17 Meter Camping-Wahnsinn mit dem Porsche
Der neue Cayenne Electric darf bis zu 3,5 Tonnen ziehen. Genug für den 11,6 Meter langen Kabe Imperial 1000 TDL.
Der neue Cayenne Electric darf bis zu 3,5 t ziehen. Genug für den 11,6 Meter langen Kabe Imperial 1000 TDL – ein Rekord-Gespann.
Man braucht keinen lauten Auspuff, um mit einem Porsche Aufsehen zu erregen. Ein Elektro-SUV genügt – besonders wenn er in grelle Tarnfolie gehüllt ist und den längsten Wohnwagen Europas, den Kabe Imperial 1000 TDL, hinter sich herzieht. Schon länger bestand der Wunsch, mit einem solchen Koloss auf die Straße zu gehen. Doch stets stand die Frage im Raum: Welcher Zugwagen kann stattliche 3,5 Tonnen ziehen. Als Antwort darauf kommt die Pressemitteilung zum neuen Porsche Cayenne gerade recht: der neue rein elektrische SUV kann 3,5 Tonnen ziehen.
Das ultimative Power Duo
Von der Idee, den Cayenne mit dem Imperial zum längsten und stärksten Caravangespann zu verkuppeln, war Porsche so angetan, dass man ohne großes Aufheben einen Cayenne-Entwicklungsträger losschickte. Sein Ziel: Kabe-Händler Probus im pfälzischen Herxheim, wo ihm der Imperial 1000 TDL schon erwartungsvoll seine massive Heavy-Duty-Deichsel entgegenstreckt. Sie wird gleich zu tun bekommen.
Leiser, als die elektrische Anhängerkupplung auf Knopfdruck ausfährt, setzt sich der Cayenne aus der Waschhalle in Bewegung. Was für ein Gespann! Allein der Aufbau des schwedischen Wohnwagens misst 10,35 Meter, die Innenlänge immer noch 9,40 Meter, Gesamtlänge: 11,60 Meter. Und die Breite? 2,50 Meter. Das Ankuppeln zuvor stellte wegen der Rückfahrkamera samt gestochen scharfem Bildschirm, der einstellbaren Fahrzeughöhe und des fein dosierbaren Antriebs kein Problem dar.
Die Daten des Porsche Cayenne Turbo Electric sind nicht minder beeindruckend als jene des Imperial: Bis zu 850 kW (1156 PS) ist das Topmodell stark, wobei diese Leistung heute nicht abgerufen werden wird, denn sie steht nur im Launch Control-Modus zur Verfügung. Und der lässt sich mit Anhänger erst gar nicht aktivieren. Ist garantiert auch besser so. Jedenfalls darf der neue E-Cayenne regulär drei Tonnen ziehen, mit dem Offroad-Paket, das im Wesentlichen aus Stoßfängern mit größerem Böschungswinkel besteht, eben 3,5 Tonnen.
Wie verhält sich das Mega-Gespann während der Fahrt?
Dass der Cayenne Turbo Electric mindestens 165.500 Euro kostet, sorgt sogar für monetäre Harmonie in diesem Gespann. Schließlich ruft Kabe für den Imperial mindestens 111.000 Euro, in der gezeigten Variante sogar 160.000 Euro auf.
Optisch allerdings wirkt der Porsche vor dem Imperial wie ein Kompakt-SUV, obwohl er selbst fast fünf Meter lang ist. Und trotz des aufwendigen Aktivfahrwerks und satt über 2,6 Tonnen Lebendgewicht lässt der Fast-12-Meter-Apparillo den Power-Porsche nicht ganz kalt. Ganz sachte giert das Gespann um die Längsachse, wenn der Kabe Impulse von der Fahrbahn oder einem entgegenkommenden Lkw abbekommt. Aber nie so sehr, dass die Stabilisierungsprogramme von Fahrzeug und Anhänger eingreifen müssten. Dabei liegt der Cayenne mit seiner angenehmen Sitzposition und dem Porsche-typisch dünnen Lenkradkranz perfekt zur Hand, vermittelt ein sehr intimes Gefühl dafür, was Phase ist. Das ingeniöse Fahrwerk hält die Nickbewegungen in sehr engen Grenzen.
Den beiden E-Motoren indes scheint völlig wurscht, was da draußen so passiert. Der Cayenne wuppt den Kabe weg, als wöge er fast nix – keine echte Überraschung bei 630 kW (857 PS), die zur Verfügung stehen. In diesem Moment wünschst du dir selbst die Souveränität dieses Antriebes.
Laufen lassen, Strecke machen – das klappt selbst mit knapp 17 Metern besser, als du zunächst gedacht hast. In freiem Geläuf fährt sich der 1000er fast so wie ein ganz normaler 2,50er-Caravan. Aber: Wie weit würde man wohl so kommen? Da gilt für den Porsche dieselbe Faustformel wie für alle E-Autos: im Gespannbetrieb nur die Hälfte. Das sind beim Cayenne mit seinem dicken 113-kWh-Akku aber immerhin über 300 Kilometer. Die Elektronik des Cayenne registriert jedenfalls schnell die zusätzliche Belastung, korrigiert subito die Restreichweiten-Anzeige. Das hilft immens bei der Planung, die trotzdem ausgefeilt sein will. G’schwind mal drehen, mal eben ins Blaue hinein abbiegen? – puh, ne, lieber nicht. Aber der Mensch gewöhnt sich vielleicht nicht an alles, aber doch an vieles.
Der größte Wohnwagen Europas
Eine anhängerspezifische Routenwahl gibt’s übrigens nicht. Die Anpassung der Tempolimit-Anzeige (mehr als 80 km/h sind bei einem 3,5-Tonnen-Anhänger nicht drin) ist der einzige echte Zugwagen-Trick, den Porsche dem Cayenne mit auf den Weg gegeben hat. Aber vermutlich nimmt ohnehin kein Anfänger einen Wohnwagen wie diesen mit auf die Urlaubsreise. Nicht wenige Campingplätze würden wegen der Größe des Gespanns die weiße Fahne hissen. Aber für Urlaubsreisen kauft den Imperial eh kaum jemand, verrät Händler Probus. Stattdessen: Schausteller und Bauherren, die im Caravan wohnen, bis das Eigenheim fertig ist. Interessanter Anwendungsbereich.
Ebenso interessant ist die Konfiguration des Ausstellungsstücks, das mit Rundsitzgruppe im Bug und zusätzlicher Lounge in der Mitte Fragen nach dem Zweck aufwirft. Aber vielleicht mangelt es uns nur an Fantasie: Wer sich so viel Platz leisten kann, gönnt sich vielleicht einfach getrennte Ess- und Wohnbereiche. Schlafen kann man hier indes nur zu zweit. Aber nein, nicht nur Paare gönnen sich den Luxus eines Imperial. Kabe bietet auch Grundrisse mit vier und sechs festen Schlafplätzen an. An den Abmessungen und der Kabe-typischen Winter-Spezial-Ausstattung mit dickem Doppel-Alu-Sandwich, Warmwasserheizung samt frostsicherer Wasseranlage, Skischublade und aufwendiger Lüftungstechnik über Klappen in Wänden und Boden ändert das natürlich nichts.
Spannend: Immerhin 15 der Kabe-Großkaliber finden hierzulande im Jahr neue Besitzer. Weil der Ausflug nun ein Ende hat, muss der Wohnwagen wieder rückwärts in die Waschhalle… nein, muss er nicht. Er bekommt vom Händler eine Außenposition zugewiesen. Das Rangieren auf engem Raum hätte vermutlich kein schnelles und vielleicht auch kein gutes Ende gefunden.
Cayenne jetzt ohne Folienverpackung
Zum Zeitpunkt der Fotoproduktion durfte der Cayenne nur getarnt vors Werkstor. Inzwischen hat das SUV seine Weltpremiere gefeiert. Er ergänzt die weiterhin angebotenen Verbrenner-Modelle um vorerst zwei Elektro-Varianten. Die Basis bildet der Cayenne Electric mit einer Systemleistung von bis zu 325 kW, der Cayenne Turbo Electric kommt auf 850 kW – jeweils bei Nutzung der Launch Control. Null–hundert: laut Hersteller 4,8 und 2,5 Sekunden. Die Reichweite: 642 und 623 km (WLTP). Wenn es die Ladesäule hergibt, soll der Porsche mit bis zu 400 kW laden können.
