Welcher Dacia bietet mehr fürs kleine Geld?
Der Spring ist kein vollwertiger Ersatz für jedes Auto – aber zumindest ein gutes Stadtauto mit sensationellem Preis-Leistungs-Verhältnis. Der Sandero bleibt dennoch das erwachsenere Auto. Mehr Platz, mehr Flexibilität, keine Reichweitenangst und universelle Einsetzbarkeit machen ihn zum besseren Erstwagen für viele Haushalte – wenn auch mit den langfristig höheren Betriebskosten.
Für weniger als 15.000 Euro gibt es bei Dacia derzeit den Spring und den Sandero. Doch welches Auto und damit welcher Antrieb ist besser – der Stromer oder der Benziner?
Günstiger als bei Dacia ist solide Mobilität nirgendwo zu bekommen. Doch mit dem jüngst überarbeiteten elektrischen Spring und dem ebenso frischen benzinbetriebenen Sandero bietet die Marke gleich zwei völlig unterschiedliche Einstiegs-Konzepte an. Beide Modelle rangieren im unteren Preissegment. Für den Spring gewähren die Rumänen 3.000 Euro Elektrobonus, der durch die staatliche Förderung ergänzt werden kann. Damit fällt der Preis unter Umständen auf unter 10.000 Euro. Den etwas größeren und vielfältiger nutzbaren Dacia Sandero gibt es ohnehin ab 12.790 Euro.
Die Frage lautet jetzt also nicht nur: Elektro oder Verbrenner? Sondern auch: Welches Konzept reicht für den eigenen Alltag?
Platzangebot und Alltagstauglichkeit: Zwei Klassen Unterschied
Mit rund 3,70 Metern Länge ist der Spring ein echter City-Zwerg. Vier Personen finden zwar Platz, im Fond geht es jedoch deutlich enger zu als im Sandero. Der Kofferraum fällt für diese Fahrzeuggröße ordentlich aus, bleibt aber im Vergleich mit rund 300 Litern begrenzt. Für den Wocheneinkauf oder das Fitnessstudio reicht das problemlos, für den Familienurlaub eher nicht.
Der Sandero ist allein deswegen eine Klasse größer. Mit über vier Metern Länge bietet er fünf vollwertige Sitzplätze und einen deutlich größeren Kofferraum (bis 372 Liter). Das Raumgefühl ist luftiger, die Rückbank bequemer. Gerade für Familien oder Paare mit größerem Platzbedarf ist der Sandero das vielseitigere Fahrzeug. Wer nur in der Stadt unterwegs ist, vermisst im Spring wenig. Wer regelmäßig Gepäck oder mehrere Mitfahrer transportiert, wird den Raumvorteil des Sandero aber schnell zu schätzen wissen.
Ausstattung und Sicherheitsniveau
Beide Modelle bieten als Einstiegsvarianten eine rudimentäre Grundausstattung mit klarer Funktionalität, wenig Schnickschnack und immerhin schon mit manueller Klimaanlage. Moderne Infotainmentsysteme, Assistenzsysteme und digitale Anzeigen sind optional verfügbar, aber sicher nicht auf Oberklasse-Niveau. Wichtig: Die besonders günstige Spring-Basisversion "Essential" ist aktuell nicht mehr erhältlich. Dadurch verschiebt sich der offiziell ausgewiesene Einstiegspreis (Expression-Version) auf 18.700 Euro. Die Extrem-Variante ist mit Media-Display (10-Zoll-Touchscreen) und elektrischen Fensterhebern rundum ist 1.000 Euro teurer.
Der Sandero wirkt insgesamt erwachsener, insbesondere in höheren Ausstattungslinien "Expression" und "Journey". Hier sind mehr Assistenzsysteme und Komfortoptionen wie Rückfahrkamera oder Klimaautomatik dabei. Einen Sonderstatus nimmt das offroadige Stepway-Modell ein, das es ab 14.990 Euro gibt. Auch lassen sich sämtliche Motorvarianten mit den verschiedenen Ausstattungs-Linien kombinieren. Beim Essential ist bei 100 PS Schluss.
Preis und Förderlogik: Hier wird es spannend
Apropos Kosten: Der Listenpreis des elektrischen Spring liegt wie erwähnt bei 18.900 Euro. Seit Januar 2026 gewährt Dacia allerdings einen Elektrobonus von 3.000 Euro bei Finanzierung oder Leasing über Mobilize Financial Services, beziehungsweise 2.500 Euro bei Barkauf. Dieser Bonus ist unabhängig von einer möglichen staatlichen Elektroprämie. In Kombination mit der staatlichen Förderung kann der effektive Einstiegspreis also unter 10.000 Euro sinken. Damit wird der Spring zum günstigsten Neuwagen mit Elektroantrieb auf dem Markt.
Der Sandero startet mit 65-Sauger-PS bei 12.790 Euro . Er erhält keine staatliche Förderung. Damit bleibt er zwar günstig, aber nicht mehr automatisch das billigste Angebot im Showroom. Die Preisfrage entscheidet sich also stark daran, ob Förderungen genutzt werden können und ob Finanzierung oder Barkauf geplant sind.
Antrieb und Fahrcharakter
Der Spring ist ein reiner Stromer. Seine Batterie mit rund 26 kWh Kapazität ermöglicht im WLTP-Zyklus gut 220 Kilometer Reichweite. Im Stadtverkehr fühlt sich der kleine Dacia mit 70 oder 100 E-PS durchaus agil an. Das sofort anliegende Drehmoment des Elektromotors sorgt für spontanen Antritt an der Ampel, das Fahrgefühl ist ruhig und unkompliziert. Für Pendlerstrecken oder rein städtische Nutzung reicht das völlig aus. Auf der Autobahn dagegen wird klar: Der Spring ist kein Reisewagen. Höhere Geschwindigkeiten – bei 125 km/h ist eh Schluss – reduzieren die Reichweite deutlich, längere Ladepausen gehören bei Überlandfahrten dazu.
Ganz anders der Sandero. Seine 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner – wahlweise als Saugmotor, Turbo oder LPG-Variante Eco-G – stehen für bewährte Renault-Technik. Mit Reichweiten von über 700 Kilometern pro Tankfüllung ist der Sandero deutlich flexibler einsetzbar. Er fährt sich konventionell, unaufgeregt und sogar richtig komfortabel. Besonders die Turbo-Variante mit 100 PS bietet ausreichend Reserven für Überholmanöver und Autobahnetappen. Der LPG-Antrieb punktet zusätzlich mit niedrigen Kraftstoffkosten.
Betriebskosten: Langfristige Perspektive
Elektroautos profitieren von geringeren Wartungskosten, Steuerbefreiung und günstigeren Energiekosten – insbesondere, wenn zu Hause geladen wird. Der Spring verursacht im Alltag deutlich geringere "Tankkosten" als ein Benziner. Der Sandero punktet dagegen mit Unabhängigkeit vom Ladeinfrastruktur-Netz. Kraftstoffkosten bleiben kalkulierbar, Wartungsintervalle sind bekannt, und die Technik ist unkompliziert. Gerade Vielfahrer profitieren von der schnellen Betankung und der hohen Reichweite.
Ein zentraler langfristiger Kostenfaktor des Sandero liegt – wie bei allen anderen Verbrenner-Modellen auch – in seiner höheren technischen Komplexität: Verbrennungsmotor, Abgasreinigung (Katalysator, Partikelfilter, Lambdasonden), Einspritzsysteme, Turbolader sowie Getriebe und Kupplung unterliegen mechanischem Verschleiß und erfordern regelmäßige Wartung. Ölwechsel, Filter, Zündkerzen, Kupplung und Bremsverschleiß summieren sich über Jahre zu spürbaren Kosten. Beim Dacia Spring entfällt all dies ersatzlos: Der Elektromotor arbeitet direkt, benötigt kein Getriebe, keine Kupplung und keine Ölversorgung, und die Rekuperation schont die Bremsen. Wartung beschränkt sich hier auf Fahrwerk, Reifen und das Thermomanagement der Batterie – was langfristig deutlich geringere Servicekosten bedeutet.
