Was ist das da am Heck?
Porsche arbeitet am Facelift des 911 GT3 RS. Nun wurde ein weitgehend ungetarnter Prototyp der überarbeiteten Modellgeneration (intern 992.2) bei Wintertests in Skandinavien erwischt.
Die neuen Erlkönigbilder liefern weitere Hinweise auf den Entwicklungsstand des kommenden Modells.
Bekannte Front, modifiziertes Heck
In der Seiten- und Frontansicht zeigt sich der Testträger in weiten Teilen identisch mit dem bekannten GT3 RS. Typische Merkmale wie die gelochten Kotflügel-Lamellen, die weit ausgeschnittenen Radläufe, die aerodynamisch optimierten Seitenschweller und die hohe, schwanenhalsartig montierte Heckflügelkonstruktion bleiben erhalten. Auch die Frontschürze wirkt bei den frühen Prototypen nahezu unverändert.
Inzwischen zeigen neuere Testfahrzeuge jedoch deutlich weitergehende Änderungen. Die Frontschürze fällt dort markanter aus, die Lufteinlässe sind größer dimensioniert, und auch die Luftführung im Bereich der Haube wurde sichtbar überarbeitet. Damit deutet sich an, dass Porsche die Aerodynamik an der Front stärker anpasst, als es die ersten Nürburgring-Exemplare vermuten ließen.
Erste Hinweise auf anderen Motor?
Am Heck waren bereits bei den frühen Prototypen erste Unterschiede auszumachen. Der Stoßfänger zeigt sich überarbeitet, ebenso der Diffusor, der nun vier vertikale Finnen aufweist – eine mehr als beim aktuellen Modell. Besonders auffällig sind zwei zusätzliche Öffnungen links und rechts des zentralen Endrohrpaares. Ob es sich dabei um funktionale Auslässe oder Attrappen handelt, ließ sich zunächst nicht eindeutig klären. Sie könnten jedoch auf eine geänderte Abgasführung hindeuten – und damit auch auf einen anderen Motor.
Unterhalb des durchgehenden Leuchtenbands befindet sich ein Bereich der Heckschürze, der in frühen Entwicklungsphasen noch teilweise verdeckt war. Aktuelle Prototypen zeigen diesen Abschnitt inzwischen weitgehend offen und geben den Blick auf einen groß dimensionierten Luftauslass oberhalb des hinteren Kennzeichens frei. Damit wird deutlich, dass Porsche die Kühl- und Abluftführung am Heck im weiteren Entwicklungsverlauf kontinuierlich ausgebaut hat.
Turbo statt Sauger?
Dazu passt, dass es seit 2024 Hinweise gibt, wonach sich die GT-Baureihe im Zuge verschärfter Euro-7-Vorgaben technisch verändern muss. In einem Interview ließ GT-Leiter Andreas Preuninger damals durchblicken, dass man intern zwischen Hybridisierung und Turboaufladung abwäge – mit klarer Tendenz zur Aufladung.
Die Gerüchteküche geht davon aus, dass der überarbeitete GT3 RS nicht mehr mit dem bekannten 4,0-Liter-Saugmotor ausgerüstet wird, sondern eine Variante des neuen 3,6-Liter-Turbo-Sechszylinders erhält, der bereits im Carrera GTS T-Hybrid zum Einsatz kommt. Dort wird das Triebwerk von einem elektrischen Turbolader und einem kleinen E-Motor unterstützt, der in das Doppelkupplungsgetriebe integriert ist. Diese Lösung wäre leichter als ein Vollhybrid und könnte mit Blick auf die Gewichtsverteilung besser zu einem kompromisslosen Tracktool wie dem GT3 RS passen.
Konkrete Hinweise auf den künftigen Antrieb liefern die aktuellen Prototypen bislang allerdings nicht. Die sichtbaren Änderungen konzentrieren sich vor allem auf Aerodynamik und Kühlung.
Zwischen GT3 RS und GT2 RS
Mit einer möglichen Turboaufladung würde Porsche eine Grenze überschreiten, die bislang als fest verankert galt – die Trennung zwischen Sauger-GT3 und Turbo-GT2. Sollte der kommende GT3 RS tatsächlich mit Aufladung kommen, würde er konzeptionell näher an den künftigen GT2 RS heranrücken.
Dieser soll mit einem noch leistungsstärkeren Plug-in-Hybrid-Antrieb auf Basis eines Biturbo-Boxers starten. Dort ist von deutlich über 1.000 PS die Rede. Insofern wäre es denkbar, den GT3 RS mit moderater Aufladung als technisches Bindeglied zwischen den Baureihen zu positionieren – noch ohne vollständige Elektrifizierung.
Innenraum: digitale Neuordnung
Ein Blick in den Innenraum blieb bislang verwehrt. Mit Blick auf das Serien-Facelift des 911 ist jedoch davon auszugehen, dass auch der GT3 RS künftig das volldigitale Kombiinstrument übernimmt. Größere Änderungen am Grundlayout sind nicht zu erwarten. Porsche dürfte sich auf Detailanpassungen bei Materialien und Individualisierung beschränken.
