Heute schlägt Affalterbach gegen Weissach-Flacht zurück: 6.52,54, also aufgerundet 6.53 Minuten – noch kein Testkandidat absolvierte die Nordschleife im Supertest schneller als nun der GT Black Series.
Mit dem GT R (7.11 min) qualifizierte sich die AMG-Mannschaft im Supertest 5/2017 erstmals für die Fahrdynamik-Champions-League. Der auf 750 Exemplare limitierte GT R Pro (7.07 min) untermauerte dann den Anspruch auf die Königsklasse.
Als sich dann die wild beflügelten Prototypen des GT ins Entwicklungstreiben auf der Nordschleife mischten, war klar: GT R und Pro waren nur die Vorspeise, die Hauptspeise heißt wieder Black Series.
Die Aero-Raffinessen riechen schwer nach Rennsport: Neben Flics findet sich an der Frontschürze der zweifach einstellbare Frontsplitter. Die ausgezogene Race-Stellung ist wohl bemerkt nicht im Straßenverkehr zugelassen.
Dazu sticht das Heckflügelkonzept über zwei Etagen heraus. Jeweils drei Einstellungen (flach, Mitte, steil) bieten beide Flügelprofile. Highlight: ein über zwei Elektromotoren und eine raffinierte Mechanik angesteuerter Flap im oberen Flügelprofil.
Die neunstufig regelbare Traktionskontrolle ist weiterhin an Bord. Für Stufe 1 und maximal mögliche TC-Regeleingriffe bis Anschlag nach rechts drehen, ...
... für Stufe 9, also „TC off“, voll nach links drehen. Mit dem weichen Hinterachsstabi glänzt der Black Series mit satter Traktion. Dann kann die Traktionskontrolle weitgehend rausgenommen werden (Stufe 7 – zwei Stufen vor "TC off").
Aus M 178 DE 40 AL wird M 178 LS2 – der V8-Biturbo erhält wegen zahlreicher Modifikationen einen neuen Code-Namen. Mit 730 PS ist er außerdem der bis dato stärkste Serien-V8 der AMG-Historie.
Den Michelin Pilot Sport Cup 2 R gibt es für den AMG GT Black Series in zwei Mischungen: Während die Kennung MO1A – die sogenannte Soft Compound – mit fast Slick-ähnlichem Gripniveau daherkommt, ...
... braucht die härtere MO2-Mischung etwas länger, insbesondere bei niedrigen Außen- und Asphalttemperaturen, um den optimalen Arbeitsbereich zu erreichen. Sie eignet sich dafür besser für längere Stints bei Trackday-Veranstaltungen.
Der Black-Series-Motor punktet nicht nur mit seinem Leistungsplus, sondern gleichzeitig auch mit einem noch besseren Ansprechverhalten und noch feinerer Dosierbarkeit.
Blacky begeistert dabei nicht nur mit faszinierendem Tempo, sondern auch mit einer noch nie da gewesenen Fahrstabilität im Hochgeschwindigkeitsbereich.
AMG gibt zwar keine Abtriebswerte zu seinen Rennfahrzeugen heraus, es verwundert jedoch nicht, dass der wild beflügelte GT Black Series deutlich mehr Gesamtabtrieb als ein AMG-GT4-Rennfahrzeug mitbringt.
Ab 140 km/h beginnt sich der Frontdiffusor zu verformen, bei 200 km/h hat sich das Element dann maximal möglich abgesenkt. Resultat: Der Black Series generiert mit 64 Kilo Vorderachsabtrieb bei 200 km/h weit mehr als der GT R (33 Kilo Auftrieb) und der GT R Pro (4 Kilo Abtrieb).
Mit den Flügelprofilen in der mittigen Einstellung generiert der Black Series allein auf der Hinterachse 150 Kilo Abtrieb bei 200 km/h (GT R: 54 kg, GT R Pro: 72 kg).
Im Fahrprogramm Race, das in Hockenheim und auf der Nordschleife genutzt wurde, ist der zusätzliche Flap zwischen 20 und 250 km/h dauerhaft ausgefahren.
Als der Black Series auf der Döttinger Höhe unter der Audi-Brücke die 250-km/h-Marke knackt, fährt der Flap ein. Beim harten Anbremsen oder Einlenken in eine Kurve über 250 km/h fährt er blitzschnell wieder aus, um Fahrstabilität zu garantieren.
307, 308, 309 km/h – genau mit jenem Tempo geht der Linksknick unter der Bilstein-Brücke in Richtung Tiergarten voll. Während es dich in anderen Sportlern bei diesem Speed unweigerlich gen Kurvenaußenrand trägt, diktierst du dem GT Black Series hier die perfekte Linie.
Famose Bremse: Beim Anbremsen aus 278 km/h auf die Spitzkehre in Hockenheim oder aus 237 km/h auf die Arembergkurve der Nordschleife brilliert der GT Black Series zudem mit Fabelwerten.
In der Simulation kalkulierten die Entwickler mit einer Rundenzeitenverbesserung auf der Nordschleife von 21 Sekunden zwischen GT R Pro und Black Series. Anteil des massiv gesteigerten Abtriebs an der Rundenzeitenverbesserung? Rund 40 Prozent (8,5 Sekunden).
Werkspilot Maro Engel hämmerte den GT Black Series in 6.43,616 Minuten über die Nordschleife. Ergebnis damals: Rekord für Serienfahrzeuge. Im Supertest reichen 6.52,54 Minuten für die Krone des schnellsten Testkandidaten in der Supertest-Historie seit 1997.
Eigentlich schaltet der Prüfstand erst bei fallender Leistung oder bei Drehzahlbegrenzung ab. Die Messung wurde zweimal im Prüfstandsmodus des GT mit gleichem Ergebnis reproduziert.
Der GT Black Series punktet nicht nur mit gesteigerter Motorleistung, sondern auch mit etwas geringerem Gewicht. GT R: 1.657 Kilo, GT R Pro: 1.642 Kilo, GT Black Series: 1.630 Kilo.
Heute knallen die Korken für Affalterbach. Herzlichen Dank an alle, die für dieses herausragende Sportwagenprojekt verantwortlich waren. Gerade in Zeiten, in denen gefühlt eine Hetzjagd auf das Automobil als solches in vollem Gange ist, sind Fahrzeuge wie der AMG GT Black Series Balsam für unsere Sportfahrer-Seele.