken und Kühllösung sowie ein flexibel nutzbares Bettmodul für den Heckbereich.
Das Bett lässt sich so konfigurieren, dass der darunterliegende Stauraum weiterhin zugänglich bleibt – etwa für Reisegepäck, Sportequipment oder Arbeitsmaterial. Ergänzt wird das Angebot durch Sitz- und Tischlösungen, die den Transporter in einen wohnlichen Aufenthaltsraum verwandeln.
Ein zentrales Merkmal bleibt die Rückrüstbarkeit: Da das Plug-in-System ohne dauerhafte Eingriffe in die Fahrzeugstruktur auskommt, lässt sich der Ausbau bei Bedarf vollständig entfernen. So bleibt der Transporter flexibel als Alltags- oder Nutzfahrzeug einsetzbar.
Besonderheit: Die Webseite von VanJorn bietet einen Konfigurator, der bei der Zusammenstellung der Module visuell unterstützt.
- Kostenpunkt: einzelne Module ca. 1.000 bis 8.000 Euro; vollständiger Ausbau ab ca. 32.000 Euro, voll ausgestattet inkl. Basisfahrzeug ab ca. 70.000 Euro.
- Weitere Informationen: Modulare Camperausbauten von VanJorn
