Ist dieser Caravan nur günstig oder auch gut?
Die Polster in der Sitzgruppe sind bequem, der Tisch groß und standfest, die vielen offenen Ablagen am Platz willkommen, Heizung und Gebläse aber recht nah.
Der Nachfolger des Averso ist günstiger geworden. Das könnte ihm zu Erfolg verhelfen, denn die Anlagen sind gut – noch besser ist nur die Aussicht vom Inselbett durch die großen Seitenfenster.
Die Baureihe B66 ersetzt den Averso und dreht die Preisspirale wieder ein Stück zurück. Freilich basiert der B66 auf dem Averso und dessen acht etablierten Grundrissen. Darunter finden sich die zwei Hubbett-Modelle B66 Plus 510 TK und Plus 520 TS, zwei klassische Stockbett-Wagen für Familien sowie vier Modelle für Paare. Unter Letzterem mischt sich ein Grundriss, der für Bürstner typisch ist: der 485 TS mit zentralem Doppelbett im Bug, auch Queens- oder Inselbett genannt.
Bürstner B66 485 TS
- Schlafplätze: 2+2
- Zul. Gesamtgewicht: 1500–2000 kg
- Länge/Breite/Höhe: 7,43/2,32/2,61 m
- Grundpreis ab: 26.990 Euro
Mit 26.990 Euro kostet der B66 485 TS 3000 Euro weniger als der Averso 485 TS 2025. Dafür hat der B66 jetzt wieder den einfachen Heckleuchtenträger, eine schmalere Tür und ist innen etwas schlichter. Verschwunden sind etliche Sonderausstattungen. So gibt es ab Werk zum Beispiel kein Panoramadachfenster mehr und nur noch zwei Pakete. Geblieben sind die solide Bauweise des Mobiliars, das in Sassenberg penibel zusammengebaut wird, der GfK-Boden mit XPS-Dämmung (dem aber die dünnen Wände in die Wertungsparade fahren) und die variable Sitzgruppe.
Sitzgruppe: Komfort und kleine Schwächen
Dort nehmen wir Platz und registrieren hohen Sitzkomfort durch angenehme Schäume und hohe Rückenlehnen, jedoch auch das ständig verrutschende Sitzpolster am Platz neben der Tür. Der große Tisch steht auf einem schweren, stabilen Teleskopfuß. Durch leichtes Drehen lässt er sich verschieben – was wichtig ist, um auf die linke Bank der Sitzgruppe zu gelangen; die TV-Kommode, die auch die einfache Truma-S-Heizung und zwei Steckdosen beherbergt, ragt weit in den Raum.
Die Engstelle wird noch offenkundiger, wenn man die Rundsitzgruppe zur Dinette umbaut. Dazu wird das Stirnseitenpolster weggenommen, die Tischverlängerung unter dem Fenster eingehängt, abgestützt und der Tisch mit zwei Schnallen daran befestigt. Das bequeme Konstrukt für Freunde des Längslümmelns lässt sich dann aber nicht mehr verschieben.
Leicht erreichbare Ablagen gibt es zuhauf im Heck des 485 TS. Statt Lesespots hängen in den Ecken der Sitzgruppe an Ladesockeln zwei magnetische "Home-Lights", die fokussiertes oder über den Schirm abstrahlendes Licht emittieren. Die Lampen können, vielmehr müssen, mit hinüber ins Schlafzimmer genommen werden, wenn man dort etwas lesen oder sehen will. Denn mehr als eine Lichtleiste über den Dachstauschränken hat Bürstner dort nicht vorgesehen. Die magnetischen Halbkugeln zur Aufnahme der Home-Lights haben am Bett übrigens keine Ladefunktion.
Inselbett mit guter Aussicht und Kompromissen
Das Inselbett misst üppige 1,53 Meter Breite, erreicht aber nicht ganz zwei Meter Länge. Für Matratze und Lattenrost greift Bürstner eher unten ins Regal. Doch trotz nur neun Zentimeter dicker Matratzen und Standard-Holzlattenrost ohne Einstellmöglichkeiten ist das Bett bequem. Eine Besonderheit des 485ers sind die tiefen Seitenfenster, die eine tolle Aussicht vom Bett aus erlauben. Ebenso gut ist aber der Blick von draußen nach drinnen. Da die Rastrollos von oben nach unten schließen und es keine Vorhänge (mehr) gibt, kann man sich nur zwischen "Da schau her" und "Gute Nacht" entscheiden.
Ideal wären hier Duo-Plissee-Rollos, die man stufenlos von unten nach oben schließen kann. Eine weitere Verbesserungsmaßnahme betrifft die Steckdose, die mittig im Betthaupt und damit im Bereich der Kopfkissen montiert ist. Man schlägt also quasi auf Kabel oder Netzteil. Hinter der Bettblende oder in Fächern hinter den Schränken wäre sie besser aufgehoben. USB-Anschlüsse gibt es im Schlafzimmer nicht. Immerhin wurden zwei an der Sitzgruppe installiert.
Für Kleidung hat der 485 TS zwei schmale, beleuchtete Schränke links und rechts des Betthauptes, die durch herausnehmbare Fachböden und Kleiderstangen als Wäsche- und/oder Hängeschränke fungieren. Ohnehin muss man sich auf dem Weg dorthin am Bett vorbeifädeln.
Küche zwischen Qualität und Sparmaßnahmen
In der Küche gefallen die drei stabilen Auszüge, die zwei Steckdosen, die gute Abdichtung der Arbeitsplatte und der wertige, pflegeleichte Drei-Flammen-Gaskocher mit Gussrost und Zünder, gegen den der billige Klapphahn an der Spüle abfällt. Das Volumen der sicher verriegelten Dachstauschränke ist gut. Dass Bürstner auf einen Kompressorkühlschrank setzt, ruft geteilte Meinungen hervor. Fakt ist: Ohne Strom und leichtes Brummen läuft hier nichts. Dafür kühlt das Gerät aus China schnell und zuverlässig. Fakt ist aber auch, dass die Kühlschranktür besser rechts statt links angeschlagen wäre. Praktisch ist das Staufach darunter.
Das hell beleuchtete Bad ohne Dusche erfüllt die wichtigsten Anforderungen: Das Waschbecken liegt gut vor einem, der Platz auf dem Lokus ist ebenso ausreichend wie die Spiegelfläche und der Stauraum in Fächern und den zwei Spiegelschränken. Auf der Wunschliste steht vor allem eine Steckdose. Die nächste ist länger als eine Fönkabellänge entfernt in der Küche.
Apropos Kabel: Die Freude über das nicht zuletzt durch den großen Bug-Frachtraum üppige Stauraumangebot wird getrübt durch den ungeschützten Kabelstrang in der Sitztruhe und die im Laderaum postierte Bluetooth-Wasserwaage.
Das fiel uns auf
(+) Haltbar und mittlerweile selten: Unterboden aus pflegeleichtem GFK und einer Dämmung aus XPS.
(+) Zumindest die beiden vorderen Sitztruhen sind schnell und leicht erreichbar, weil es keinen Deckel gibt.
(+) Solider, großer Gaskasten mit nach oben öffnendem Deckel. Mini-Meckerei: Die Ladekante dürfte niedriger sein.
(+) (-) Kühlschrank mit Kompressor – dadurch weder strom- noch geräuschlos laufend. Und: Tür öffnet falsch herum.
(-) Wenn der Tisch verlängert und nicht mehr verschiebbar ist, ist der Durchgang zwischen Heizung und Sitzgruppe eng.
(-) Uneindeutige und teils unbelegte Taster für Licht und eine Steckdose genau im Kopfkissenbereich des Bettes.
(-) Ungeschützt: Kabelstrang in der Sitztruhe und zentrale Wasserwaage (Bürstner-Connect) im Bettkasten.
(-) LED-Streifen als einzige Lichtquelle im Bug – die Akkulampen müssen von der Sitzgruppe zum Bett mitgenommen werden.
Daten & Messwerte
Karosserie
- Aufbau: Seitenwände Hammerschlag-Alu/EPS/Sperrholz-Sandwich (28 mm), Bug und Heck aus GFK, Dach GFK/EPS/Sperrholz-Sandwich (28 mm), Boden GFK/XPS/Sperrholz-Sandwich (38 mm). Deichselkasten aus ABS, Deckel an Parallelogramm-Beschlag. Einteilige Aufbautür 164 × 55 cm, Einstiegshöhe 50 cm. Serviceklappe vorne rechts.
- Anbauteile: einteiliger Heckleuchtenträger, aufgesetzte Rangiergriffe. Bugelemente aus ABS, integrierte Rangiergriffe.
- Fenster/Hauben: 6 Ausstellfenster mit Rastaufstellern und Rastrollo-Verdunkelung, 2 Dachluken 40 × 40 cm, Bad Dachluke 20 × 20 cm.
Möbel
- Möbel/Beschläge: Sperrholzmöbel. Metallscharniere mit integrierten Federaufstellern an Dachstauschränken, Hakenschnappverschlüsse an Küchenoberschränken. Küchenschubladen mit Pushlocks und Selbsteinzug (Tragfähigkeit 10 kg), Drehstangenschlösser an Kleiderschränken, Fallenschloss Badtür.
Bordtechnik
- Gas/Heizung: Gasheizung Truma S 3004, 12-Volt-Automatikgebläse, 4 Ausströmer (1 × Sitzgruppe, 1 × Eingang, 1 × Bad, 1 × Bett links)
- Wasseranlage: 45-Liter-Frischwassertank, Tauchpumpe, Truma Therme.
- Elektrik: Umformer 340 W. 5 Steckdosen (2 × TV-Platz, 2 × Küche, 1 × Bett). 2 USB-Anschlüsse über TV-Kommode.
- Beleuchtung: 1 Deckenleuchte, 2 Akku-Magnetlampen, Flächenleuchte Küche, indirekte Beleuchtung über Dachstauräumen vorn und hinten, 3 Spots im Bad. Vorzeltleuchte mit Dimmer.
- Küchenausstattung: Drei-Flammen-Gaskocher mit Zündhilfe, Spüle mit integriertem Klapp-Hebelmischer, geteilte Glasabdeckung. Kühlschrank Infigoo CVB3-145D, Nettoinhalt 131,5 L, Gefrierfach 15 L.
- Sanitär: Thetford-Drehtoilette, Waschtisch mit eingelassenem Becken und Hebelmischer.
