Praktisch gegen Eiszapfen – aber jetzt „illegal“?
Abtropflippen am Heizungskamin verhindern die lästige Eiszapfenbildung am Wohnmobil. Nun stellt Truma klar: Durch die Verwendung solcher Hilfsmittel erlischt die Betriebserlaubnis von S-Heizung, Combi und Co.
Passionierte Fans von Wintercamping kennen das Problem. Steht man mit dem Wohnmobil oder Wohnwagen bei Minusgraden längere Zeit mit laufender Heizung auf dem Stell- oder Campingplatz, bilden sich mit der Zeit große Eiszapfen am Abgaskamin der Camper-Heizung. Bei großer Kälte wird die Eismenge schnell immer größer und wächst an der Wohnmobilwand entlang und über die Fahrzeugschürze hinweg nach unten.
Das am Wohnmobil festgefrorene Eis wieder loszuwerden, ist oft gar nicht so einfach. Losklopfen birgt die Gefahr, das Fahrzeug zu beschädigen. Lässt man den Eiszapfen einfach dran, kann er sich während der Fahrt unkontrolliert lösen und Schäden am eigenen oder anderen Fahrzeugen verursachen.
Wie entstehen Kondenswasser und Eis?
Die meisten Heizungen in Wohnmobilen und Wohnwagen sind im Fahrzeuginneren eingebaut. Beim Heizen entstehen Abgase, die durch die Fahrzeugaußenwand nach draußen geleitet werden müssen. Die warmen Abgase haben eine relativ hohe Luftfeuchtigkeit, denn warme Luft kann mehr Feuchtigkeit speichern als kalte. Am außen liegenden und deshalb kalten Auslass bzw. Kamin kondensiert die Feuchtigkeit, fällt als Wassertropfen aus und läuft, weil der Kamin keine definierte, scharfe Abtropfkante hat, direkt an der Seitenwand nach unten.
Bei Minusgraden gefrieren die Tropfen schnell und bilden mit der Zeit immer größere Eiszapfen. Das Problem dabei ist nicht allein die Eisbildung. Im Abgas sind Verbrennungsrückstände und Ruß enthalten, die unschöne Schmutzschlieren und -streifen an der Außenwand unterhalb des Kamins verursachen. Wenn man diese Verschmutzungen nicht regelmäßig entfernt, können sie zu Schäden an Lack und Kunststoffteilen führen.
Eine einfache Lösung – eigentlich
Um das Kondenswasser vom Fahrzeug wegzuleiten, gibt es diverse Hilfsmittel. Abtropflippen und Kaminschilde werden im Fachhandel in vielerlei Varianten zum Kauf angeboten und sind längst kein Geheimtipp mehr. Preislich reicht das Angebot von fünf bis rund 30 Euro.
Das Prinzip ist bei allen Teilen dasselbe und recht simpel: Die Tropfnasen führen schräg nach unten und reichen mehrere Zentimeter weiter über die Seitenwand hinaus als der Heizungskamin. Das Kondenswasser läuft so nicht direkt an der Wand nach unten, sondern fällt von der Tropfkante des Ablaufs in ein paar Zentimetern Entfernung vom Aufbau zu Boden. Die Eiszapfenbildung wird so sehr effektiv verhindert. Denselben Effekt kann man übrigens mit einer einfachen Wäscheklammer erzielen.
Festmontiert oder angeklemmt
Teils werden die Kondenswasserableitungen nur im Campingbetrieb angeklemmt, wenn die Heizung läuft; teils werden sie fest montiert und bleiben dann ständig mit dem Fahrzeug verbunden. Selbst im letzteren Fall ist der Montageaufwand gering. Fürs Anbringen muss man nur zwei Kreuzschlitzschrauben lösen und wieder anziehen. Sie befestigen das äußere Abschlussteil des Kamins.
Fest montierte Teile sind prinzipiell komfortabler, aus Sicht der Straßenverkehrszulassungsordnung begibt man sich damit aber zumindest in eine Grauzone. Denn streng genommen müssen die Außenabmessungen eines Fahrzeugs in den Fahrzeugpapieren korrigiert werden, wenn Anbauteile, die Breite, Länge oder Höhe vergrößern.
Der promobil-Redaktion ist allerdings kein Fall bekannt, indem die Polizei ein solches Abtropfschild bemängelt hätte. Auf unsere Nachfrage bei Truma bestätigte der Hersteller, dass sich "Abtropflippen, welche den Ansaugquerschnitt der Verbrennungsluft verengen, sich per Definition im Gerät befinden". Damit sind sie Teil der Zulassung.
Truma verbietet Kondenswasserabläufe
Der Heizungshersteller Truma hat allerdings entschieden etwas gegen die Verwendung solcher Kondenswasserabläufe. In einem Beitrag auf der Truma-Website heißt es:
"So genannte Abtropflippen oder Kondensatabläufe sind zur Verwendung an unseren Heizgeräten nicht zugelassen. Eine Montage hiervon bringt die Betriebserlaubnis der Heizung und des Fahrzeugs zum Erlöschen. Außerdem kann ein nicht zugelassenes Anbauteil auch Störungen am Gerät verursachen, weil diese unter anderem die Abgasabführung nach außen teilweise blockieren. Wie in unseren Bedienungsanleitungen und den Einbauanweisungen beschrieben, darf keine Veränderung am Kaminsystem der Heizung vorgenommen werden. Das gilt für Truma S-Heizungen, Combi, Combi D und VarioHeat."
Einige für diesen Beitrag befragte Experten sehen durch die Verwendung solcher Abtropflippen kein wirklich ernsthaftes Risiko. Tatsächlich bemängeln jedoch vereinzelt HU-Sachverständige solche Abtropfnasen. Auch bei der Gasprüfung, zu der die Kontrolle der Heizung gehört, wird von einzelnen Prüfern gelegentlich auf die fehlende Zulassung solcher Abtropflippen hingewiesen. Unter Umständen könnte eine Blockierung und ein Stau des Abgasstroms gefährlich werden.
Daneben könnten "Probleme am Gerät" auftreten, weil Anbauteile das Ansaugen von Frischluft stören. In einem separaten Strang in der "Kamin"-Konstruktion gelangt Frischluft ins Innere der Heizung – denn die Verbrennung benötigt Sauerstoff. Durch die mittige Öffnung treten die Abgase aus, davon getrennt wird durch die ringförmige äußere Verbrennungsluft angesaugt. Die meisten Abtropflippen sitzen in dieser ringförmigen äußeren Zuluftöffnung, wodurch sich deren Querschnitt und Größe verkleinert. Dies kann zu den besagten Funktionsstörungen bei der Verbrennung führen, weil gegebenenfalls zu wenig Frischluft ins Innere gelangt.
Problem erkannt, aber keine Lösung in Aussicht
Durchaus verständlich, dass die Firma Truma nicht für Eingriffe an ihrer Heizungsanlage haften möchte, die sie nicht selbst freigegeben hat und die tendenziell unkontrollierbar sind. Wie uns Truma bestätigte, gibt es
"aktuell keinen von uns in Verbindung mit einer Combi oder VarioHeat geprüften und zugelassenen zusätzlichen Kondensatablauf zur Montage an das vorhandene Kaminaußenteil."
Gleichzeitig ist es nicht nachvollziehbar, dass es für das seit Jahrzehnten bekannte Problem der Eiszapfenbildung immer noch keine konstruktive Lösung von Truma selbst gibt. Ebenfalls erstaunlich: Vom schwedischen Hersteller Alde, der schon seit den 1990er Jahren zur Truma-Gruppe gehört, ist für den annähernd baugleichen Abgaskamin der bekannten Warmwasserheizung ein markeneigenes Kaminschild erhältlich. Gegen dessen Gebrauch hat der Heizungsbauer offenbar keinerlei Einwände. Ob Truma erlaubt, das Alde-Kaminschild bei ihren Gas- und Diesel-Heizungen zu verwenden, ist indes fraglich.
Immerhin gibt es Bewegung in einem Punkt: Beim Kamin der neuen Combi Neo hat Truma den Kamin so konstruiert, dass er eine scharfe und weiter außen liegende Abtropfkante aufweist. Allerdings: Die neue Version lässt sich nicht ohne weiteres gegen die weitverbreiteten Kamine aktueller Heizungsmodelle tauschen, so der Hersteller.
